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Innere Medizin 22. Februar 2012

Opioide: Todesfälle durch Überdosierung?

Bei Patienten, die wegen ihrer Schmerzen Opioide bekommen, besteht auch ein erhöhtes Risiko, durch eine Überdosierung ums Leben zu kommen.

Mit zunehmendem Gebrauch von Opioiden in der Schmerztherapie in den letzten zehn Jahren stieg auch die Rate von Todesfällen durch Überdosierung dieser Medikamente massiv um 124 Prozent an. Da auf diesem Gebiet eine erhebliche Dunkelziffer der Meldungen anzunehmen ist, wurde nun die Assoziation zwischen der täglich verschriebenen Höchstdosis von Opioiden und der Einnahmeanweisung (bei Bedarf, regelmäßig oder beides) mit dem Mortalitätsrisiko durch Opioid-Überdosierung bei Patienten mit Karzinomen, chronischen Schmerzen, akuten Schmerzen und Substanzmissbrauch in einer Fall-Kohortenstudie untersucht. Patienten in Palliativ- oder Hospizeinrichtungen waren ausdrücklich ausgeschlossen.

Zwischen 2004 und 2008 erfasste man bei den Patienten der amerikanischen Veterans Health Administration 750 Fälle durch ungewollte Opioidüberdosierung und verglich sie mit einer Zufallsstichprobe von 154.684 Patienten, die in den Jahren 2004/2005 Opioide zur Schmerztherapie erhalten hatten. In der Beobachtungsperiode betrug die Häufigkeit einer tödlichen Überdosierung bei Personen, die mit Opioiden behandelt wurden, 0,04%.

Das Risiko einer Überdosierung stand in engem Zusammenhang mit der täglich verordneten Opioidhöchstdosis. Die Hazard Ratio lag in der Gruppe von Patienten mit Verordnungen von 100 mg/Tag oder mehr Morphin-Äquivalentdosen im Vergleich zur Gruppe mit verordneten Dosen zwischen 1 mg und 20 mg/Tag bei den Substanzabhängigen bei 4,54, bei den Patienten mit chronischen Schmerzen bei 7,18, bei akuten Schmerzzuständen bei 6,64 und bei Patienten mit Karzinomen bei 11,99. Dabei wurden Verschreibungen von Codein, Morphin, Oxycodon, Hydrocodon, Oxymorphon und Hydromorphon mit erfasst. Semisynthetische Opioide und Methadon wurden nicht berücksichtigt.

Bohnert, A. S. B. et al.: Journal of the American Medical Association 2011; 305 (13): 1315–21; doi:10.1001/jama.2011.370

Springermedizin.de, Ärzte Woche 8 /2012

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