zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
 
Schmerz 20. März 2009

Schmerzpatienten fächerübergreifend behandeln

Kärntner Kompetenzzentrum ZISOP setzt auf Interdisziplinarität.

Das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin – kurz ZISOP – am LKH Klagenfurt ist ein in Kärnten einzigartiges fächerübergreifendes Kompetenzzentrum zur Therapie von Schmerzpatienten. Im ZISOP sind die Abteilungen Interdisziplinäre Schmerzambulanz, die Palliativstation und Interdisziplinäre Onkologie (organisatorisch von DDr. Klocker, Onkologie, geführt) untergebracht.

 

Die interdisziplinäre Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt besteht seit 1992. Hier kooperieren die Abteilungen Anästhesiologie, Neurologie, Neurochirurgie, Radiologie, Orthopädie und klinische Psychologie. 2005 wurde das ZISOP mit einem stationären Bereich von 14 Palliativbetten und einem teilstationären Bereich (Tagesklinik mit 5 Betten) für chronische Schmerzpatienten geschaffen.

In der Schmerzambulanz sind die Leistungen von 21.562 im Jahr 2004 auf 22.323 im Jahr 2007 gestiegen. Auch in der interdisziplinären Tagesklinik war ein Zuwachs der Leistungen zu verzeichnen (2004: 1.915; 2007: 2.037).

Im Rahmen des ZISOP und der interdisziplinären Wirbelsäulenambulanz gibt es Konzepte für die Verwirklichung eines multimodalen Therapieschemas bei Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen, Kopfschmerzen und anderen chronischen Schmerzen. Interdisziplinär mit der Neurochirurgie werden jährlich 25– 30 SCS-Sonden sowie 10–15 Schmerzpumpen implantiert.

Das Aufgabengebiet der interdisziplinären Schmerzklinik umfasst chronische Schmerztherapie, palliativmedizinische Betreuung ambulanter und stationärer Patienten, postoperative Schmerztherapie und Durchführung von Regionalanästhesieverfahren. Folgende Verfahren erfolgen im ZISOP:

Diagnostisches Vorgehen

  • Ambulante Vordiagnostik durch zuweisende niedergelassene Kollegen
  • Stationäre und teilstationäre Diagnostik bei Multimorbidität im LKH Klagenfurt möglich
  • Ausführliche Anamnese
  • Schmerzfragebogen der DGSS
  • Schmerztagebuch
  • Aktivitätsliste
  • Allg. körperliche Untersuchung
  • Neurologische Untersuchung
  • Psychologisches Screening
  • Ausführliche Erhebung bisheriger Therapieversuche
  • Verhaltensanalyse
  • Konsiliaruntersuchungen in Kooperation mit den am Krankenhaus tätigen Fachbereichen und den regelmäßig zugezogenen Konsiliarien im niedergelassenen Bereich
  • Gegebenenfalls weitere apparative Untersuchungen in Kooperation mit den Fachabteilungen
  • Laboruntersuchungen
  • Auswahl von Diagnosetechniken: Thermographie, Klinisch-chemische und hämatologische Laboruntersuchungen, Psychometrische Verfahren, Psychophysiologische Methoden, Durchführung diagnostischer Blockaden, Quantitative sensorische Testung (QST), Standardisierte Algesimetrie, Computerisierte Schmerzanalyse.

Zielgeleitete Maßnahmen

  • Präzisierung, Aktualisierung und Ergänzung der medizinischen und psychologischen Diagnostik (multiprofessionale Einzelfalldiagnostik).
  • Analyse der biologischen, psychosozialen und ökonomischen Bedingungen der Schmerzkrankheit.
  • Reduktion der durch Schmerzen induzierten Behinderung der Betroffenen, d.h. weniger Arbeitsausfälle
  • Verbesserung des künftigen Leistungsvermögens, d.h. keine vorzeitige Berentung.
  • Spezifische Diagnostik und Behandlung von psychischen und sozialen Krankheitsbedingungen und deren Auswirkungen auf das Krankheitserleben (z.B. Depression).
  • Edukation über individuelle Schmerzerkrankungen, Entstehungsmechanismen, medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren zur Selbstkontrolle und Selbstbehandlung der Schmerzerkrankungen.
  • Beratung und Edukation zu Fragen der verbleibenden Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und evtl. Einleitung von berufsfördernden Maßnahmen.
  • Angebot eines multidimensionalen Behandlungskonzeptes, das medikamentöse und nicht-medikamentöse Strategien verbinden soll (Ganzheitsansatz).
  • Erstellung eines individuellen, patientenbezogenen Trainingsplans
  • Angebot von einzel- und gruppentherapeutischer verhaltensmedizinischer Behandlungskonzepte zur Bewältigung akuter und chronischer Schmerzzustände.
  • Erarbeitung von Nachsorge- und Langzeitkonzepten einschließlich Kontaktaufnahme zum Hausarzt, Betriebsarzt, Sozialdiensten und Selbsthilfegruppen.
  • Individuelle Behandlung der spezifischen Schmerzerkrankung(en) und Begleiterkrankung(en), dazu individueller, patientenbezogener Trainingsplan.
  • Alltagsbezogene verhaltensmedizinische und soziotherapeutische Maßnahmen zur Reintegration in Familie und Beruf.
  • Familientherapeutische Maßnahmen zur Verbesserung der schmerzbezogenen Kommunikation in der Familie und Vermittlung des Modells chronischer Schmerzen auch den Familienmitgliedern.

Therapeutische Techniken

Information über die Bedingungen von Schmerzen (Edukation)

Das Angebot reicht von Patientenseminaren, Gesprächsgruppen, Literatur, Kopfschmerzratgeber etc. (Bibliotherapie) über das Kennenlernen und Vermeiden von Auslösemechanismen bis zu Ernährungsberatung und -umstellung und Tagesplanung.

 

Interventionelle Verfahren

  • Entzugsbehandlung bei Medikamentenabhängigkeit
  • neurolytische Nervenblockaden
  • Rückenmarksnahe Opiatanalgesie
  • Implantation von Medikamentenpumpen
  • Medikamentöse Schmerztherapie
  • diagnostische und therapeutische Lokal- und Leitungsanästhesie
  • Implantation von rückenmarksnahen Kathetersystemen und Medikamentenpumpen
  • Implantation von Rückenmarks- Stimulationselektroden.
  • Nervenblockaden, Triggerpunktinfiltration etc.
  • Regionalanästhesiologie
  • Medikamentöse Prophylaxe
  • Medikamentöse Attackentherapie

 

Psychologische Verfahren

Operante Therapieverfahren: Aufdeckung und Beseitigung positiver Verstärker für Schmerzverhalten, Erhöhung der körperlichen Aktivität, Entwöhnung von Medikamenten.

Kognitive Verfahren: Management schmerzaufrechterhaltender Kontingenzen

Stressbewältigungstraining

  • Biofeedback-Verfahren
  • Beratung für Stressmanagement
  • Selbstreguliertes Medikationsprogramm
  • Information zu Stress und Schmerz
  • Bewegungstherapie
  • therapeutisches Milieu, in dem Wert auf maximale Entspannung und Selbstbeteiligung gelegt wird
  • Einzel- und Gruppentherapie

Familientherapie

Selbstsicherheitstraining

  • Abbau von Ängsten und Erhöhung der sozialen Kompetenzen, um Auslösesituationen von Schmerzanfällen kontrollieren zu können.

Schmerzimmunisierungstraining

  • Situationale Analyse durch tägliche Aufzeichnung von Schmerzepisoden, ihrer Auslöser und Intensität
  • Analyse von Schmerzverhalten im Hinblick auf die Verbindung zwischen Kognition, Copingstrategien und Schmerzepisoden
  • Präsentation einer Schmerzstimulation und Diskussion über Gedanken und Gefühle
  • Vergleich zwischen experimentellem und klinischem Schmerz
  • Erörterung der individuellen Schmerzkonzepte der Patienten
  • Erlernen neuer Bewältigungsstrategien
  • Übertragung der Trainingsinhalte auf den Alltag (Videofeedback)

Physio-/Sporttherapie

  • Bewegungstherapie
  • Manualtherapie
  • Krankengymnastik
  • Reizverfahren
  • Ausdauertraining
  • Krafttraining

 

Der Originalartikel ist nachzulesen im Magazin Südbahn Schmerzgespräche.

Kasten:
Schmerzkompetenzzentum ZISOP – Leitbild und Ziele
Leitbild
Den Mitarbeitern des Zentrums für interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin ist es wichtig, nach folgendem Leitbild zu arbeiten:
• Wir sind ein multiprofessionelles, interdisziplinäres Team im LKH-Klagenfurt – Spezialisten unter einem Dach.
• Wir bieten unseren Patienten eine individuelle ganzheitliche Betreuung bei kurativer und palliativer Intention mit dem Ziel der Erhaltung/Verbesserung der Lebensqualität.
• Wir betreuen Menschen mit akuten/chronischen Schmerzen, Krebserkrankungen und neurologischen Leiden.
• Im Mittelpunkt unserer Forschung und Lehre steht die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen.
• Wir sind ein Team, gekennzeichnet durch fachliche und menschliche Kompetenz, Offenheit, Verlässlichkeit, Flexibilität, Toleranz, Bereitschaft zu ständigem Lernen zur Weiterentwicklung.
• Wir streben eine hohe Effizienz bei sorgfältigem Umgang mit vorhandenen Ressourcen an.
Ziel
In Zukunft ist geplant, die interdisziplinäre Schmerztagesklinik um das multimodale tagesklinische Setting für Schmerzpatienten zu erweitern sowie interdisziplinäre Schmerzbetten einzurichten. Die Ziele solcher Einrichtungen sind:
• Optimierung der schmerztherapeutischen Versorgung durch Schaffung abgestufter ambulanter, tagesklinischer, stationärer und Konsiliar-Liaison Versorgungsstrukturen.
• Prävention, Schmerzverminderung sowie Eindämmung der fortschreitenden Chronifizierung von Schmerzen und deren psychosoziale Folgen (z. B. Arbeitsunfähigkeit, Frühpensionierung).
• Outcome-Kriterien: Schmerzlinderung sowie Wiedereingliederung in Arbeitsprozesse und ins soziale Leben, Verhinderung von Pflegebedürftigkeit, Verbesserung der Lebensqualität etc.
• Schaffung von effizienzsteigernden, sektorenübergreifenden Kooperationsstrukturen.
• Einführung qualitätssichernder Strukturen und Qualitätsstandards in der Schmerztherapie.
• Optimierung des Schmerzpatienten-Managements
Foto: Privat

Von Prof. Dr. Rudolf Likar, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben