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Schmerz 21. Juni 2011

Je früher, umso besser

In der EU sind bis zu 60 Prozent der Patienten mit ihrer Schmerztherapie unzufrieden. Der Erfolg der Behandlung ist abhängig von ihrem Beginn.

Österreichische Patienten suchen erst relativ spät nach dem Auftreten ihrer Schmerzen einen Arzt auf. Daneben sorgen auch Unterbehandlung sowie schlechte Compliance für Unzufriedenheit mit der Schmerztherapie.

 

„Für den Behandlungserfolg ist von zentraler Bedeutung, dass nach dem Auftreten von anhaltenden Schmerzen möglichst bald ein Arzt aufgesucht wird. Eine frühzeitige Schmerztherapie kann nicht nur vermeidbarem Leid ein Ende setzen, sondern auch der Chronifizierung von Schmerzen vorbeugen“, so Prof. Dr. Günther Bernatzky, Universität Salzburg, Naturwissenschaftliche Fakultät, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich einer Pressekonferenz zur 19. Wissenschaftlichen Schmerztagung der ÖSG.

Später Arztbesuch

Aktuelle, zum Teil unveröffentlichte Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Realität eine völlig andere ist: „Österreichische Patienten gehen im Durchschnitt erst drei, vier Wochen nach dem Auftreten ihrer Schmerzen zum Arzt“, zitiert Bernatzky eine aktuelle ÖSG-Umfrage. Verschreibt der Arzt ein Schmerzmittel, lässt häufig die Therapie-Treue zu wünschen übrig: 25 Prozent der Patienten, denen ein rezeptpflichtiges Schmerzmittel verschrieben wurde, nehmen eine zu niedrige Dosis ein. Das zeigt eine vor wenigen Tagen in Brüssel im Rahmen der Aktion „Die gesellschaftliche Auswirkung des Schmerzes“ präsentierte Umfrage mit fast 57.000 Befragten aus 5 EU-Ländern.

Unterbehandlung

Weitere Ergebnisse dieser Umfrage: Schmerzen werden häufig unterbehandelt. „Zwölf Prozent der Patienten mit schweren Schmerzen nehmen nur ein nicht verschreibungspflichtiges Schmerzmedikament (OTC), acht Prozent wurden gar nicht behandelt“, so Bernatzky. „Rund 60 Prozent der Patienten mit starken Schmerzen sind mit ihrer Behandlung unzufrieden.“

Die hohe Unzufriedenheit mag auch damit zu tun haben, dass die Schmerzen häufig nicht von Spezialisten behandelt wurden. Nach in Brüssel zitierten EU-Daten waren zum Zeitpunkt einer Befragung bloß zwei Prozent der Menschen mit chronischen Schmerzen bei einem Schmerzspezialisten in Behandlung. Bernatzky: „Es zeigt sich außerdem, dass in Regionen mit einer Schmerzambulanz die Versorgung deutlich besser ist als in Regionen ohne so eine spezialisierte Einheit.“

Der erste Schritt

„Die ÖSG wird es sich auch unter meiner Präsidentschaft zum Ziel setzen, die schmerzmedizinische Versorgung in Österreich weiter zu optimieren“, sagt der ÖSG-Präsident. „Es gibt sehr gute Methoden der Schmerztherapie, sie müssen allerdings möglichst konsequent und flächendeckend eingesetzt werden. Dafür ist es unabdingbar, dass Patienten ihren Schmerz ernst nehmen und damit zum Arzt gehen – je früher, desto besser. Diesen ersten Schritt kann ihnen niemand abnehmen.“TF

 

Quelle: Presseaussendung B & K anlässlich der Pressekonferenz zur 19. Wissenschaftlichen Schmerztagung der ÖSG

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