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Schmerz 25. Mai 2011

Demenzkranke haben spezielle Ausdrucksformen

Ursache für Verhaltensauffälligkeiten bei Demenzkranken können körperliche Beschwerden sein.

So manchem Demenzpatienten, dem wegen Unruhe ein sedierendes Psychopharmakon verordnet wird, wäre mit einer adäquaten Schmerztherapie weitaus besser geholfen.

 

Chronische Schmerzen und kognitive Beeinträchtigungen nehmen mit dem Alter zu. Das Zusammentreffen beider Phänomene bedingt, dass viele Betroffene ihre Schmerzen oft nicht mehr klar artikulieren können. Vordergründig fallen sie durch unruhiges, aggressives oder auch depressives Verhalten auf, deren Ursache die Schmerzen sind. Besonders in Alten- und Pflegeheimen würde dann allzu leicht ein Psychopharmakon verordnet, das sich bei einer adäquaten Schmerztherapie erübrigen würde, meint Dr. Norbert Grießinger von der anästhesiologischen Klinik und Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Erlangen.

Grießinger erinnert daran, dass auch nicht-demente ältere Menschen ihre Schmerzen oft nicht von sich aus ansprechen. Sie hätten Schmerz als normalen Bestandteil des Alters verinnerlicht oder glauben, man könne ohnehin nichts dagegen tun. Diese Mauer des Schweigens und der Fehlinformation müsse man als Arzt durch aktives Nachfragen und Aufklären durchbrechen. Notwendigkeit und Effektivität einer adäquaten Schmerztherapie nehmen im fortgeschrittenen Alter keineswegs ab.

Auf indirekte Hinweise achten

Besonders bei Demenz-Patienten ist aufgrund der eingeschränkten Mitteilungsfähigkeit auf indirekte Schmerzhinweise zu achten. Suspekt sind zum Beispiel eine auffällige Atmung, etwa angestrengtes Atmen, längere Phasen der Hyperventilation oder Atempausen. Auch wiederholtes Ächzen, Stöhnen oder Weinen, beunruhigtes Rufen oder ein trauriger, ängstlicher, sorgenvoller oder grimassierender Gesichtsausdruck können Zeichen für Schmerzen sein. Das Gleiche gilt für eine veränderte Körpersprache wie starre Haltung, geballte Fäuste, angezogene Knie, Um-sich-Schlagen, sich einem Tröster entziehen oder ihn wegstoßen.

Grießinger erinnert daran, dass sich zur raschen, standardisierten Erfassung und Gewichtung nonverbaler Schmerzäußerungen bei Demenzkranken der BESD-Fragebogen (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz)1 bewährt habe.

 

1 Basler HD et al.: Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD) – Untersuchung zur Validität eines Verfahrens zur Beobachtung des Schmerzverhaltens. Schmerz 2006; 20: 519–26; doi: 10.1007/s00482-006-0490-7

ÄZ/wst/PH, Ärzte Woche 21 /2011

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