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Erwachsene schätzen Beschwerden von Kindern nicht immer richtig ein.
 
Schmerz 25. Mai 2011

Bei Kindern Schmerz nicht bagatellisieren

Mit der richtigen Therapie kann eine Chronifizierung vermieden werden.

Wiederholt auftretende Schmerzen bei Kindern sollten nicht bagatellisiert, sondern behandelt werden. Das forderte der Hamburger Pädiater Dr. Raymund Pothmann am Deutschen Schmerz- und Palliativtag, der Ende März in Frankfurt am Main stattfand.

 

„Chronische Schmerzen nehmen bei Kindern zu. Schon über 200.000 Kinder allein in Deutschland leiden an starken wiederkehrenden Migräneattacken und fast jedes zweite Grundschulkind hat Spannungskopfschmerz. Häufig übersehen werden auch Rückenschmerzen und Rheuma.“ Studien zufolge kämpft jedes zweite Kopfschmerzkind Jahrzehnte mit seinem Leiden. Frühe Schmerzreize hinterlassen dabei eine Gedächtnisspur im Gehirn, die auch Jahre später noch aktiv sein kann. Ohne ausreichende Versorgung könne Schmerz chronisch werden, gerade bei Kindern ortet Pothmann jedoch katastrophale Zustände. „Normale psychosomatische Kliniken sind mit der Versorgung kindlicher Schmerzpatienten überfordert. Für ihre stationäre Versorgung gibt es jedoch deutschlandweit nur ein Zentrum“, so Pothmann. Bei Kindern mit starken, chronischen Kopfschmerzen rät er die Abklärung beim Kinderneurologen. Speziell wenn es in der Familie erbliche Vorbelastung gibt, könne dieser einen Gehirntumor ausschließen. „Behandeln sollte man akute Migräneattacken bei Kindern möglichst früh mit Medikamenten“, betont Pothmann. „Migräne ist immer biologisch bedingt. Anders ist die Situation beim Spannungskopfschmerz. Kinder sollten hier möglichst ohne Medikamente auskommen, um einer Chronifizierung vorzubeugen. Je nach Einzelfall zeigen Entspannungsübungen, Schlafrituale, verbesserte Ernährung, Hypnotherapie oder reduzierter Medienkonsum Erfolg, zudem vermitteln Gruppenangebote Strategien wie erhöhtes Selbstbewusstsein, Ablenkung oder Umdeutung vom Schmerz. „Ziel ist es, dass Kinder möglichst unabhängig von den äußeren Bedingungen werden.“ Ähnliche nicht-medikamentöse Behandlungen seien auch beim chronischen Bauchschmerz erste Wahl.

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