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Foto: wikipedia
Der Grund für die höhere Migräne-Prävalenz ist unklar. Die Forscher haben eher flackernde Bildschirme im Visier als Mobilfunkantennen.
 
Schmerz 13. April 2011

Gefahr durch flackernde Bildschirme?

Die HUNT-Studie zeigt, dass unter den 20- bis 50-Jährigen die Zahl der Migräne-Patienten steigt.

Der Anteil der Menschen an der Gesamtbevölkerung, der an Migräne leidet, hat innerhalb eines Jahrzehnts um ein Prozent zugenommen. Was in einer norwegischen Studie ermittelt wurde, klingt zunächst nicht nach viel, hat jedoch gesamtgesellschaftlich hohe Auswirkungen. Umgelegt auf die gesamte EU heißt das, dass gegenüber von vor zehn Jahren inzwischen fünf Millionen Menschen mehr mit Migräne leben.

 

Die Daten stammen aus der norwegischen HUNT-Studie (www.ntnu.edu/hunt). 74.000 Erwachsene wurden zwischen 1995 und 1997 in Hinblick auf Migräne untersucht, ehe die Erhebung elf Jahre später bei knapp 50.000 Menschen wiederholt wurde. Stellte man bei der ersten Erhebungswelle noch bei zwölf Prozent der Untersuchten Migräne fest, so waren es in der zweiten Studie 13 Prozent. Detailauswertungen zeigten, dass es besonders bei Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren Zunahmen gab.

Beunruhigt sind die Forscher besonders darüber, dass sie auf der Suche nach der Ursache dieses Anstiegs bisher noch im Dunkeln tappen. „Das ist ein Anstieg in erstaunlich kurzer Zeit“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Knut Hagen von der Norwegian University of Science and Technology. „Die Diagnosekriterien waren in den 1990er-Jahren dieselben wie heute und auch die selbstberichteten Migränefälle haben nicht zugenommen.“ Medikamente seien wahrscheinlich nicht die Verursacher, obwohl im gleichen Zeitraum die Verbreitung rezeptfreier Schmerzmittel stark gewachsen ist.

Am plausibelsten ist laut den Forschern die Vermutung, dass Umweltfaktoren beteiligt sind. Der oft beschuldigten Mobilfunkstrahlung gibt Hagen dabei einen Freispruch, da die Studie diesbezüglich keinen Zusammenhang feststellen konnte. Denkbar sei etwa, dass die steigende Stundenzahl eine Rolle spielt, die Menschen vor flackernden Bildschirmen verbringen. „EEG-Messungen der Gehirnaktivität zeigen, dass Migränepatienten mehr auf Lichtstimuli reagieren. Doch auch hier steht der wissenschaftliche Nachweis bisher noch aus“, so Hagen.

 

Linde, M. et al.: Time trends in the prevalence of headache disorders. The Nord-Trøndelag Health Studies (HUNT 2 and HUNT 3). Cephalalgia 2011; 31(5): 585–96 doi:10.1177/0333102410391488

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