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Foto: http://idw-online.de/
Der Berliner Akupunkteur Dr. F. Molsberger setzte sich selbst die Nadeln, bevor er sich operieren ließ, um zu testen, ob sie zur lokalen Betäubung ausreichen.
 
Komplementärmedizin 2. März 2011

Leistenbruch-OP mit Akupunktur

Ein deutscher Allgemeinmediziner prüfte im Selbstversuch die Wirkung von Anästhesie mittels elektrisch stimulierter Nadeln.

Für die vollständige Anästhesie der gesamten Operation war die Akupunktur dann doch nicht ausreichend. Dr. Friedrich Molsberger, Allgemeinmediziner in Berlin, versuchte, bei seiner eigenen Hernienoperation möglichst nur mit Nadeln und ohne Chemie auszukommen. Ohne medikamentöse Lokalanästhesie ging es aber nicht.

 

Dr. Friedrich Molsberger aus Berlin, Akupunkteur und Dozent der Forschungsgruppe Akupunktur, setzte sich selbst vor seiner Leistenbruchoperation sechs Nadeln in beide Unterschenkel an jeweils drei Akupunkturpunkte. Die Nadeln wurden mit Kabeln verbunden und über eine Stunde lang elektrisch stimuliert. Das Verfahren geht auf den japanischen Chirurgen Yamamoto zurück, der bereits chinesische Akupunktur mit Elektrostimulation zur alleinigen Betäubung bei Kaiserschnitten oder Blinddarmoperationen eingesetzt hatte. Doch es handelt sich hier um ein medizinisches Gebiet, das noch wenig erforscht ist. Molsberger tolerierte den Schnitt des Skalpells in einer Länge von sechs Zentimetern und das Präparieren in die Tiefe von bis zu 15 Millimetern ohne weitere Betäubung. Allerdings traten beim weiteren Schneiden in die Tiefe dann doch starke Schmerzen auf: „Es war nicht auszuhalten! Ich zuckte vor Schmerz, der Chirurg konnte nicht weiter arbeiten und musste Lokalanästhetikum nachspritzen“, berichtet Molsberger. Auf das Experiment hatte sich der Berliner Sportchirurg Dr. Jens Krüger eingelassen.

„Mit Akupunktur lassen sich viele Erkrankungen sehr gut behandeln“, ist Molsberger überzeugt. „Der Selbstversuch hat gezeigt, dass man mit Akupunktur auch Hautschnitte ohne Gabe von Medikamenten durchführen kann. Aber eine alleinige Anästhesie bei Operationen kann die Akupunktur nicht leisten. Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen und der Schulmedizin für ihre modernen Möglichkeiten dankbar sein.“

Weitere Untersuchungen seien jetzt notwendig, um die Betäubungswirkung von Akupunktur bei Operationen besser zu erforschen und – zum Beispiel durch andere Punktauswahl und Stimulationsverfahren – zu optimieren.

 

Molsberger, F.; Krüger, J.; Molsberger, A.: Akupunkturanästhesie bei Leistenbruchoperation – ein Selbstversuch. Forsch Komplementmed 2011;18:2-2; doi:10.1159/000323719

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