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Schmerz 1. Juni 2010

Über den Schmerz reden

Das Akutschmerzmanagement an der Grazer Uniklinik setzt auf die Mitarbeit des Patienten.

Obwohl Patienten und Krankenhausmitarbeiter beinahe ständig mit dem Schmerz konfrontiert sind, ist er immer noch ein Tabuthema. Die Schmerzwahrnehmung unterscheidet sich häufig beträchtlich zwischen Arzt und Betroffenem. Mit einem Akutschmerzmanagement hat die Uniklinik Graz im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Initiative zur umfassenden Schmerztherapie gestartet. Wesentlich zur Qualitätssicherung: Der Patient arbeitet aktiv mit.

 

Studien aus den Jahren 2004 und 2006 zeigten, dass 22 Prozent der Patienten über starke Schmerzen nach der Operation klagten, nur ein Drittel nach der Operation schmerzfrei war und nur 48 Prozent der Patienten eine Aufklärung über die Möglichkeit der Schmerztherapie erhielten. Daher steht im neuen Projekt „Akutschmerzmanagement“ nun am Beginn das persönliche Gespräch mit dem Patienten und die ausführliche Information über unterschiedliche Schmerztherapien – sowohl medikamentös als auch nicht medikamentös.

„Das Pflegepersonal befragt mittels Schmerzskalen die Patienten über ihr Schmerzbefinden oder verwendet dafür eigene Beurteilungsbögen. Das Ergebnis wird während des gesamten stationären Aufenthaltes dokumentiert“, erklärt Pflegedirektorin Christa Tax. So können auch Verlauf und Wirksamkeit der Therapie laufend kontrolliert und angepasst werden. Im Vorfeld des Projekts wurden die Mitarbeiter intensiv geschult, um gut vorbereitet auf die Patienten zugehen und sie aktiv einbinden zu können. Denn die Patienten sind der wesentliche Maßstab in der Beurteilung der Qualität der Maßnahmen.

Unterstützend für die Schmerzerfassung wurden Schmerzskalen angefertigt, Informationsbroschüren entwickelt und Fragebögen für Mitarbeiter und Patienten ausgearbeitet. Auch für Kinder stehen nun ein eigener kindgerechter Fragebogen bzw. Schmerzskalen zur Verfügung. „Kinder können Schmerzen nur schwer benennen“, erklärt Prof. Dr. Höllwarth, Vorstand der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie. „Die Schmerzskala für Kinder hilft ihnen dabei. Durch das Sichtbarmachen von Unbehagen beziehungsweise von Schmerz kann somit rasch und effektiv auf die individuellen Bedürfnisse unserer kleinen Patienten eingegangen werden.“

Aufbauend auf der regelmäßigen und dokumentierten Schmerzerfassung während des stationären Aufenthaltes, erhalten die Patienten eine Schmerztherapie aufgrund der aktualisierten und standardisierten umfassenden Therapieschemata für Basis- und Bedarfsmedikation. An nicht medikamentösen Schmerztherapieformen stehen an der Universitätsklinik unter anderem Lagerungen, Massage, Kälte/Wärmeanwendungen, Wickel, Entspannungstechniken, gezielte Gespräche, Musik, Atemtechniken, Kinästhetik und vieles mehr zur Auswahl. Sieben Kliniken bzw. Organisationseinheiten der Grazer Uniklinik nahmen an dem Projekt teil. Aufgrund des guten Erfolges ist bereits ein zweiter Abschnitt für zehn weitere Kliniken geplant.

 

Quelle: Presseinformation LKH – Universitätsklinikum Graz, April 2010

Die Teilnehmer
• Univ. Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin (Aufwachräume, Akutschmerzdienst)
• Univ.-Klinik für Chirurgie, Klinische Abteilung für Herzchirurgie
• Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie
• Univ.-Klinik für Orthopädie und Chirurgische Orthopädie
• Univ.-Klinik für Urologie
• Hals-, Nasen-, Ohren-Universitätsklinik
• Department für Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie

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