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Foto: ©iStockphoto.com/sazonov
Migräne kann den vorhergehenden Heißhunger auslösen, nicht umgekehrt.
 
Neurologie 21. April 2010

Schokolade löst keine Migräne aus

Süßigkeiten werden als direkter Trigger von Attacken überschätzt.

Süßigkeiten werden immer wieder als Auslöser für Migräneattacken genannt. Hintergrund dafür ist, dass viele Patienten in der Prodromalphase zu Heißhunger-Attacken neigen und im Zuge dessen zum Beispiel eine ganze Tafel Schokolade verschlingen.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen die Behauptung, das die Migräne eine Folge des „Fressanfalls“ ist. Eine Studie untersuchte das Auftreten von Migräne bei Patienten, die sich sicher waren, dass ihre Attacken durch Schokolade ausgelöst würden, und Patienten, die keinen derartigen Auslöser beobachtet hatten. Beide Gruppen aßen verblindet einmal Schokolade und einmal einen Ersatzstoff, der von Schokolade nicht unterscheidbar war. Beide Gruppen zeigten eine ähnliche Häufigkeit der Migräneattacken. Möglicherweise ist ein Essanfall in der Prodromalphase für manche Patienten sogar günstig, da sich der Körper vor Einsetzen von Inappetenz, Übelkeit und Erbrechen noch einmal für die Aufnahme von Kalorien sorgt.

Nahrungsmittel werden als direkte Auslöser für Migräne überschätzt. Die einzige Ausnahme stellen bestimmte alkoholische Getränke, insbesondere Rotwein, dar. Sie führen bei manchen Migränepatienten regelhaft zu Attacken. Entscheidend ist meist jedoch nicht der Alkohol, sondern andere Inhaltsstoffe. Ein Nahrungsmittel ist nur dann ein Trigger für Migräne, wenn es damit regelhaft und im direkten zeitlichen Zusammenhang steht.

 

Quellen: Marcus, D. A. et al.: Cephalalgia 1997; 17(8): 855-62. Silberstein, S. D. et al.: Seminars in Neurology 1995; 15: 175-82. Luciani, R. et al.: Cephalalgia 2000; 20: 122-6.

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