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Schmerz 30. März 2010

Alle gegen den Schmerz

Geteiltes Wissen ist halbes Leid: Eine Tagung fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Am 16. April werden im Wiener Rathaus auf der Fachtagung „Schmerz interdisziplinär“ multimodale Therapiekonzepte vorgestellt und Behandlungsmethoden praxisnah vermittelt. Prof. Dr. Wilfried Ilias, einer der drei Tagungsleiter, sprach mit der Ärzte Woche über die Fachtagung, die er mit Dr. Renate Barker, MSc, und Prof. Dr. Alexander Kober initiiert hat. Ilias leitet die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien und ist Ehrenpräsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft zur Schmerzbekämpfung Contra Dolorem.

An wen richtet sich der „4. Wiener Schmerztag“ im Rathaus?

ILIAS: Ziel des Wiener Schmerztages ist, Betroffenen die Möglichkeit zu geben, direkt mit Ärzten in Kontakt zu treten. Wir möchten ein besseres Bewusstsein dafür schaffen, wie mit Schmerzen umgegangen werden kann. Denn viele Betroffene gehen zu spät und mit falschen Vorstellungen zum Arzt. Dabei gibt es schon viele Schmerzambulanzen mit einem breiten Angebot – eine Behandlung ist in vielen Fällen durchaus möglich. Es gibt sogar eine gute Chance, bei entsprechenden Stellen Hilfe zu finden.

Welche großen Fortschritte hat die Schmerztherapie gemacht?

ILIAS: Im Bereich der chronischen Wirbelsäulenbeschwerden können wir tolle Fortschritte verzeichnen. Auch bei neuropathischen Schmerzzuständen gibt es mittlerweile interessante Optionen der medikamentösen Therapie und Operation. Auch Schmerzstimulatoren und –pumpen sowie neue Medikamente aus der Reihe der Anti-Epileptika können in der modernen Schmerztherapie zum Einsatz kommen. Und auch im Bereich der Psychologie hat sich viel geändert.

Warum ist die psychologische Betreuung wichtig?

ILIAS: Psyche und Schmerz liegen eng zusammen: Hoffnungslosigkeit etwa wirkt Schmerz-akzentuierend. Betroffene brauchen einen Bewältigungsmechanismus und Ärzte müssen ihnen sagen, wo und wie weit sie helfen können und wo nicht. Hier lässt sich schon mit einfachen psychologischen Mitteln viel bewegen.

Was bringt die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

ILIAS: Viele Menschen haben an verschiedenen Stellen und aus unterschiedlichen Gründen Schmerzen. Die ursächliche Schmerzbehandlung kann der Orthopäde, der Neurologe, Neurochirurg oder auch der Endokrinologe – etwa bei ungenügend behandeltem Diabetes – übernehmen. Dabei profitiert der Patient in jedem Fall von einer Vernetzung der behandelnden Ärzte: Bei der Therapie einer Gürtelrose sollten nicht nur die Schmerzen behandelt werden, sondern es sollte auch ein Dermatologe zur ursächlichen Therapie herangezogen werden. Alle Fachgebiete sollten voneinander wissen, was möglich ist. Da bestehen aber noch immer Defizite: Jeder forscht auf seinem Gebiet, aber nur wenige schauen über den Tellerrand. Tagungen wie „SCHMERZ INTERDISZIPLINÄR“ sollen deshalb den Austausch fördern. Neuerungen sollten immer der gesamten Medizin, und damit auch den Patienten, zur Verfügung gestellt werden.

Wie sieht die Schmerztherapie der Zukunft aus?

ILIAS: In den letzten 20 Jahren hat es bereits unvorstellbare Fortschritte in Technik und Medizin gegeben. Das wird exponentiell zunehmen. Wir sehen hier sicher einer sehr positiven Entwicklung entgegen. Stimulatoren und Pumpen werden kleiner und einfacher in der Handhabung werden. Möglicherweise lassen sich die Wirkstoffe dann auch über den Blutweg einschwemmen. Andererseits werden wir aber auch neue Schmerzerkrankungen kennenlernen, weil die Menschen immer älter werden.

„SCHMERZ INTERDISZIPLINÄR“ findet am 16. April von 8.30 bis 14.30 Uhr im Rahmen des 4. Wiener Schmerztages im Rathaus statt.

http://www.medevent.cc/

 

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits

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