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Schmerz 16. März 2010

„Palliativ“ kein Kontra zu „kurativ“

Mit gesamtheitlichen Maßnahmen können die Leiden von schwerkranken Patienten gemindert werden.

Die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten im Endstadium einer tödlichen Erkrankung ist das grundsätzliche Ziel der Palliativmedizin. Der Großteil der Patienten leidet an einer Krebserkrankung, gefolgt von AIDS. Aber auch chronische Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder COPD im Endstadium erfordern symptom- und angstlindernde Maßnahmen, um dem Patienten die letzte Lebensphase zu erleichtern. Dabei geht es auch um psychosoziale und spirituelle Aspekte.

 

Palliativmedizin sei keinesfalls als Rückzug auf das Allernotwendigste zu verstehen, betonen Dr. Verena Gartner und Prof. Dr. Herbert Watzke, Spezialisten für Palliativmedizin, MedUni Wien, sondern sie sei eine aktive Behandlungsform, die sich auf eine gute Diagnostik stütze. Palliativ sei nicht als Kontrapunkt zu „kurativ“ zu verstehen, betonen die beiden Autoren einer Studie zur Palliativmedizin. Im Mittelpunkt der medizinischen Maßnahmen stehe die Symptomkontrolle, wobei die Schmerzen bei Tumorpatienten im Vordergrund stünden, aber es gehe auch um andere belastende Folgen der Erkrankung, etwa Übelkeit, Fatigue und Dyspnoe.

Mit einem Palliativkonsiliardienst hat das Wilhelminenspital 2006 eine flexible Möglichkeit geschaffen, Patienten und deren Angehörige im Spital, aber auch Pflegepersonal und Ärzte zu unterstützen. Da das Team des Palliativkonsiliardienstes unter Leitung von OA Dr. Michaela Werni-Kourik eine umfassende Erhebung des Patientenstatus durchführt, werden hier wichtige Daten nicht nur über den medizinischen und pflegerischen Bedarf, sondern auch über den Krankheitsverlauf, den Wissensstand des Patienten über seine Erkrankung, seine Einstellung zu den Therapien sowie seine Wünsche und Ängste und außerdem die erreichbaren Ziele erfasst.

In einer Untersuchung erhoben Werni-Kourik et al. auf Grundlage dieser Symptome Pflegebedürftigkeit und Wünsche von Palliativpatienten in einem Schwerpunktspital. Allgemeine Schwäche, gefolgt von Appetitlosigkeit und Mundtrockenheit, waren die häufigsten Beschwerden (98 %, 76 %, 66 %). „Zwei Drittel der Palliativpatienten litten an Traurigkeit“, berichten die Autoren, „47 Prozent an Schlaflosigkeit, 33 Prozent an Schmerzen und 38 Prozent an Atemnot.“ Die im Vergleich zu anderen Ergebnissen niedrige Rate an Schmerzsymptomen dürfte auf das gut funktionierende Schmerzmanagement zurückzuführen sein. Als häufigste klinische Begleitsymptome wurden Anämie (72 %), Kachexie (48 %) und Nierenfunktionsstörungen (30 %) sowie Mundschleimhautveränderungen (29 %) und neurologische Symptome (28 %) dokumentiert. Auch diese Untersuchung bestätigte die Diskrepanz zwischen dem Wunsch der meisten Patienten, zu Hause zu versterben, und der Realität – in Wien sterben 66,5 Prozent der Bewohner im Spital.

Durch den Beitrag des Palliativkonsiliardienstes und die Brückenfunktion zwischen Spital und extramuralem Bereich konnten 53 Prozent der unheilbar kranken Patienten in der Untersuchung nach Hause entlassen werden, nachdem die Schmerzeinstellung und Linderung der Symptome in Kooperation mit den Hausärzten, den sozialen Stützpunkten und mobilen Palliativdiensten gesichert war. Der größte Anteil der Betreuung wurde von der Familie und einem mobilen Palliativteam übernommen.

Quellen: V. Gartner und H. Watzke: Palliativmedizin. Grundlagen und Symptomkontrolle, in: Wiener Klinische Wochenschrift Education 2/2006: 123-134

Werni-Kourik et al.: Symptome, Pflegebedürftigkeit und Wünsche von Palliativpatienten in einem Schwerpunktspital; Lazarus Newsletter 23/2009

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin Wiener Klinisches Magazin 6/2009.

© Springer-Verlag, Wien

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