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Dr. med. Dipl. soz. Reinhard Sittl Leitender Oberarzt am Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Erlangen

 
Schmerz 16. März 2010

Schneller Schmerz-Killer

Fentanyl Buccaltablette: Reduktion der Schmerzintensität und effektive Linderung bereits nach zehn Minuten.

Durchbruchschmerzen sind noch immer ein vernachlässigtes Symptom in der schmerztherapeutischen Versorgung von Krebspatienten. Sie manifestieren sich als vorübergehende Exazerbationen von chronischen Schmerzen, die ansonsten medikamentös mit Opioiden kontrolliert sind. Diese plötzlich einsetzenden Schmerzen mit hoher Intensität belasten betroffene Krebspatienten physisch und emotional, schränken die Lebensqualität ein und stellen häufig ein Hindernis für eine erfolgreiche Schmerztherapie dar. Sie rechtzeitig zu erfassen, die pathophysiologischen Ursachen herauszufinden und zügig zu behandeln, gilt als besondere Herausforderung im klinischen Alltag. Seit kurzem steht nun mit der Fentanyl Buccaltablette eine neue wirkungsvolle und schnelle Option zur Behandlung von Durchbruchschmerzen zur Verfügung.

 

Durch eine geeignete Kombination aus retardierten Opioiden, nicht-steroidalen Antirheumatika und Ko-Analgetika kann bei nahezu allen Krebspatienten eine Therapiesituation erreicht werden, in der die chronischen Dauerschmerzen auf ein für den Patienten erträgliches Maß gelindert werden. Dennoch kommt es bei Krebspatienten immer wieder zu plötzlichen Schmerzspitzen. Diese als Durchbruchschmerzen bezeichneten Exazerbationen chronischer und ansonsten stabil eingestellter Dauerschmerzen werden auch heute noch zu wenig beachtet, obwohl bis zu 70 Prozent der Tumorpatienten davon betroffen sind.

Die Schmerzattacken erreichen binnen weniger Minuten ihr Maximum und dauern im Median nur eine halbe Stunde an. Diese unerträglichen Schmerzen können bei bestimmten willkürlichen oder unwillkürlichen Bewegungen ausgelöst werden, treten aber auch unvorhergesehen mehrmals pro Tag auf. Durchbruchschmerzen haben dadurch einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität.

Studien konnten zeigen, dass das Vorhandensein von Durchbruchschmerzen einen Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Krebspatienten mit ihrer Schmerztherapie darstellt. Krebspatienten besprechen diese Schmerzattacken zu selten mit ihrem Arzt. Viele finden sich damit ab, an Durchbruchschmerzen zu leiden, weil sie keine effektive Behandlungsform kennen. Dabei steht mit den schnell wirksamen Opioiden eine Bedarfsmedikation zur Verfügung, die beim Auftreten von Schmerzspitzen eine schnelle Linderung bietet.

Neue Galenik sorgt für schnelle Wirkung

Der Wirkstoff Fentanyl eignet sich aufgrund seiner Eigenschaften besonders für die Therapie von Durchbruchschmerzen. Dieses starke Opioid wird wegen seiner hohen Lipophilie im Gegensatz zu Morphin sehr gut über die Schleimhaut resorbiert. Die Fentanyl Buccaltablette (Effentora®) kombiniert diese Eigenschaft des Wirkstoffs mit einer innovativen Galenik zu einer neuen therapeutischen Option für die Behandlung von Durchbruchschmerzen.

Die verwendete einzigartige Oravescent®-Technologie ermöglicht eine aktive und kontrollierte Resorption von Fentanyl. Im Vergleich zu anderen Darreichungssystemen lässt sich mit der neuen Formulierung eine hohe Bioverfügbarkeit (65 %) und eine Minimierung des First-Pass-Effekts erreichen. Zu Beginn einer Durchbruchschmerz-Episode wird die Buccaltablette in die Wangentasche auf das Zahnfleisch gelegt, wo sich die Tablette über einen Zeitraum von ca. 15 Minuten auflöst.

Die Applikation über die gut durchblutete Mundschleimhaut und eine kontrollierte schnelle Freisetzung aus der speziellen Galenik sorgen für eine hohe transmukosale Resorptionsrate. Verantwortlich dafür sind transiente Veränderungen des lokalen pH-Werts, die durch eine Brausereaktion der Buccaltablette an der Mundschleimhaut ausgelöst werden: Beim Speichelkontakt sinkt der pH-Wert, so dass sich der Wirkstoff schneller auflöst. Eine anschließende Bildung von Kohlendioxid (CO2), die mit einer Erhöhung des pH-Wertes einhergeht, fördert die Wirkstoffresorption über die Schleimhaut. Neue Studien haben auch gezeigt, dass eine sublinguale Absorption ebenso schnell erfolgt.

Vielversprechende Studienergebnisse

Die Wirksamkeit von Effentora® zur Behandlung von Durchbruchschmerzen wurde im Rahmen dreier klinischer Zulassungsstudien mit Krebspatienten nachgewiesen, die bereits eine Basistherapie der dauerhaften Schmerzen mit retardierten Opioiden erhielten. In zwei doppelt verblindeten Studien wurden alle Patienten über zehn separate Durchbruchschmerz-Episoden behandelt: Bei sieben Episoden erhielten alle Patienten Effentora®, bei den anderen drei Episoden Placebo.

Beurteilt wurden die Veränderung der Schmerzintensität und die Schmerzlinderung, gemessen vor sowie in regelmäßigen Abständen nach der Anwendung der Buccaltablette.

In der ersten Studie (Portenoy RK et al., Clin. J. Pain 2006) mit 123 Patienten wurde mit der Fentanyl-Buccaltablette nach 15, 30, 45 und 60 Minuten eine statistisch signifikant stärkere Senkung der Schmerzintensität erreicht als mit Placebo (p < 0,0001). Auch das Ausmaß der Schmerzlinderung fiel zu allen Zeitpunkten signifikant zugunsten von Fentanyl aus.

Die zweite Studie (von Slatkin NE et al., J. Support. Oncol. 2007) schloss 125 Krebspatienten mit Opioid-Basistherapie ein. Auch in dieser Studie wurde mit der Fentanyl-Buccaltablette eine signifikant größere Reduktion der Schmerzintensität erzielt als mit Placebo. Die Wirkung war bereits nach fünf Minuten erkennbar. Nach zehn Minuten wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zu Placebo erhalten. Auch war bei weniger Durchbruchschmerz-Episoden, die mit Fentanyl Buccaltabletten behandelt wurden, eine weitere Zusatzmedikation notwendig als unter Placebo (11 versus 30 %).

Sicherheit im Langzeitgebrauch

Die Langzeitsicherheit und -verträglichkeit wurde im Rahmen einer offenen Anschlussstudie von Weinstein (Weinstein S et.al., Cancer, June 2009, 2572-2579) untersucht. Insgesamt wurden 197 Krebspatienten eingeschlossen. 121 davon wurden länger als drei Monate, 26 länger als zwölf Monate mit der Fentanyl Buccaltablette behandelt. Am Schluss der Studie bevorzugten 88 Prozent der Patienten die Fentanyl Buccaltablette gegenüber ihrer zuvor verwendeten Bedarfsmedikation, 95 Prozent der Patienten schätzten den schnellen Wirkeintritt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Fentanyl Buccaltablette hervorragend zur Behandlung von Durchbruchschmerzen eignet. Studien haben ihre Effektivität, ihre rasche Wirksamkeit und ihre Sicherheit im Langzeitgebrauch demonstriert.

Von Dr. med. Dipl. soz. Reinhard Sittl, Ärzte Woche 11 /2010

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