zur Navigation zum Inhalt
 
Schmerz 16. März 2010

Qualvolle Spitzen verringern

Effektive Schmerztherapie kann Leben der Tumorpatienten verlängern.

Schmerzen sind das am stärksten gefürchtete Symptom einer Tumorerkrankung. Werden sie nicht frühzeitig und ausreichend behandelt, kommt es zur Chronifizierung und dadurch zu Mechanismen, die zu einer weiteren Verstärkung des Schmerzes führen. Die Angaben, wie viele Krebspatienten mit Schmerzen nicht ausreichend therapeutisch versorgt werden, schwanken zwischen 30 und 90 Prozent.

 

Neben dem Stufenschema für die Schmerzbehandlung, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 1986 veröffentlichte, stellte die Institution auch drei Empfehlungen für die Behandlung von Tumorschmerzen auf: Sie sollte „by the mouth“, also möglichst oral, verabreicht werden, um dem Patienten Unabhängigkeit zu gewähren. Sie sollte „by the clock“, also pünktlich und regelmäßig, erfolgen, um ein Wiederauftreten des Schmerzes möglichst zu vermeiden, und sie sollte „by the ladder“, entsprechend dem WHO-Stufenschema, erfolgen.

Ziel der Schmerzbehandlung ist immer die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Denn ein Leben mit weniger Schmerzen, verbesserter körperlicher und sozialer Aktivität sowie einer positiveren Lebenseinstellung kann durch die Besserung des immunologischen und physiologischen Zustands zu einer verlängerten Lebenszeit des Betroffenen führen.

Gefürchtete Durchbruchschmerzen

Besonders gefürchtet sind bei chronischen Tumorschmerzen die Durchbruchschmerzen, an denen Schätzungen zufolge etwa 80 Prozent der Tumorpatienten leiden und die durchschnittlich viermal pro Tag mit einer Dauer von 30 Minuten auftreten. Die Ursachen dieser kurzen, besonders intensiven Schmerzphasen sind unterschiedlich. Sie können durch körperliche Aktivität, also anlassbezogen, ebenso auftreten wie zum Ende der Wirkdauer der chronischen Schmerztherapie oder spontan und unvorhersagbar durch wechselnde Resorptionsverhältnisse, Wettersituationen oder durch die Progression der Grunderkrankung. Die Stärke des Schmerzes wird von den Patienten auf der numerischen Analogskala von eins bis zehn meist mit beinahe zehn angegeben.

Die kurze Dauer dieser Schmerzspitzen machte eine schnell wirksame Therapie bisher schwierig, da der Wirkeintritt der meisten potenten Analgetika aus der Gruppe der Opioide erst nach etwa 30 Minuten erfolgt. Seit Jahresbeginn stehen nun mit zwei neuen Fentanyl-Darreichungsformen schnell und hoch wirksame Präparate zur Verfügung, die zur Behandlung von Durchbruchschmerzen bei Tumorpatienten, die bereits eine Opioid-Therapie für die chronischen Schmerzen erhalten, eingesetzt werden können.

 

 www.library.nhs.uk/palliative, www.oncolink.org/coping, www.breakthroughpain.eu

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen können im Magazin Wiener Klinisches Magazin 6/2009 nachgelesen werden.

© Springer-Verlag, Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben