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Schmerz 16. März 2010

Schmerztherapie ist Menschenrecht

80 Prozent der Weltbevölkerung sind nicht oder unzureichend behandelt.

Der Zugang zur Schmerztherapie ist ein Menschenrecht. Unter diesem Motto veröffentlichte die nichtstaatliche Organisation Human Rights Watch im März 2009 das Dokument „Please, do not make us suffer any more“. Es beinhaltet neben einem umfassenden Überblick über den derzeitigen Stand der Schmerzbehandlung und über Hindernisse für eine ausreichende Therapie und Palliativpflege auch Empfehlungen an Regierungen, Arzneimittelpolitik-Verantwortliche, internationale Organisationen und die weltweite Menschenrechtsbewegung.

 

Die Zahlen zeigen den großen Bedarf nach adäquater Schmerztherapie: 60 bis 90 Prozent der Patienten in fortgeschrittenem Krebsstadium leiden unter mäßigem bis schwerem Schmerz – abhängig von der Tumorart, der Behandlung und den Patientenmerkmalen. Bei Patienten im Endstadium von AIDS geht man davon aus, dass 60 bis 80 Prozent beträchtliche Schmerzen leiden. Die Auswirkungen von Schmerz auf die Lebensqualität ergeben sich aus den körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen des Leidens. Die WHO stellt dazu fest, dass die meisten, wenn nicht alle Schmerzen, die durch Tumorerkrankungen verursacht werden, erleichtert werden könnten, wenn das bestehende medizinische Wissen und die Therapien umgesetzt würden.

Obwohl breite Übereinstimmung darüber besteht, dass Schmerztherapie verfügbar sein sollte, haben schätzungsweise 80 Prozent der Weltbevölkerung keinen oder ungenügenden Zugang zur Therapie bei moderaten bis schweren Schmerzen. Besonders betroffen davon sind die Entwicklungs- und Schwellenländer. Das potenteste Schmerzmittel, die Opioide, wird zum Großteil in Europa und Amerika verschrieben – aber unzureichende Schmerzbehandlung ist auch in den entwickelten Ländern zu finden, stellt der Bericht fest. So leiden schätzungsweise 25 Millionen Menschen jährlich in den USA an akutem Schmerz aufgrund einer Verletzung oder Operation, ebenso wie 70 bis 90 Prozent der Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium. Eine Studie über AIDS-Kranke in Frankreich zeigt, dass die Ärzte die Stärke des Schmerzes bei mehr als der Hälfte ihrer Patienten unterschätzten und daher Opioide und Antidepressiva zu selten verschrieben. Ursachen für den zu geringen Einsatz von Schmerzmitteln durch Ärzte liegen einerseits in der mangelhaften Ausbildung, aber auch in bürokratischen Hindernissen und der immer noch bestehenden, oft falschen Furcht vor dem Suchtpotenzial von Opioiden.

Quelle: www.hrw.org/en/reports

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen im Magazin Wiener Klinisches Magazin 6/2009.

© Springer-Verlag, Wien

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