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Onkologie 17. November 2009

Palliative Radiotherapie

Behandlungsdauer und damit verbundene Hospitalisierung sollten so kurz wie möglich gehalten werden.

Die palliative Strahlentherapie ist eine effektive Methode zur Linderung oder Ausschaltung von Tumorschmerzen. Darüber hinaus können viele tumorbedingte Symptome beeinflusst werden.

 

Bei den tumorbedingten Symptomen handelt es sich zum Teil um Schmerzen oder Druckgefühl durch tumoröse Infiltration, Kompression von Gefäßen und/oder Nerven, Obstruktion von Organen, weiters um spezifische Beschwerden wie Bewegungseinschränkungen, Husten, Dyspnoe oder Haemoptoe. „Andere Symptome sind mit Komplikationen verbunden, die für die Lebensqualität große Bedeutung haben, wie drohende Fraktur oder Querschnittslähmung, Hirnnervenausfälle, Hirndruckzeichen, Visusverlust, Atelektasen und poststenotische Pneumonie sowie Exulzerationen und Blutungen“, betonte OA Dr. Christian Stanek, Institut für Radioonkologie, Wilheminenspital, anlässlich des Fortbildungskurses „Onkologie in Klinik und Praxis“, der alljährlich von Prof. Dr. Heinz Ludwig organisiert wird (Die Ärzte Woche Nr. 42 berichtete im Vorfeld).

Prinzipien der Strahlentherapie

Im Vergleich zu einem kurativen radiotherapeutischen Behandlungskonzept werden im palliativen Therapieansatz geringere Gesamtdosen und unkonventionelle Fraktionierungsschemata mit somit kürzerer Gesamtbehandlungsdauer angewendet. Mögliche radiogene Spätnebenwirkungen werden unter Umständen in Kauf genommen, sollten jedoch immer kritisch abgeschätzt werden.

Grundsätzlich ist bei der palliativen Strahlentherapie in Hinblick auf die begrenzte Lebenserwartung darauf zu achten, dass die Behandlungsdauer und auch die eventuell damit verbundene Hospitalisierung so kurz wie möglich gehalten werden. Dies wird bei ausgedehnten, weit fortgeschrittenen und rasch proliferierenden Tumoren durch Erhöhung der täglichen Einzeldosis erreicht. Bei Patienten mit höherer Lebenserwartung sollte sich der Radiotherapeut jedoch eher an kurative Behandlungsregime mit niedrigerer täglicher Einzeldosis anlehnen, um die Problematik radiogener Spätfolgen zu vermeiden. Auch für die palliativen Indikationen kommt neben der Teletherapie (Bestrahlung von außen) die Anwendung der Brachytherapie (Bestrahlung von innen) in zunehmendem Maße zur Anwendung. Durch das HDR (high dose rate)-Verfahren als intrakavitäre, endoluminale oder interstitielle Technik erreicht man neben einer hohen Konzentration der Dosis im Tumor eine weitgehende Schonung umgebender Normalgewebe (insbesondere nach vorangegangenen Bestrahlungen), eine kurze Behandlungsdauer (einige Minuten) und damit verbunden eine geringere physische und psychische Belastung für den Patienten.

 

Quelle: Fortbildungskurs „Onkologie in Klinik und Praxis“, 4. bis 6. November 2009, Wilhelminenspital

Kasten:
Hauptindikationen zur palliativen Strahlentherapie
• Knochenmetastasen
• Zerebrale Metastasen
• Drohende Querschnittslähmung
• Ausgedehntes Tumorwachstum mit und ohne Infiltration der Nachbarorgane
• Drohende obere und untere  Einflussstauung
• Kompression und Obstruktion von Bronchus, Ösophagus oder  Gallengang
• Kutane Metastasen
• Lungenmetastasen
• Lebermetastasen
• Akute Blutungen (Uterus, Blase, Rektum)

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