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Hepatologie 8. Oktober 2009

Leberinsuffizienz durch Schmerzmittel

Überdosierung von Analgetika ist in Europa inzwischen die Hauptursache für akutes Leberversagen.

Abgeschlagenheit, ein plötzlicher Leistungsknick, Bewusstseinsstörungen, gelb verfärbte Haut und Skleren, dazu stark veränderte Blutwerte: Das klinische Bild beim akuten Leberversagen ist oft dramatisch. Laut Schätzungen liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit für davon Betroffene ohne Leber-Transplantation unter 50 Prozent.

Ein akutes Leberversagen liegt vor, wenn die Leber ihre Funktion plötzlich aufgibt, ohne dass eine zuvor bestehende Erkrankung des Organs besteht. Bis vor wenigen Jahren galt als wichtiger Auslöser für ein Versagen eine akute Hepatitis-B-Infektion; heute nimmt die Erkenntnis zu, dass es weitaus gefährlicher ist, in Überdosen Schmerzmittel wie Acetaminophen, auch als Paracetamol bekannt, einzunehmen.

Ein Duo Infernale: Paracetamol mit Alkohol

Dies belegen auch Studien in den USA. Von über 1.100 Patienten erlitten etwa 47 Prozent, also fast die Hälfte, ein Leberversagen, das auf die Einnahme von Paracetamol zurückzuführen ist. Nur sieben Prozent hingegen waren durch eine Hepatitis-B-Infektion bedingt. Weitere Studien aus Großbritannien und Dänemark bestätigen für ihr Land ebenfalls, dass Paracetamol häufigste Erkrankungsursache in über 40 Prozent war. Südeuropäische oder afrikanische Staaten hingegen vermelden nach wie vor die Hepatitis-B-Infektion als häufigste Ursache.

Eine eindeutige Höchstdosis für die Einnahme von Paracetamol gibt es bislang nicht. Sicher ist nur, dass bei großen Mengen von über fünf Gramm ein gefährlicher Leberzellschaden mit möglichem Leberversagen eintreten kann. In Verbindung mit regelmäßig überhöhtem Alkoholkonsum genügt eine weitaus geringere Dosis als Auslöser für ein Leberversagen. Es empfiehlt sich daher, bei Patienten mit unklarem Leberversagen oder mit einer plötzlichen Verschlechterung der Leberfunktion den Paracetamolspiegel zu bestimmen. Wichtig für die Behandlung ist, dass sie so früh wie möglich nach einer Paracetamolvergiftung einsetzt, nämlich spätestens nach etwa acht bis zehn Stunden.

N-Acetylcystein intravenös

„Intravenös verabreichtes N-Acetylcystein bewirkt einerseits eine Entlastung der durch die toxischen Metaboliten des Paracetamols entleerten Gluthationspeicher“, erklärt der Hepatologe PD Dr. A. Canbay, Universitätsklinik Essen, in einem Fachartikel in Der Gastroenterologe. Eine andere Wirkung besteht in einer Verbesserung der Hämodynamik und des Sauerstofftransportes. N-Acetylcystein kann auch als Antidot bei Leberschädigung durch Phenytoin oder Carbamacepin gegeben werden. Bei einer Leberschädigung durch Valproinsäure wird Carnitin als Behandlung empfohlen.

 

Quelle: Canbay A. et al.: Akutes Leberversagen aus der Sicht des Internisten und des Chirurgen. In: Der Gastroenterologe 2009; 4: 285–93

www.springer.com/PH, Ärzte Woche 41 /2009

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