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Foto: Ärzte Woche
Von Raoul Mazhar Stv. Chefredakteur
 
Schmerz 14. Juli 2009

Editorial

Schmerzvolle Zeiten.

Die Zahl chronischer Schmerzpatienten wächst überproportional an. Der lapidare Hinweis auf die höhere Lebenserwartung kann dieses Phänomen längst nicht mehr befriedigend erklären, zumal es sich immer öfter um junge Patienten handelt. Die schweren wirtschaftlichen Zeiten haben ein chronisches Problem deutlich gemacht: die zunehmende Belastung am Arbeitsplatz. Bei schwerer körperlicher Arbeit, die lange das Leben der Menschen prägte, wird der Bewegungs- und Stützapparat in Mitleidenschaft gezogen – leicht nachzuvollziehen. Doch heute haben wir es mit Belastungen anderer Art zu tun, vor allem mit psychischen, die ihren Grund in unserer normalen Arbeitswelt haben. Auf diesen Aspekt haben zuletzt wieder Wissenschaftler um Rolf Haubl von der Goethe Universität in Frankfurt am Main aufmerksam gemacht, in ihrer Studie über Betriebsklima und die Grenzen der Belastbarkeit in Zeiten des erhöhten ökonomischen Drucks. Der Sukkus: Nicht nur die Wirtschaftsblase ist geplatzt! Auch die Blase der sich verdichtenden Probleme in Arbeitsorganisationen drohe zu platzen! Die Wissenschaftler orten eine allgemeine Orientierungslosigkeit, die dazu führe, „dass sich viele Mitarbeiter nicht mehr mit ihrer Organisation identifizieren und sie sich gleichzeitig gezwungen sehen, professionelle Standards und Arbeitsqualität zu verletzen, um kurzfristige ökonomische Zielmargen zu erfüllen“. Die Forderung nach Effizienz ist einerseits legitim, doch sie könnte andererseits auch zu einem ungebührlichen und krankmachenden Druckmittel ausarten, denn ein bisschen mehr Effizienz ist ja, bitte schön, immer drin. So lange, bis der Mitarbeiter nicht mehr kann. Bis er sich im wahrsten Sinne krumm gearbeitet hat und ihn Rückenschmerzen plagen. Oder bis er von einem Herzinfarkt niedergestreckt wird. Gesunde und zufriedene Mitarbeiter? Heute eher die Ausnahme, vier von fünf Personen haben pro Woche mindestens eine psychosomatische Beschwerde, die in der Regel von massiven Schmerzen begleitet wird, sagen die Experten. Schmerz – ein umfassendes Problem, über die Medizin hinaus.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 28 /2009

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