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Religiöses Gefühl lindert Schmerz

Die oft beobachtete Schmerzlinderung bei starken religiösen Gefühlen wird nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern von einer speziellen Gehirnregion gesteuert. Forscher um Dr. Katja Wiech von der Universität Oxford konnten bei Versuchen die entsprechende Region im Frontallappen der Großhirnrinde ausfindig machen. Die Erkenntnisse sollen in der Schmerztherapie eingesetzt werden. Die Forscher verabreichten in ihrer Untersuchung je einem Dutzend praktizierender Katholiken und Nicht-Gläubigen Elektroschocks, wobei den Testpersonen ein Bild der Jungfrau Maria und ein ästhetisch ähnliches Gemälde von Leonardo da Vinci gezeigt wurde. Anschließend wurden die Teilnehmer befragt, wie stark die Schmerzen gewesen waren und welches Bild ihnen besser gefallen hatte.
Die Katholiken favorisierten das religiöse Motiv und berichteten von deutlich geringeren Schmerzen, wenn sie das Mariengemälde betrachteten, obwohl sie demselben Schmerzimpuls wie die anderen Testteilnehmer ausgesetzt waren. Der anderen Testgruppe gefiel das nichtreligiöse Bild besser, aber der Schmerz war während dessen Betrachtung nicht geringer.
Während des Versuchs wurden die Gehirne der Testpersonen einer funktionellen Kernspintomographie unterzogen. Dabei wurden bei den Katholiken starke Aktivitäten im rechten ventrolateralen präfrontalen Cortex nachgewiesen, wenn sie die Jungfrau Maria betrachteten. Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem dafür zuständig, einer schlechten Erfahrung positive Bedeutung zu geben, um damit besser umgehen zu können. Bei den Nicht-Gläubigen war diese Region unauffällig (Pain: DOI 10.1016/j.pain.2008.07.030).

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