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Orthopädie 7. Februar 2008

Zeitbombe Rheumatoide Arthritis

In Österreich leiden etwa 64.000 Menschen unter der schweren Erkrankung Rheumatoide Arthritis. Jährlich kommen zwischen 20.000 und 40.000 Neuerkrankungen dazu. Der Weg bis zur richtigen Diagnose und adäquaten Therapie dauert oft zu lange. Rasches Handeln ist gefragt.

„Wenn die richtige Diagnose der Rheumatoiden Arthritis innerhalb von drei Monaten gestellt und sofort mit der Basistherapie begonnen wird, lässt sich eine Remission von etwa 30 Prozent erzielen. Nach diesen drei Monaten verringert sich die Aussicht auf eine Remission auf nur mehr 11 Prozent. Die Uhr tickt also“, ruft Prim. Doz. Dr. Ludwig Erlacher, 2. Medizinische Abteilung mit Rheumatologie, Osteologie und Akutgeriatrie, SMZSüd, KaiserFranzJosefSpital, zu raschem Handeln auf.
„Häufig führt erst, nachdem bereits Jahre vergangen sind, eine Verschlechterung der Symptome die Patienten zum Rheumatologen, der durch die Kombination der klinischen Untersuchung des Laborbefundes und bildgebender Methoden die Diagnose stellen kann. Es ist dabei immer zu bedenken, dass auch andere Krankheitsbilder ähnliche Beschwerden auslösen können“, betont Prim. Dr. Burkhard F. Leeb, NÖ Zentrum für Rheumatologie, Humanisklinikum Stockerau, die Wichtigkeit der Differenzialdiagnose.

Linderung: schnell und anhaltend

Nach der Diagnose muss rasch in das Krankheitsgeschehen eingegriffen werden. In der Akutphase kommen einerseits nichtsteroidale Antirheumatika und Kortikosteroide zum Einsatz, um eine schnelle Linderung zu erzielen. Andererseits wird der Patient auf eine krankheitsmodifizierende immunmodulierende Basistherapie eingestellt. Methotrexat ist nach wie vor das Mittel der ersten Wahl. „Die rasch anzustrebende Dosis liegt bei 25–30 mg einmal pro Woche. Allerdings kann nur bei etwa 40 Prozent der Patienten eine deutliche Verbesserung erzielt werden und nur bei 15 Prozent kommt es zu einer Remission“, gibt Erlacher zu bedenken.
Sprechen Patienten nach drei Monaten auf diese Therapie nicht an, empfiehlt Erlacher eine kombinierte Therapie: Methotrexat plus einen TNFAlphaBlocker. Mit diesem Vertreter der Biologicals sollten vor allem junge Patienten behandelt werden. Vor Therapiebeginn sind aber eine Reihe von Untersuchungen, insbesondere zum Ausschluss von Infektionen sowie Impfungen gegen Grippeviren und Pneumokokken vorzunehmen. Diese Kombinationstherapie führt bei 30 bis 40 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung.
Führt auch diese Behandlung zu keinem Rückgang der Krankheitsaktivität, sollten auf eine andere BiologicalTherapie umgestellt werden. Revolutionär bezeichnet Erlacher die Hemmung der BZellAktivität mit dem monoklonaren Antikörper Rituximab. Er wirkt kausal auf die Krankheitsursache, indem er als erstes Medikament auf die BZellen abzielt. Schon ein einziger Behandlungszyklus mit zwei Infusionen erzielt dauerhafte Erfolge für sechs bis zwölf Monate – auch bei Patienten mit lang bestehender Erkrankung. Die progressive Gelenkszerstörung kann um mehr als 50 Prozent verringert werden. Mit einem weiteren Antikörper, Orencia, kann auch die CoZellStimulation der TLymphozyten gehemmt werden.
Erstmals hat sich die Prognose für entzündlichrheumatische Erkrankungen aufgrund von unterschiedlichen Therapieoptionen deutlich verbessert.

Quelle: Workshop Rheumatoide Arthritis – ein langer Weg zur optimalen Therapie, November 2007

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