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Orthopädie 7. Oktober 2008

Osteologie - Screening Prävention, Betreuung

Die alte Weisheit – Rheuma hat viele Gesichter – gilt nach wie vor.
Die etwas einfache Einteilung in entzündliche – nichtentzündliche und auch Weichteilrheumatismus ist viel zu profan, um in der täglichen Praxis bestehen zu können. Das bunte Bild, das uns die Patienten und Patientinnen in der täglichen Praxis bieten, ist so vielfältig, dass wir immer wieder spezielle Fragestellungen vertiefen müssen.
Neben dem Rheuma als Gesamtbild zählt Osteoporose laut WHO zu den zehn wichtigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit.
Da wir immer älter werden – die Lebenserwartungen in den Industrieländern steigen jährlich – gewinnt diese Krankheit zunehmend an Bedeutung für jeden Einzelnen.
Eine besondere Herausforderung ist die Kombination zwischen einer rheumatischen Erkrankung und Osteoporose. In beiden Fällen ist für viele Betroffene die Krankheit gleichbedeutend mit dem Verlust an Lebensqualität. Schmerzen infolge von Wirbeleinbrüchen, Angst vor weiteren Frakturen und eingeschränkte Beweglichkeit sind mögliche Folgen. Wenn die Diagnose Osteoporose noch zusätzlich zur rheumatischen Erkrankung gestellt wird, sind diese Ängste immanent. Das muss nicht sein, denn Osteoporose ist heute keine schicksalhafte Erkrankung mehr, die akzeptiert und erlitten werden muss. Krankheitsbild und -verlauf sind gut erforscht und es gibt entsprechende Diagnose- und Behandlungsmethoden, die das Fortschreiten der Krankheit verhindern können. Allerdings bedeutet das für die Betroffenen, eine Langzeittherapie durchhalten und den Lebensstil für den Rest des Lebens ändern zu müssen. Letzteres fällt den meisten freilich schwerer, als die regelmäßige Einnahme von Medikamenten.
Voraussetzung für ein eigenverantwortliches Umgehen mit der Osteoporose ist die umfassende Patienteninformation. Nur dann können die Erkrankten das Ausmaß und die Auswirkungen des eigenen Leidens begreifen. Unzählige Informationsbroschüren, Zeitungsartikel und Internetseiten mit Wissenswertem über Vorsorge, Diagnose und Behandlung wenden sich an Interessierte und Betroffene. Hier herrscht ein für Laien schwer durchschaubarer Informationsdschungel, weshalb es wichtig ist, dass der niedergelassene Arzt bei diesen Krankheitsbildern das Vertrauen der Patienten hat, ihn in die richtigen Diagnose- und Therapieprinzipien einführt, ihn bestärkt und auch langfristig und regelmäßig kontrolliert.
Aus diesem Grund war es uns besonders wichtig, das weite Bild der aktuellen therapeutischen Möglichkeiten sowie der Diagnosestellung auszuleuchten. Unabhängige und evidenzbasierte Informationen sind das Wesentliche, um die Eigenverantwortung für Arzt und Patient auf eine sichere Basis zu stellen.
Die Osteoporose ist nicht nur eine Erkrankung der Frauen. Die Diagnosestellung der Osteoporose erfolgt beim Mann oft viel zu spät, häufig erst aufgrund der Beschwerden durch osteoporotische Frakturen. Der Grund liegt einerseits in der mangelnden Bereitschaft der Männer, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, andererseits auch in der manchmal unzureichenden Kenntnis von Medizinern über die Häufigkeit der Osteoporose beim Mann. Die Diagnostik unterscheidet sich kaum von der bei den Frauen. Wichtig ist es beim Mann, auf Symptome einer Osteomalazie hinzuweisen, diese ernst zu nehmen und therapeutische Maßnahmen zu setzen.
Sowohl rheumatische Krankheitsbilder als auch der Diabetes mellitus sind verbreitete Leiden mit großem Einfluss auf Lebensqualität und Berufsfähigkeit. Dies gilt erst recht, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten. Schätzungen zufolge trifft dies auf mindestens 100.000 Österreicher zu. Nur wenn neben dem Diabetes auch die entzündliche rheumatische Erkrankung adäquat behandelt wird, kann eine gute Stoffwechseleinstellung gelingen. Bei diesen Krankheitsbildern handelt es sich um eine Koinzidenz von höchster klinischer Relevanz. Es bedarf speziellen Wissens, um die komplexen Zusammenhänge zu erkennen.
Zuletzt möchte ich noch auf Veranstaltungen im Herbst hinweisen: Der Osteoporosetag im Wiener Rathaus wird durch Rheumatage in den einzelnen Bundesländern ergänzt. Auch die Jahrestagungen der Gesellschaften finden demnächst statt. Neben den hoch qualifizierten fachlichen Informationen für die Spezialisten bieten sie auch für den niedergelassenen Arzt viele Anregungen. Es ist uns wichtig, die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bezug auf rheumatische Erkrankungen zu fördern und damit eine optimale therapeutische Präferenz für den Patienten zu erzielen.

Ich hoffe, dass wir Ihnen auch diesmal eine interessante Lektüre bieten können!

Mit kollegialen Grüßen
Ihr A. Dunky

Doz. Dr. Attila Dunky, rheuma plus 3/2008

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