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Wärmendes Moor

Dass Moor – als Moorbreibad oder Packung – gegen allerlei Gebresten helfen kann, ist keine neue Erkenntnis. Paracelsus empfahl vor 470 Jahren in seinem „Pfäferser Baderbüchlein“, Heilmoor gegen Fieber und Appetitlosigkeit, Unfruchtbarkeit und Gallenleiden. Und die Anregung für eine ganze Moorbadeanstalt soll Napoleon von seiner ägyptischen Expedition mit nach Europa gebracht haben, wo die Idee zuerst in Deutschland verwirklicht wurde.
Inzwischen weiß man, dass Moor nicht gleich Moor ist. So wird zwischen Torf, Schlamm und Heilerde unterschieden. Torf entwickelt sich aus Pflanzen und Kleingeweben und besteht deshalb – im Gegensatz zu Schlamm und Heilerde – zum überwiegenden Teil aus organischen Bestandteilen. Aus ihnen bilden sich Huminsäuren, die für die entzündungshemmende Wirkung der Mooranwendungen verantwortlich sein dürften. Sie hemmen nämlich das Enzym Hyaluronidase, das seinerseits Hyaluronsäure, Chondroitin- und Mukoitinsulfate spaltet. Allerdings gibt es für diese therapeutische Wirkung noch zu wenige Daten. Fest stehen die thermophysikalischen Eigenschaften des Moors, die es für Wärmeanwendungen, etwa bei bestimmten gynäkologischen Problemen, aber auch bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparats prädestinieren. rheuma plus sprach mit Dr. Herbert Melchart, seit 21 Jahren Kurarzt in Bad Tatzmannsdorf, über die Wirkung von Mooranwendungen bei rheumatischen Erkrankungen.

Ist Wärme bei entzündlichen Erkrankungen nicht eher ungünstig?
Melchart: Im floriden Stadium einer chronischen Polyarthritis ist Wärme nicht indiziert. Auch im Intervall kann es sein, dass durch die Wärmeanwendung ein Schub ausgelöst wird. Deshalb sollte man vorab immer das CRP bestimmen, vor allem dann, wenn man noch nicht weiß, wie der Patient auf Wärme reagiert.

Was ist die klassische Indikation für Mooranwendungen?
Melchart: Die Arthrose. Da können Packungen oder Bäder verordnet werden. Bei einem Bad, das rund 20 Minuten dauert, kommt es durch die Überwärmung zu einer Allgemeinreaktion. Das erwärmte Moor ist ja ein schlechter Leiter, hält also die Wärme lang. Dadurch erhöht sich die Körpertemperatur um ein bis eineinhalb Grad. Mehr sollte es nicht sein, sonst wird der Kreislauf zu stark belastet. Wenn der Patient kreislaufstabil ist, wird der Moorbrei auch warm abgewaschen und der Patient wird anschließend zum Nachschwitzen in warme Tücher eingepackt. Bei Kreislaufproblemen oder wenn nur ein Gelenk betroffen ist, ist eine Moorpackung indiziert. Die Packung gibt langsam Wärme an den Körper ab, sie kann deshalb, ohne den Kreislauf stark zu belasten, mit einer Temperatur von 46 Grad verabreicht werden.

Mögen die Patienten das Moor?
Melchart: Es wird in letzter Zeit immer mehr genutzt, auch wenn es erst wenige wissenschaftliche Daten dazu gibt. Die Mooranwendungen gehören immer noch zur Erfahrungsheilkunde. Aber die Betroffenen fordern es ein, auch Privatpatienten. Daraus schließe ich, dass sie mit dem Erfolg zufrieden sind. Vor dem ersten Mal ist es günstig, ihnen zu sagen, dass sie nicht befürchten müssen, dass sie durch das Moor Hautprobleme bekommen. Im Gegenteil: Ein Nebeneffekt ist, dass die Gerbstoffe die Haut glätten.

Elisabeth Tschachler-Roth, rheuma plus 1/2007

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