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Rheumatologie 3. Oktober 2006

Innovative Forschung

Hunderte wissenschaftliche Präsentationen, engagierte Debatten über die Lage der europäischen Rheumapatienten, neue Behandlungsrichtlinien: Das brachte der heurige Jahreskongress der Europäischen Rheumaliga (EULAR) im Juni in Amsterdam. Trotz ihrer großen Zahl seien Rheumapatienten regelrechte Stiefkinder der europäischen Gesundheitspolitik, kritisieren Ärzte und Betroffene: Es müsse endlich mehr Unterstützung für die Rheumaforschung und die adäquate Patientenversorgung geben.
Viele innovative Forschungsergebnisse kommen aus österreichischen Instituten und Krankenhäusern: Neue Therapien werden von österreichischen Wissenschaftern entscheidend mitentwickelt, Wege der Gelenkzerstörung entschlüsselt und die Frühdiagnostik wesentlich mit gestaltet. Im Folgenden eine Auswahl der auf der europäischen Rheumatologentagung präsentierten Beiträge.

 Kasten

 

Rheumatoide Arthritis: Krankheitsdauer beeinflusst Sensibilität der Evaluationsinstrumente

Dr. Daniel Aletaha, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien

 Dr. Daniel Aletaha
Foto: Wustinger/B&K

Der „Health Assessment Questionnaire Disability Index“ (HAQ) ist ein bei der rheumatoiden Arthritis häufig eingesetzter Funktionsscore, der Funktionen des täglichen Lebens evaluiert und Beeinträchtigungen und Behinderungen betroffener Patienten misst. Wir konnten kürzlich zeigen, dass die Sensibilität dieses Messinstruments für Veränderungen mit der Dauer der Erkrankung abnimmt. Weil dies in der Behandlungspraxis ebenso wie in klinischen Untersuchungen bedeutende Konsequenzen hat, sind wir der Frage in einer neuerlichen Untersuchung weiter im Detail nachgegangen.
In unserer Untersuchung verwendeten wir ein lineares Modell auf der Basis von Daten aus zwischen 1997 und 2005 veröffentlichten klinischen Studien, wobei der Messeffekt des HAQ in Beziehung zur Dauer der Erkrankung gesetzt wurde. Eine weitere Differenzierung erfolgte nach den in den Studien eingesetzten Substanzen, nämlich Biologika, herkömmlichen DMARD („disease modifying drugs“) und Placebo.
Wie sich zeigte, hat die Dauer der Erkrankung einen negativen Effekt auf die Messbarkeit von Veränderungen im Krankheitsverlauf. So ist etwa im Frühstadium der rheumatoiden Arthritis der Effekt von Biologika auf die HAQ-Parameter sehr deutlich, nimmt aber mit der Dauer der Krankheit erkennbar ab. Die Auswirkungen von Biologika auf die HAQ-Ergebnisse unterscheiden sich zwar deutlich von jenen, die Placebo auf die Ergebnisse des Messinstruments hat, aber auch dieser Unterschied nimmt mit der Dauer der Erkrankung ab. Nach zehn Jahren Krankheitsverlauf lassen sich die Effekte von Biologika und Placebo auf den HAQ nicht mehr unterscheiden.
Das hat eine wichtige Konsequenz für die Interpretation von Studienergebnissen: Eine HAQ-Veränderung durch die eingesetzte Therapie kann nur im Bezug auf die jeweilige Studie und die darin eingeschlossene Patientengruppe interpretiert werden – die HAQ-Ergebnisse unterschiedlicher Studien sind aber nur sehr bedingt miteinander vergleichbar.

EULAR-Abstract:
OP0135 RESPONSIVENESS OF THE HEALTH ASSESSMENT QUESTIONNAIRE DISABILITY INDEX (HAQ) TO BIOLOGICS IN COMPARISON TO PLACEBO IN CLINICAL TRIALS OF RHEUMATOID ARTHRITIS (RA): EFFECTS OF RA DURA­TION. D. Aletaha1, V. Strand2, J. S. Smolen3, M. M. Ward4
1 Department of Rheumatology, Vienna Medical University, Wien, Austria,
2 Division of Immunology, Stanford University, Portola Valley, USA,
3 Second Department of Medicine, Hietzing Hospital, Vienna, Austria,
4 NIAMS, National Institutes of Health, Bethesda, USA
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Systemische Autoimmunerkrankungen:
Anti-TNF-Therapie wirksam bei SLE-Nierenentzündung

Prof. Dr. Martin Aringer, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien

 Prof. Dr. Martin Aringer
Foto: Wustinger/B&K

Eine Therapie mit TNF-alpha-Hemmern, wie sie bei einer Reihe von chronisch entzündlichen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden, könnte auch bei systemischen Autoimmunerkrankungen eine viel versprechende neue Therapieoption darstellen, zeigen aktuelle Studienergebnisse.
Wer an Rheuma denkt, denkt meist an Gelenkschmerzen. Ungefähr zweitausend, meist junge Frauen leiden aber allein in Wien unter einer anderen Form von Rheuma: nämlich an so genannten systemischen Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes (SLE). Solche Erkrankungen können alle Organe befallen und im Extremfall zerstören. Dabei kommt es zur Bildung von so genannten antinukleären Antikörpern gegen körpereigene Zellkerne.
Eine häufige Folgeerscheinung des SLE sind schwere, schmerzlose Entzündungen der Nieren. Die heute verfügbare Behandlung ermöglicht den meisten PatientInnen ein weitgehend normales Leben – trotz einer Erkrankung, die noch vor ein paar Jahrzehnten tödlich war. Sie ist aber bei weitem noch nicht perfekt, sondern unspezifisch und mit beträchtlichen Nebenwirkungen behaftet. Weltweit wird daher intensiv an neuen Ansätzen gearbeitet, die sich zum Teil schon in klinischen Prüfungen befinden.
Die Klinische Abteilung für Rheumatologie in Wien war das weltweit erste Zentrum, das begonnen hat, SLE-PatientInnen mit dem TNF-Hemmer Infliximab zu behandeln, der bei anderen rheumatischen Erkrankungen bereits erfolgreich eingesetzt wird. Tumornekrosefaktor (TNF) ist ein stark entzündungsfördernder Botenstoff des Immunsystems. TNF ist bei PatientInnen mit SLE sowohl im Blut als auch in der Niere stark erhöht, und zwar umso mehr, je aktiver die Erkrankung ist.
Inzwischen konnten wir bereits die Langzeit-Effekte einer solchen Behandlung untersuchen. Unter Infliximab kam es zu einer raschen Besserung der Nierenentzündung mit deutlichem Rückgang des Eiweißverlustes über den Harn, und zwar offenbar langfristig. Zwar stiegen bei einigen Patienten die krankheitsrelevanten Antikörper an, dies aber nur vorübergehend.
Die Untersuchungsergebnisse im Detail: Die SLE-Patienten wurden mit vier Infusionen des TNF-alpha-Blockers Infliximab, kombiniert mit Azathioprin oder Methotrexat, behandelt. Bei drei Vierteln der Behandelten kam es zu einer mehr als 50-prozentigen Verbesserung der Nierenentzündung, und bis auf einen Patienten hielt die Verbesserung auch ein Jahr nach der letzten Infusion weiter an. Abgesehen von Harnwegsinfekten beobachteten wir als Nebenwirkung in einem Fall eine Venenthrombose, die möglicherweise mit der Therapie assoziiert ist.

EULAR-Abstract:
THU0249 FOLLOW-UP OF SLE PATIENTS TREATED WITH INFLIXIMAB: LONG-TERM REDUCTION IN PROTEINURIA, BUT ONLY TRANSIENT AUTOANTIBODY INCREASE. M. Aringer1, W. B. Graninger1, G. Steiner1, J. S. Smolen1
1 Division of Rheumatology, Department of Internal Medicine III, Medical
University of Vienna, Vienna, Austria
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Knochenzerstörung bei rheumatoider Arthritis: Entschlüsselung der Entstehungs­mechanismen ebnet möglichen Weg für neue Therapieansätze

Dr. Nikolaus Bernhard Binder, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien

 Dr. Nikolaus Bernhard Binder

Eine ebenso typische wie belastende Auswirkung der chronischen Polyarthritis ist die zunehmende Zerstörung von Gelenkknochen. Diese führt unbehandelt nicht nur zu einer zunehmenden Destabilisierung, sondern in der Folge zur kompletten Versteifung des betroffenen Gelenks. Unsere Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, welche Mechanismen zur Gelenkknochenzerstörung führen. Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen kann entscheidend dazu beitragen, neue besonders zielgerichtete Therapien zu entwickeln.
Inzwischen ist bekannt, dass eine ganz bestimmte Körperzelle, nämlich der Osteoklast, ursächlich an der Gelenkdestruktion beteiligt ist. Eine wichtige Rolle für die Entstehung von Osteoklasten dürfte ein bestimmtes Protein (monocyte chmoattractant protein-1, MCP-1) spielen, das nicht nur an der Entstehung von Osteoklasten-Vorläuferzellen entscheidend beteiligt ist, sondern auch an der weiteren Ausbildung dieser Zellen – ein Grund, warum wir den Stellenwert dieses Proteins genauer erforscht haben.
Zentrales Ergebnis unserer In-vitro-Untersuchung: MCP-1 ist ein entscheidender Mediator für die Entstehung von Osteoklasten: Wurde das Protein durch Antikörper blockiert, konnte auch die Osteoklastenbildung gehemmt werden, wobei die MCP-1-Blockade offenbar nicht schon die Entstehung von Osteoklasten-Vorläuferzellen verhindert, sondern die Differenzierung, also die Ausbildung, dieses Zelltyps. Untersucht wurde auch die Reaktion von MCP-1 auf das Vorhandensein des Eiweißmoleküls TNF-alpha, dem eine wichtige Rolle im Entzündungsgeschehen zukommt. Die Zugabe von TNF-alpha in die Zellkulturen erhöhte auch die Anzahl von Osteoklasten. Zwar gelingt es auch in der TNF-alpha-angereicherten Zellkultur, durch eine entsprechende Blockade die MCP-1-Bildung zu hemmen, trotzdem aber nicht die Osteoklasten-Entwicklung.

EULAR-Abstract:
THU0033 MCP-1 DEPENDENT OSTEOCLASTOGENESIS CAN BE RESCUED BY TNF-ALPHA IN VITRO; N.B. Binder1, G. Schett1, J.S. Smolen1, K. Redlich1
1 Division of Rheumatology, Medical University Vienna, Vienna, Austria

 

Besseres Verständnis von chronisch-entzündlichen Prozessen: Bestimmte T-Zellen bei Spondylarthritis-Patienten verändert

Dr. Christian Dejaco, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Innsbruck

 Dr. Christian. Dejaco

In der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen spielen die T-Zellen eine wesentliche Rolle – also Zellen des erworbenen Immunsystems, das sich erst im Laufe des Lebens entwickelt. Eine chronische Antigen-Stimulation dürfte bei Patienten mit diesen Erkrankungen den Alterungsprozess von T-Zellen fördern und die Zusammensetzung bestimmter Untergruppen dieser Zellen verändern.
Das bessere Verständnis dieser Prozesse im Krankheitsverlauf ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuer effizienter Therapien für diese schwerwiegenden Erkrankungen. In der aktuellen Studie haben wir die Häufigkeit bestimmter Untergruppen von T-Zellen bei Patienten mit entzündlichen Gelenkserkrankungen (Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis und undifferenzierter Spondylarthritis) untersucht und sie mit Gruppen von T-Zellen bei anderen rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und bei gesunden Menschen verglichen.
Interessant ist dabei vor allem, in welchem Verhältnis so genannte regulatorische T-Zellen – sie hemmen die Aktivierung anderer T-Zellen und sind protektiv gegen Autoimmunerkrankungen – zu anderen T-Zellen vorkommen, nämlich neu gebildeten, „naiven“ T-Zellen, langlebigen nicht aktivierten „Gedächtniszellen“ und so genannte „Effektorzellen“.
Es zeigte sich, dass diese Untergruppen von T-Zellen bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen gegenüber gesunden Menchen verändert sind. Bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis ließen sich darüber hinaus ganz spezifische Besonderheiten von T-Zellen aus der Gelenkflüssigkeit gegenüber solchen aus dem Blut nachweisen. Insbesondere bestimmte Gedächtniszellen und regulatorische Zellen weisen bei dieser Patientengruppe eine höhere Konzentration in der Gelenkflüssigkeit als im Blut auf.

EULAR-Abstract:
THU0319 ALTERED T-CELL SUBSETS IN PATIENTS WITH SPONDYLARTHRITIS. C. Dejaco1, C. Duftner1, M. Schirmer2
1 Internal Medicine, Mecial University Innsbruck, Innsbruck, 2 Internal Medicine, General Hospital of the Elizabethenians, Klagenfurt, Austria
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Bessere und raschere Diagnose des Sjögren- Syndroms durch neue Erkenntnisse

Dr. Stefan Egger, Rheuma-Sonderkrankenanstalt der SVA der gewerblichen Wirtschaft, Baden

 Dr. Stefan Egger
Foto: Wustinger/B&K

Das Sjögren-Syndrom ist die zweithäufigste rheumatische Autoimmunerkrankung, zu 90 Prozent betrifft sie Frauen. Diese entzündliche Erkrankung kann allein, aber auch gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Sie führt vor allem zu einer Austrocknung der Augen und der Mundschleimhaut durch eine langsam fortschreitende Zerstörung der Speichel- und Tränendrüsen. Es können aber auch die Haut und andere Schleimhäute betroffen sein. Es gibt sehr unterschiedliche Verlaufsformen, neben sehr milden Ausprägungen kommt es auch zu sehr schweren Verläufen mit Organbeteiligungen und zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen. Sjögren-Syndrome können sowohl ohne weitere Grunderkrankung („primär“) oder zusammen mit weiteren rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder dem systemischen Lupus erythematodes („sekundär“) auftreten.
Die Austrocknung von Schleimhäuten ist auch ein Leitsymptom des so genannten Sicca-Syndroms, bei dem im Gegensatz zum Sjögren-Syndrom allerdings keine Autoimmun- oder Entzündungsprozesse feststellbar sind. Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie können eine nützliche Hilfestellung bei der sehr wichtigen Differenzierung dieser Erkrankungen bieten, indem sie zu einer rascheren Diagnose beitragen können. Dadurch kann früher die richtige Therapie eingeleitet werden.
Wir haben im Detail untersucht, inwieweit sich die Untersuchungsergebnisse einer Speicheldrüsenfunktionsszintigraphie bei Patienten mit primärem und sekundärem Sjögren-Syndrom bzw. nicht entzündlichem Sicca-Sydrom unterscheiden. Mit der Szintigraphie läßt sich unter anderem die Anreicherung der radioaktiven Untersuchungs-Substanz im Gewebe („uptake“) und eines Speichelflussreizes auch ihre Ausscheidung beobachten. Es zeigte sich, dass vor allem die Ausscheidung bei Patienten mit primärem und sekundärem Sjögren-Syndrom deutlich geringer ist als beim Sicca-Syndrom. Damit lassen sich die unterschiedlichen Erkrankungen besser unterscheiden.

EULAR-Abstract:
THU0474 QUANTITATIVE VARIABLES OF SALIVARY GLAND SCINTIGRAPHY IN PRIMARY AND SECONDARY SJÖGREN´S SYNDROME AND NON-SJÖGREN´S SICCA SYNDROME. S. F. Egger1, I. Hurtl2, B. Ibi2, P. Petera1, I. Virgolini2,
J. S. Smolen1
1 Centre for Diagnosis and Treatment of Rheumatic Diseases and 2nd Dept.
of Internal Medicine, 2 Institute of Nuclear Medicine, Hospital Hietzing, Vienna, Austria
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Kriterien des entzündlichen Rückenschmerzes: unzureichend zur Erkennung eines Morbus Bechterew

Dr. Hildegard Gießauf, Klinische Abteilung für Nephrologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, LKH Graz

 Dr. Hildegard Gießauf

Patienten mit so genannten Spondylarthropathien wie der Morbus Bechterew werden erst nach einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von acht bis neun Jahren diagnostiziert – mit schweren Folgen für die Betroffenen. Bei chronisch progressivem Krankheitsverlauf könnten durch eine frühe immunmodulatorische Therapie irreversible Defizite verhindert werden. Um diesen Zeitraum zu verkürzen, zeigt eine aktuelle Studie aus Graz, ist es notwendig, Allgemeinmediziner besser als bisher über das Leitsymptom der Erkrankung, nämlich den entzündlichen Rückenschmerz, zu informieren und zusätzliche Kriterien zur Identifikation des entzündlichen Rückenschmerzes zu etablieren. Wie effizient die bereits bekannten Kriterien des entzündlichen Rückenschmerzes und neu erarbeitete Parameter sind, untersuchten wir in Südostösterreich.
345 Allgemeinmediziner der Region wurden mittels eines Folders über die Kriterien des entzündlichen Rückenschmerzes aufgeklärt und über die Notwendigkeit der raschen Diagnostik einer Spondylarthropathie informiert. Nach einem telefonischen Vorscreening wurden alle Patienten mit chronischem Rückenschmerz, die jünger als 45 Jahre waren, im Rheumazentrum untersucht. Von den 93 Patienten, die mit den genannten Kriterien an unser Rheumazentrum überwiesen und im Rahmen der Studie weiter untersucht wurden, litten 32 Prozent an einer Form von Spondylarthropathie. Bei 41 Patienten wurde ein Bandscheibenschaden und bei 10 eine degenerative Chondropathie, festgestellt. Weder hinsichtlich der Kriterien für den entzündlichen Rückenschmerz noch hinsichtlich der Häufigkeit nächtlicher Schmerzen unterschieden sich die Patienten mit Spondylarthropathie von den Patienten mit einem Bandscheibenschaden. Bei genauerer Analyse zeigen sich aber Unterschiede bei der Art der Nachtschmerzen: Während Spondylarthropathie-Patienten eher über Ruheschmerz klagen, leiden Patienten mit Bandscheibenleiden dann unter Schmerzen, wenn sie sich im Schlaf bewegen. Dies könnte ein interessantes zusätzliches Entscheidungskriterium sein.

EULAR-Abstract:
THU0330 Inflammatory Back Pain: Unsatisfactory screening tool for the Early Spondylarthritis Clinic. H. Gießauf1, J. Hermann1, W. Graninger1.
1 Department of Internal Medicine, Division of Rheumatology,
Graz, Austria
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Rheumatoide Arthritis: Gelenkschäden schon vor den ersten klinischen Symptomen möglich

Dr. Silvia Hayer, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien

 Dr. Silvia Hayer

Im Tiermodell konnten wir zeigen, dass bei der rheumatoiden Arthritis bereits in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung – noch vor dem Auftreten klinischer Symptome – Schäden an den Gelenken nachzuweisen sind: nämlich zunächst Entzündungen der Sehnenscheiden, gefolgt von Gelenk-Osteoklasten und lokalen Knochen-Erosionen.
Für diese Studie wurden drei Krankheitsphasen definiert: die „präklinische“ Erkrankungsphase, in der keinerlei klinische Symptome festzustellen sind, der „Krankheitsbeginn“ mit ersten klinischen Symptomen und das „Frühstadium“ der Erkrankung, in dem sich bereits ein Fortschreiten der Symptome feststellen lässt.
Dabei zeigte sich, dass bereits im präklinischen Stadium der Erkrankung klar erkennbare pathologische Vorgänge zu beobachten sind, beginnend mit dem Auftreten von Entzündungszellen und einer Vergrößerung der Sehnenscheiden. Im Bereich dieser Sehnenscheidenentzündung treten an den direkt benachbarten Knochen auch die ersten Osteoklasten auf und lassen erste seichte Knochenerosionen erkennen. Der Gelenkknorpel bleibt in diesem Stadium noch intakt.
Mit dem Krankheitsbeginn nimmt die Zahl der angreifenden Entzündungszellen deutlich zu, ebenso die Anzahl von Osteoklasten und lokalen Knochenerosionen. Auch synoviale Hyperplasie und erste Knorpelschäden lassen sich in dieser Phase beobachten.

EULAR-Abstract:
THU0047 JOINT DESTRUCTION STARTS EVEN BEFORE FIRST CLINICAL SIGNS OF TNF-TRIGGERED ARTHRITIS. S. Hayer1, K. Redlich1, J. Smolen1,
G. Schett1.1 Division of Rheumatology, Department of Internal Medicine III, Medical University of Vienna, Vienna, Austria
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Antibodies against human citrullinated vimentin are comparable to anti-CCP antibodies in diagnosing rheumatoid arthritis

Prof. DDr. Manfred Herold, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Innsbruck

 Prof. DDr. Manfred Herold

Antibodies against citrullinated proteins (CP) and peptides belong to the most specific serological markers for diagnosing rheumatoid arthritis (RA). The first commercially available and meanwhile most often used assays are the so called anti-CCP assays which are sold by several distributers but produced by one manufacturer. Citrullinated vimentin seems to be one of the autoantigens in RA1. We tested a newly developed ELISA2 for the detection of antibodies against a genetically modified citrullinated vimentin (anti-MCV) in comparison to a second generation anti-CCP ELISA3.
Serum samples of 421 consecutive pa­tients of our rheumatology outpatients’ unit were tested for anti-CCP within routine diagnostic procedure and retested by anti-MCV ELISA (kindly provided by Orgentec Diagnostica, Germany). Pa­tients’ diagnosis was taken from doctors’ final reports.
Out of these 421 patients 306 had a clear clinical diagnosis of RA (n=57) or non-RA (n=249; OA=103, SpA=35, PMR=12, others=99) and were included for calculating assay characteristics. Among RA 4 samples were negative in anti-MCV and positive but with low titre in anti-CCP. One sample was borderline in anti-CCP and high positive in anti-MCV. In non-RA samples 3 sera had high positive antibody concentrations in both assays. One sample was negative in anti-MCV but borderline positive in anti-CCP and 22 samples, all negative in the anti-CCP test, had low antibody concentration in the anti-MCV assay but were positive according to the recommended upper normal limit. Anti-MCV revealed a sensitivity of 64,9% and a specificity of 90,0% (p<0,001 according to chi-square test; positive likelihood ratio (LR)=6,5, negative LR=0,4), anti-CCP showed a sensitivity of 70,2% and a specificity of 98,4% (p<0,001; positive LR=43,9, negative LR=0,3). The detection of antibodies against citrullinated proteins is an enrichment in the diagnosis of RA and especially a sufficient help in diagnosing RA very early. Commercially available assays produced by different manufacturers are necessary for a commmon use in rou­tine diagnostics. The new assay against genetically modified citrullinated vimentin is comparable to the most often used anti-CCP assay. In our first results the values for sensitivity and specificity of anti-MCV seem to be slightly lower but are within the range of published results of anti-CCP assays. The higher rate of low but positive anti-MCV concentrations in patients not yet diagnosed as RA are possibly indicating a different group of patients with risk for developing RA.
References: 1 Vossenaar ER et al. Arthritis Res Ther. 2004; 6: R142-50
2 Egerer K et al. ACR 2005, New Orleans, abstract 230
3 Herold M et al. Clin Dev Immunol 2005; 12: 131-5

EULAR-Abstract:
FRI0050 ANTIBODIES AGAINST HUMAN CITRULLINATED VIMENTIN ARE COMPARABLE TO ANTI-CCP ANTIBODIES IN DIAGNOSING RHEUMATOID ARTHRITIS. W. Klotz1, C. Dejaco1, H. Larcher1, M. Herold1
1 Internal Medicine, Medical University Innsbruck, Innsbruck, Austria
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Unterschiede im Signalweg entzündungs­fördernder Proteine bei Patienten mit SLE entschlüsselt

Dr. Thomas Karonitsch, Klinische Abteilung für Rheuma­tologie, Medizinische Universität Wien

 Dr. Thomas Karonitsch
Foto: Wustinger/B&K

Bei Patienten mit der systemischen Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes (SLE) sind mehrere Botenstoffe des Immunsystems hinaufreguliert. Zu diesen gehört nicht nur TNF-alpha, sondern auch Interferon alpha und Interferon gamma. Auch diese Interferone dürften im SLE-Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle spielen. Beide Interferone geben in der Zelle Signale weiter, indem sie den Eiweißkörper Stat1 phosphorylieren. Dieses Signalprotein lässt sich auch im Knorpelgewebe von Patienten mit chronischer Polyarthritis (CP) vermehrt nachweisen.
Die zunehmende Entschlüsselung dieser Prozesse kann nicht nur zur verbesserten Diagnostik rheumatischer Erkrankungen beitragen, sondern auch mögliche Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Therapieoptionen identifizieren helfen.
In der aktuellen Studie untersuchten wir Stat1 in Blutzellen von SLE-Patienten, CP-Patienten und Gesunden im Vergleich. Dabei zeigte sich, dass bei SLE-Patienten vermehrt Stat1 nachzuweisen ist, und die Menge von Stat1 mit der Krankheitsaktivität korreliert. Während gesunde Zellen nicht (mit Stat1-Phosphorylierung) auf Interferon gamma reagieren, können das T-Zellen von SLE-Patienten. Das zeigt, dass beim SLE Interferone nicht nur vermehrt produziert werden, sondern dass sie auch stärker wirksam sind. Das sind Argumente für die therapeutische Blockade von Interferonen beim SLE.

EULAR-Abstract:
SAT0080 ACTIVATION OF THE INTERFERON-SIGNALING-PATHWAY: DIFFERENCES BETWEEN SLE, RA AND HEALTHY PBMC. T. M. Karonitsch1, E. Feierl1, G. Steiner1, C. W. Steiner1, J. S. Smolen1, M. Aringer1
1 Division of Rheumatology, Department of Internal Medicine III, Medical University of Vienna, Vienna, Austria
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Trotz früher Behandlung schwere Gelenk­schäden bei chronischer rheumatoider Polyarthritis: den Ursachen auf der Spur

Ass. Prof. Dr. Klaus Machold, Klinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien

 Ass. Prof. Dr. Klaus Machold
Foto: Wustinger/B&K

Ein sehr früher Beginn mit einer intensiven Therapie gilt bei der chronischen Polyarthritis heute als ein wichtiger Ansatz, den Krankheitsverlauf zu verbessern und zumindest einen Teil der Gelenkentzündungen wieder zum Verschwinden zu bringen.
Allerdings hat sich gezeigt, dass bei einem großen Teil – bis zu 70 Prozent – der Patienten trotz Früherkennung und frühem Behandlungsbeginn radiologisch ein Fortschreiten der Erkrankung und der Schädigungen auftritt. Um auch für diese Erkrankten mögliche Behandlungsperspektiven entwickeln zu können, ist es wichtig, gemeinsame Charakteristika dieser Patientengruppe zu identifizieren.
In unserer Studie zeigte sich, dass der Nachweis des Rheuma-Faktors und der Nachweis von Antikörpern gegen spezielle Proteine (Anti-CCP) prädiktive Faktoren für die Entwicklung von Gelenkerosionen und Krankheitsprogression sind: Mehr als 30 Prozent des Ausmaßes der Zerstörung sind mit dem Vorliegen dieser „Marker“ zu erklären.
Zu einem weiteren Drittel tragen die Dauer von Phasen hoher Krankheitsaktivität, die Anzahl geschwollener Gelenke und die dauernde Erhöhung des Entzündungsproteins CRP als erklärende Faktoren zum Grad fortschreitender Zerstörung bei.

EULAR-Abstract:
THU0121 VERY RECENT ONSET RHEUMATOID ARTHRITIS: CLINICAL AND SEROLOGICAL PATIENT CHARACTERISTICS ASSOCIATED WITH RADIOGRAPHIC PROGRESSION OVER THE FIRST YEARS OF DISEASE. K. P. Machold1, T. A. Stamm1, V. P. K. Nell1, S. Pflugbeil2, D. Aletaha1, G. Steiner1, M. Uffmann3, J. S. Smolen1
1 Division of Rheumatology, Vienna Medical University, 2 Department of Medicine II, Hietzing Hospital, 3Radiology Department, Vienna Medical University, Vienna, Austria
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DMARD-Therapieversagen bei rheumatoider Arthritis: Kombinationstherapie bringt keine therapeutischen Vorteile gegenüber dem Wechsel zu einer anderen Monotherapie

Dr. Monika Schöls, Zentrum für Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen, Krankenhaus Hietzing, Wien

Ein häufiges Problem in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis ist das fehlende Ansprechen von Patienten auf das im Einzelfall eingesetzte Medikament aus der Gruppe der DMARDs („disease modifying anti-rheumatic drugs“).
In den meisten klinischen Studien wurde untersucht, ob in solchen Fällen die zusätzliche Gabe anderer DMARDs einen therapeutischen Nutzen bringt, nicht aber, welchen Benefit der Wechsel zu einer anderen Substanz nach sich zieht. In der klinischen Praxis stellt sich allerdings beim Therapieversagen vor allem die Frage, ob zur Verbesserung der Effektivität der Behandlung zur aktuellen Medikation eine weitere Substanz kombiniert werden soll, oder ob statt einer solchen Kombinationstherapie mit einer anderen Substanz als der bisher verwendeten behandelt werden soll.
Genau dieser Frage gingen wir in unserer aktuellen Studie nach, in der wir die Behandlungsdaten von insgesamt 1.214 Patienten analysierten. In 652 als Therapieversagen identifizierten Fällen wurde entweder Methotrexat, Sulfasalazin oder Leflunomid als alleinige neue Therapie eingesetzt oder eine der genannten Substanzen zusätzlich als Kombinationstherapie zur insuffizienten Vortherapie gegeben.
Der Vergleich zeigt, dass die Kombinationstherapie keinen therapeutischen Nutzen gegenüber dem Wechsel zur Monotherapie bringt.

EULAR-Abstract:
FRI0195 STEP-UP COMBINATION THERAPY OF DISEASE MODIFYING ANTI-RHEUMATIC DRUGS (DMARDS) IN RHEUMATOID ARTHRITIS (RA) IS NOT SUPERIOR TO SWITCHING OF DMARDS: RESULTS FROM AN OBSERVATIONAL STUDY. M. Schoels1, T. Kapral2, T. Stamm2, J. S. Smolen1, D. Aletaha2
1 2nd Department of Medicine, Lainz Hospital, 2 Division of Rheumatology, Medical University, Vienna, Austria
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Neuer Marker für die Gelenkbeteiligung bei Psoriasis

OA Dr. Martin Skoumal, Ludwig Boltzmann Institut für Osteologie, Hanusch-Krankenhaus Wien

Die Menge des Cartilage-Oligometrie-Matrix-Proteins (COMP) im Serum hat sich als ein deutlicher Indikator für das Ausmaß der Knorpelzerstörung bei rheumatoider Arthritis, Arthrose oder Knorpelverletzungen erwiesen.
In der aktuellen Studie sind wir der Frage nachgegangen, ob sich COMP auch als Marker für den Krankheitsverlauf bei der Psoriasis-Arthritis eignet, wobei wir eine Gruppe von Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis mit einer Kontrollgruppe von Psoriasis-vulgaris-Patienten verglichen haben.
Dabei hat sich einerseits gezeigt, dass bei Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis COMP im Blutserum deutlich erhöht ist, verglichen mit Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität. Das Protein ist also ein geeigneter Marker für den Krankheitsverlauf im Bezug auf Knorpelschädigungen in dieser Patientengruppe.
Interessanterweise haben wir aber auch in der Kontrollgruppe, also bei den Patienten mit Psoriasis vulgaris ohne diagnostizierte Gelenkbeteiligung, erhöhte COMP-Werte beobachtet.
Das legt den Schluss nahe, dass Psoriasis-Patienten generell auch auf Gelenkbeteiligungen hin untersucht werden sollten.

EULAR-Abstract:
SAT0302 INCREASED SERUM LEVELS OF CARTILAGE OLIGOMERIC MATRIX PROTEIN IN PATIENTS WITH PSORIASIS VULGARIS: A MARKER FOR UNKNOWN PERIPHERAL JOINT INVOLVEMENT? G. Haberhauer1, M. Skoumal2, A. Fink3, A. Steiner3, A. Klingler4
1 Institute for Rheumatology of the Kurstadt Baden in Cooperation with the Danube-University Krems, Baden, 2 L. Boltzmann Institute of Osteology at the Hanusch Hospital of WGKK

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