zur Navigation zum Inhalt
 
Rheumatologie 3. Oktober 2006

Auf Bus folgt Zelt

Zwei Millionen Österreicher leiden an einer rheumatischen Erkrankung, wobei das Spektrum der Krankheitsbilder von rheumatoider Arthritis bis Arthrose, von Morbus Bechterew bis Fibromyalgie reicht, die allesamt mit Schmerzen verbunden sind. Aufklärung tut not, denn immer noch „meinen viele, das bissl Schmerz müsse man doch aushalten“, so Prof. Dr. Josef Smolen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR). So will die Gesellschaft mit Unterstützung der Wiener Gesundheitsstadträtin und der Ärztekammer eine neue Schlacht im Kampf gegen das Rheuma schlagen. Basislager ist ein Zelt, das im Juli neben dem Wiener Burgtheater aufgestellt wurde und im kommenden Jahr in zahlreichen anderen österreichischen Städten als Rheuma-Informationszentrum dienen wird.
Die Daten aus dem Rheumabus – der quasi als Vorgänger des Zeltes im Vorjahr durch Österreich tourte – „haben unsere Erwartungen und Befürchtungen bestätigt“, wie Prof. Marcus Köller von der klinischen Abteilung für Rheumatologie am Wiener AKH bei der Zelteröffnung sagte: „42 Prozent der Patientinnen und Patienten, die wir im Bus beraten haben, hatten wegen der rheumatischen Beschwerden zuvor noch nie einen Arzt aufgesucht, obwohl sie durchschnittlich mehr als 7,5 Jahre unter diesen Beschwerden gelitten hatten und die Schmerzen mit rund 60 Prozent von 100 als maximal vorstellbarer, unerträglicher Schmerz angegeben wurden.“ Dass nicht einmal sechs Prozent der Betroffenen bei einem Rheumatologen in Betreuung waren, zeigt auch einen anderen Missstand auf: Von den Großstädten abgesehen, stehen in Österreich nicht genügend Rheumaexperten und auf die Krankheit spezialisierte Einrichtungen zur Verfügung. So gibt es laut Köller im ganzen Burgenland nur einen einzigen Rheumatologen. Lange Wartezeiten bis zur endgültigen Diagnosestellung sind oft die Folge. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass eine frühe zielgerichtete Behandlung das Fortschreiten der Krankheit bremsen kann.
Rheumatische Erkrankungen bringen für die betroffenen Patientinnen und Patienten eine erhebliche soziale und emotionale Belastung mit sich. Zudem stellen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates nach Atemwegserkrankungen die zweithäufigste Ursache für Krankenstände dar. „Allein bei der Wiener Gebietskrankenkasse werden jährlich 2,1 Millionen Krankenstandstage registriert, österreichweit sind es knapp acht Millionen pro Jahr“, rechnet Prim. Dr. Ernst Wagner, Geschäftsführer der ÖGR, vor. Auch in Sachen Frühpensionierungen sind die Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis traurige Spitzenreiter und für ein Drittel aller vorzeitigen Ruhestände verantwortlich. Wagner: „Wir betrachten es als ein vorrangig zu betreibendes, zentrales Ziel der österreichischen Gesundheitspolitik, zu einer angemessenen flächendeckenden Versorgung von Rheumapatienten beizutragen.“

 Rheumazelt

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben