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Rheumatologie 3. Oktober 2006

Ein Leben für die Patienten und die Forschung

1923 in Prag geboren, hat Rudolf Eberl das Studium der Medizin an der Universität in Wien mit der Promotion im Jahre 1956 abgeschlossen. Danach trat er in das Krankenhaus Lainz ein und schloss seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin 1962 ab. Im Jahre 1972 wurde er zum Vorstand der II. Medizinischen Abteilung berufen, 1973 zum Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Rheumatologie und Balneologie in Wien-Oberlaa und 1974 zum Chefarzt des Kurzentrums Wien-Oberlaa. 1985 wurde er ärztlicher Direktor des Krankenhauses Lainz, eine Funktion, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1988 innehatte. Kurz zuvor wurde ihm der Berufstitel Hofrat zuerkannt. Er war langjähriges Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie, als deren Präsident er von 1986 bis 1990 fungierte.
Rudolf Eberl veröffentlichte fast 300 wissenschaftliche Arbeiten, die sich der Wirksamkeit verschiedener Medikamente auf die chronische Polyarthritis und Arthrose widmeten. Er ging auch Fragen des Purinstoffwechsels, der zellulären und humoralen Immunität sowie der Entzündungsmediatoren bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen nach und bearbeitete darüber hinaus auch verschiedene Aspekte der DNS-Reparatur und der Balneologie. Diese breite wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Rheumatologie, die er unermüdlich und konsequent verfolgte, erfuhr auf mehrfache Art Anerkennung: 1975 mit der Habilitation, 1981 mit der Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor und im selben Jahr mit der Ernennung zum Ehrenmitglied der American Rheumatism Association (heute American College of Rheumatology).
Rudolf Eberl war darüber hinaus Ehrenmitglied der Tschechischen und der Ungarischen Gesellschaften für Rheumatologie. Das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse wurde ihm seitens der Republik 1990 verliehen, seitens der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation wurde er mit der „Fellinger-Gotsch-Jesserer-Steffen“-Medaille geehrt.

 eberl

„Rudi“ Eberl hatte eine Reihe außergewöhnlicher Eigenschaften, die er ganz in den Dienst der Rheumatologie und der Menschen stellte. Neben seiner Zielstrebigkeit besaß er ein meisterhaftes organisatorisches Talent, das sich in einer Neustrukturierung der II. Medizinischen Abteilung im Krankenhaus Lainz mit Etablierung einer Physiotherapie, Ergotherapie und psychologischer Betreuung äußerte. In „seinem“ Spital etablierte er als ärztlicher Direktor die erste Aufnahmestation in einem Krankenhaus der Stadt Wien.
Hofrat Eberl war für seine Schüler ein Lehrmeister mit Vorbildfunktion, der sie auch gerne und erfolgreich förderte, und viele von ihnen haben im Laufe der Jahre leitende Positionen als Primarärzte erlangt. Sein Umgang mit Patienten und Mitarbeitern war stets von fachlicher Kompetenz und Toleranz gekennzeichnet, und seine charismatische Persönlichkeit hatte große Strahlkraft auf vielen Ebenen: an der Abteilung, am Krankenhaus und darüber hinaus.
Seine Persönlichkeit war aber auch durch andere positive Eigenschaften gekennzeichnet: Rudolf Eberl war großzügig und zugleich bescheiden, fröhlich und hilfsbereit, hart zu sich selbst und sensibel gegenüber anderen. Und zu diesen vielen Qualitäten gesellten sich Wärme im Umgang mit den Menschen, Dankbarkeit gegenüber jenen, die ihm halfen, Toleranz und Gerechtigkeitssinn.
Seine letzten Jahre waren durch lange, schwere Krankheit gekennzeichnet, und die zahlreichen Krankenhausaufenthalte zehrten an seiner Energie und an seiner Kraft – diese Jahre und Geschehnisse hat er mit Geduld und Ruhe, und immer wieder auch mit der ihm eigenen positiven Einstellung ertragen.
Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation hat in Rudolf Eberl nicht nur einen Altpräsidenten verloren, nicht nur einen jahrelangen Mitherausgeber des Handbuchs der Gesellschaft, sondern in erster Linie einen Doyen der Rheumatologie, einen, der unser Fachgebiet in den letzten Jahrzehnten im Lande entscheidend geprägt und gefördert hatte.

Josef Smolen
Wolfgang Ebner
Attila Dunky

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