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Rheumatologie 18. Juli 2006

Den Leidensweg verkürzen

Dass die Diagnose Rheuma oft erst nach langen Jahren des Schmerzes erfolgt, wollen Experten jetzt ändern. Sie touren als Berater durch Österreich.

Zwei Millionen Österreicher leiden an Rheuma, das Spektrum der Krankheitsbilder reicht von chronischer Polyarthritis bis Arthrose, von Morbus Bechterew bis Fibro­myalgie, alle sind sie mit Schmerzen verbunden. Aufklärung tut Not, denn immer noch „meinen viele, das bissl Schmerz müsse man doch aushalten“, so Prof. Dr. Josef Smolen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR). So will die Gesellschaft mit Unterstützung der Wiener Gesundheitsstadträtin und der Ärztekammer eine neue Schlacht im Kampf gegen das Rheuma schlagen. Basislager ist ein Zelt, das letzte Woche neben dem Wiener Burgtheater aufgestellt wurde und im kommenden Jahr in zahlreichen anderen österreichischen Städten als Rheuma-Informationszentrum dienen wird.

Erschreckende Tatsachen
Die Daten aus dem Rheumabus – der als Vorgänger des Zeltes im Vorjahr durch Österreich tourte – „haben unsere Erwartungen und Befürchtungen bestätigt“, resümierte Prof. Dr. Marcus Köller von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie am Wiener AKH bei der Zelteröffnung: „42 Prozent der Patientinnen und Patienten, die wir im Bus beraten haben, hatten wegen der rheumatischen Beschwerden zuvor noch nie einen Arzt aufgesucht, obwohl sie durchschnittlich mehr als 7,5 Jahre unter diesen Beschwerden gelitten hatten und die Schmerzen mit rund 60 Prozent von 100 als maximal vorstellbarer, unerträglicher Schmerz angegeben wurden.“ Dass nicht einmal sechs Prozent der Betroffenen bei einem Rheumatologen in Betreuung waren, zeigt auch einen anderen Missstand auf: Von den Großstädten abgesehen, stehen in Österreich nicht genügend Rheumaexperten und auf die Krankheit spezialisierte Einrichtungen zur Verfügung. So gibt es laut Prof. Köller im ganzen Burgenland nur einen einzigen Rheumatologen. Lange Wartezeiten bis zur endgültigen Diagnosestellung sind oft die Folge. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass eine frühe zielgerichtete Behandlung das Fortschreiten der Krankheit bremsen kann. Rheumatische Erkrankungen bringen für die betroffenen Patientinnen und Patienten eine erhebliche soziale und emotionale Belastung mit sich. Zudem stellen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates nach Atemwegs­erkrankungen die zweithäufigste Ursache für Krankenstände dar. „Allein bei der Wiener Gebietskrankenkasse werden jährlich 2,1 Millionen Krankenstandstage registriert, österreichweit sind es knapp acht Millionen pro Jahr“, rechnete Prim. Dr. Ernst Wagner, Geschäftsführer der ÖGR, vor. Auch in Sachen Frühpensionierungen sind die Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis traurige Spitzenreiter.

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