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© Prof. Dr. Wolfgang Schmidt
Sonografie des Großzehengrundgelenkseines Gicht-Patienten im Querschnitt mit Doppelkonturen: Links ein weicherer Tophus, rechts ein härterer, dazwischen ein Harnsäure-“Teppich“.
 
Innere Medizin 5. Oktober 2015

Neue Gicht-Leitlinie erwartet

Harnsäuresenkung soll frühzeitig erfolgen.

Noch dieses Jahr könnte die neue deutsche Gicht-Leitlinie erscheinen. Therapieziel ist es, die Situation des Patienten deutlich zu verbessern. Für schwere Gicht wird es einen neuen Harnsäure-Zielwert geben.

Bisher galt als Therapieziel für Patienten mit symptomatischer Hyperurikämie, das Krankheitsgeschehen und die Situation des Patienten zu stabilisieren. Die erwartete neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) wird anspruchsvoller.

„Therapieziel wird sein, die Situation des Patienten deutlich zu verbessern“, sagte Prof. Dr. Klaus Krüger, Rheumatologe aus München. Als zweite Neuerung wird erwartet, dass ein zweiter Harnsäure-Zielwert für Patienten mit chronischer Gicht eingeführt wird, wie es in den US-Leitlinien bereits 2012 erfolgt ist.

Bei symptomatischer Hyperurikämie galt als Ziel der Harnsäuresenkung bisher ein Serumwert von unter 6 mg/dl – für alle Patienten. „Bei schwerer beziehungsweise chronischer Gicht kann eine dauerhafte Harnsäure-Absenkung auf unter 5 mg/dl sinnvoll sein“, so Krüger bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung im Rahmen des DGRh-Kongresses in Bremen.

Dieser Zielwert betrifft Gicht-Patienten mit hohen Harnsäure-Ausgangswerten, häufigen Gichtanfällen und mehreren Tophi, also mit einer komplizierten Gicht-Erkrankung. Als dritte Neuerung wird die Gleichstellung von Allopurinol und Febuxostat in der First-Line-Therapie erwartet.

Zielwert erreichen

Und wann sollte nach den Leitlinien eine dauerhafte harnsäuresenkende Therapie erfolgen? Sowohl die neue DGRh-Leitlinie als auch die wahrscheinlich ebenfalls noch dieses Jahr erscheinende europäische Leitlinie der EULAR würden „bei gesicherter Diagnose einer Arthritis urica“ angeben, so Krüger.

Essenziell sei es, den Zielwert zu erreichen, mahnte Krüger. Ärzte sollten sich nicht von Harnsäurewerten auf den Laborbögen irritieren lassen. Diese Werte seien keine „Normwerte“, sondern lediglich Referenzintervalle.

Sie spiegelten die Harnsäurespanne bei der gesunden Bevölkerung in der jeweiligen Region wider, hieß es in der Diskussion. Darum seien die Spannen von Labor zu Labor verschieden. „Für die Therapie von Gicht-Patienten gelten ausschließlich die Zielwerte der Leitlinien“, so die Experten.

Zudem soll die Harnsäuresenkung frühzeitig erfolgen. „Das Stadium D der Erkrankung muss verhindert werden“, so Krüger. Dieses Stadium stehe für eine fortgeschrittene Gicht, mit Tophi, mit einer chronischen Arthritis und mit Destruktionen an Gelenken, Bändern und Sehnen und einer reduzierten Lebenserwartung.

Krüger erinnerte, dass eine Hyperurikämie ohne Symptome bisher nicht behandelt wird. Das gelte auch, wenn Uratkristalle nachweisbar sind. Hier werde sich in künftigen Leitlinien etwas ändern müssen, forderte Krüger.

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