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Innere Medizin 5. Oktober 2015

Bei Remission Biologika absetzen?

Patienten mit hohem Einkommen wollen häufiger die Therapie beenden.

Studien scheinen zu bestätigen, dass ein vollständiges Absetzen eines TNF-alpha-Blockers bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis Risiken birgt.

Die Langzeittherapie bei Rheumatoider Arthritis (RA) mit TNF-alpha-Blockern ist inzwischen gut etabliert. Mit diesen Arzneien bestehe nun die Möglichkeit, diese chronische Erkrankung erfolgreich zu therapieren und eine Remission zu induzieren, erinnerte Professor Hendrik Schultze-Koops, Leiter der Rheuma-Einheit am Klinikum der Universität München, beim 8. TNF-alpha-Forum des Unternehmens MSD Sharp & Dohme in München.

Aus mehreren Gründen stellt sich aber die Frage, ob die Therapie langfristig fortgeführt werden muss, wenn eine Remission erreicht ist. Laut EULAR-Empfehlungen (Update 2013) kann ein Absetzen der Biologika bei anhaltender Remission nach Ausschleichen der Steroide erwogen werden.

Hinter dem Wunsch, die Therapie abzusetzen, können verschiedene Gründe stecken, etwa der Verlust der Effektivität, Sicherheitsbedenken, die hohen Kosten oder einfach nur der Wunsch des Patienten.

Hier spiele vor allem der „Nörgelfaktor“ eine Rolle, so Schultze-Koops, denn einer Studie zufolge wollen Patienten mit sehr hohem Einkommen Biologika doppelt so häufig absetzen wie Patienten mit niedrigem Einkommen.

Absetzen ist möglich

Ist das Absetzen beschlossen, sei das weitere Vorgehen sorgfältig zu überlegen. Denn es sei bekannt, dass die meisten RA-Patienten nach Absetzen eines TNF-alpha-Blockers irgendwann „flaren“, so Professor Andrea Rubbert-Roth vom Uniklinikum Köln. „Realistisch erscheint vor allem das Ausschleichen der Biologika durch Intervallverlängerung oder Dosisreduktion.“

In drei Studien wurde bisher untersucht, was passiert, wenn Biologika bei RA-Patienten abgesetzt oder deren Dosis reduziert wird, etwa in der OPTIMA-Studie. Sie hat einerseits ergeben, dass das Absetzen eines TNF-alpha-Blockers möglich ist und ein Teil der Patienten auch danach eine niedrige Krankheitsaktivität hat. Andererseits war ein Ergebnis, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb eines überschaubaren Zeitraums von einer Reaktivierung der RA auszugehen ist.

Auch die Studien PRIZE und PRESERVE bestätigen, dass ein vollständiges Absetzen eines TNF-alpha-Blockers bei Patienten mit RA „keine gute Idee“ ist, erklärte Schultze-Koops. Besser sei es, die Dosis zu reduzieren. Durch die Halbierung der Dosis konnten in den Studien viele Patienten eine niedrige Krankheitsaktivität beibehalten.

Verlässliche Prädiktoren für den individuellen Verlauf fehlen bisher jedoch.

Erneute Therapie ist erfolgreich

Die gute Nachricht lautet: Nach erneutem Therapiebeginn ist ein Wiedererreichen einer Remission möglich, wie die BeST-Studie ergeben hat. 73 Prozent der Patienten, bei denen die Krankheitsaktivität nach dem Absetzen wieder aufflammte, kamen nach erneuter Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker wieder in Remission und 21 Prozent erzielten eine niedrige Krankheitsaktivität. Damit war die erneute Therapie also bei 94 Prozent der Patienten erfolgreich.

„Wenn annähernd alle Patienten, bei denen nach dem Absetzen eines Biologikums die Erkrankung wieder aktiv wird, mit demselben Biologikum wieder erfolgreich therapiert werden können, dann mögen Absetzversuche unter ökonomischen Zwängen vertretbar sein“, meinte Schultze-Koops.

„Doch aus medizinischer Sicht entspricht das Absetzen einer Biologika-Therapie der Beendigung einer notwendigen Behandlung. Die Intervalltherapie ist weder begründet noch evaluiert und aus immunologischer Sicht sogar potenziell gefährlich“, so Schultze-Koops.

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