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Neue Medikamente sollen in Zukunft die Behandlung der rheumatoiden Arthritis noch effektiver machen.

Dunky_Attila

© fotodienst/Anna Rauchenberger Doz. Dr. Attila Dunky, Facharzt für Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation in Wien

 

 
Innere Medizin 9. Oktober 2013

Weltrheumatag: Kinasehemmer als Bereicherung der Behandlungspalette

12. Oktober ist Weltrheumatag - neue Therapiemöglichkeiten bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen vorgestellt.

In der Therapie entzündlich rheumatischer Erkrankungen, vor allem der rheumatoiden Arthritis (RA), wurden in den vergangenen 15 Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielt. Neben Glukokortikoiden und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und oralen krankheitsmodifizierenden Substanzen (DMARD) wie Methotrexat steht mittlerweile eine Vielzahl von Biologika (v.a. TNF-alpha-Hemmer) zur Verfügung. Ungeachtet dessen wird intensiv an weiteren Verbesserungen der Therapiemöglichkeiten gearbeitet.

 

Besonders vielversprechend sind sogenannte orale Kinasehemmer, die aufgrund ihrer innovativen Wirkmechanismen ein hohes Potenzial besitzen, die Erfolgsraten in der Behandlung von Rheumapatienten weiter zu steigern.

Noch vor wenigen Jahrzehnten führte Rheuma oft zu Siechtum, mehr oder minder ausgeprägter Invalidität und Sekundärkomplikationen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt etc. Die Behandlungsmöglichkeiten waren darauf beschränkt, die Beschwerden zu lindern. Heute gelingt es mit Hilfe insbesondere der Biologika bereits, die Krankheitsaktivität bei vielen Patienten frühzeitig zu bremsen, Behinderungen zu verhindern und Beschwerden zu minimieren.

Remission nicht bei allen Patienten

Das angestrebte Therapieziel eines vollständigen Stillstandes der Krankheitsaktivität (Remission) kann allerdings – selbst bei sehr frühem Therapiebeginn – nur bei etwa 30 bis 40 Prozent realisiert werden. Die Gründe für dieses unzureichende Ansprechen sind nach wie vor nicht völlig geklärt, bestimmte genetische Faktoren scheinen jedoch eine Rolle zu spielen. Darüber hinaus wird in vielen Fällen im Laufe der Behandlung ein zunehmender Wirkverlust beobachtet. Aus diesen Gründen und nicht zuletzt auch wegen der hohen Kosten von Biologika sowie der Notwendigkeit der subkutanen oder intravenösen Gabe steigt das Interesse an neuen potenten Substanzen, die oral verabreichbar sind.

Kinasehemmer: Innovative Substanzen mit neuen Wirkmechanismen

Große Hoffnungen ruhen derzeit auf den sogenannten Tyrosinkinasehemmern. Während Biologika als Antikörper an extrazellulären Rezeptoren immunologisch aktiver Zellen (v.a. Monozyten, Lymphozyten) angreifen und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren und damit die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung der Entzündung vermindern, entfalten Kinasehemmer ihre Wirkung in den immunologisch aktiven Zellen selbst: Sie blockieren direkt am Zellkern intrazelluläre Kinasen und verhindern so die Strukturierung von Entzündungszytokinen. Kinasehemmer sind sogenannte kleine Moleküle („small molecules“), also lose Eiweißmoleküle, die nicht durch die Magensäure zerstört und daher oral verabreicht werden können.

Derzeit sind verschiedene Kinasehemmer Gegenstand intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Diese könnten nach Versagen einer Biologika-Therapie als potente Zweitlinien-Option die Behandlungspalette bereichern. Neben ihren innovativen Wirkmechanismen besitzen sie den Vorteil, dass sie oral eingenommen werden und dadurch die Therapie maßgeblich vereinfachen sowie vergünstigen können. Der sogenannte JAK (Janus-Kinase)-Inhibitor Tofacitinib ist als neue Therapieoption bei Rheumatoider Arthritis bereits in den USA und in der Schweiz im Handel, seine Zulassung in der Europäischen Union steht allerdings noch aus.

Weitere Zukunftstrends

Neben der Erforschung innovativer Kinasehemmer wird an der Entwicklung neuer Biologika gearbeitet, die beispielsweise an verschiedensten Interleukinen modulierend eingreifen.
Weiters befinden sich bereits Generikaprodukte von TNF-alpha-Hemmern (sogenannte „Biosimiliars“) vor der Marktreife. Ihr Einsatz könnte zu einer Kostenreduktion der Rheumatherapie beitragen.

Durch die immer differenzierten Wirkansätze wird es möglich sein, die Ansprechraten weiter zu steigern, u.a. durch Therapiewechsel bei unzureichendem Effekt.

Da die Komplexität sowohl der Krankheitsmechanismen als auch der verfügbaren Substanzen ein hohes Maß an immunologischem Fachwissen erfordert, sollte das Therapiemanagement unbedingt Spezialisten, das heißt Fachärzten für Innere Medizin mit Zusatzausbildung in Rheumatologie, vorbehalten bleiben.

Doz. Dr. Attila Dunky  ist Facharzt für Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation in Wien.

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