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© H. Kaindl
Prof. Dr. Elisabeth Preisinger Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Krankenhaus Hietzing, Wien

Infotelefon 01/545 38 19 www.medevent.cc

 

 
Innere Medizin 29. Oktober 2012

Circulus vitiosus unterbinden

Aktuelles zum Knochen- und Mineralstoffwechsel für die klinische Praxis.

Im Rahmen des 11. Wiener Osteoporosetages am 9. November im Wiener Rathaus, findet auch heuer wieder die bereits traditionelle ärztliche Fortbildungsveranstaltung „Management der Osteoporose“ statt. Wir sprachen mit Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Primaria am Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Krankenhaus Hietzing in Wien und wissenschaftliche Leiterin des Osteoporosetages über aktuelle Fragen zum Thema Knochen- und Mineralstoffwechsel.

An welche Zielgruppe richtet sich die Fortbildung im Rahmen des Osteoporosetages und was erwartet die Teilnehmer?

Preisinger: Zweck dieser Veranstaltung ist, die Neuigkeiten im Bereich der Knochenforschung an den niedergelassenen und den im Spital tätigen Arzt weiter zu geben. Wir wollen damit Ärzten in der klinischen Praxis Informationen und Entscheidungshilfen für ihr Handeln anbieten. Wir richten uns an alle Ärzte, die in Ihrem Fach selbst nicht direkt mit Osteoporose zu tun haben, die allerdings Patienten behandeln, bei denen Osteoporose häufig eine Komorbidität ist. Dazu zählen unter anderem, die Niereninsuffizienz, COPD, entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder Diabetes mellitus.

Der Knochen- und Mineralstoffwechsel ist sehr interdisziplinär, was sich auch in der Zusammensetzung unserer wissenschaftlichen Gesellschaft widerspiegelt. So sind Orthopäden genauso involviert wie Allgemeinmediziner, die alte Patienten nach einer Fraktur weiter betreuen, wie Internisten, Neurologen oder Psychiater, die Jugendliche mit Anorexia nervosa behandeln. Nicht zu vergessen sind mögliche unerwünschte Medikamentenwirkungen. So ist etwa bei Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn immer auch an eine mögliche Kortison-induzierte Osteoporose zu denken.

Was sind für Sie die wissenschaftlichen Highlights betreffend die Osteoporose, die auch Eingang in die Fortbildung finden werden?

Preisinger: Im Bezug auf die Pathophysiologie sind es die Aufklärung von Zusammenhängen zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und dem Knochen, sowie Zusammenhänge zwischen Gelenksentzündungen und Osteoporose. Ein weiteres wichtiges Thema wird sein, nach welchen Richtlinien – den unterschiedlichen Guidelines der Fachgesellschaften, Verschreibungskodizes des Hauptverbandes oder den Empfehlungen der Initiative Arznei & Vernunft – eine Therapie zu erfolgen hat. Nicht zuletzt wird aktuellen technologischen Entwicklungen in den Bereichen Diagnostik und Verlaufskontrolle Rechnung getragen.

Bis vor wenigen Jahren war die Ermittlung des T-Scores die Methode der Indikationsstellung zur Osteoporosetherapie. In letzter Zeit ist der T-Score in Diskussion geraten. Wie sehen Sie diese Problematik?

Preisinger: In gewissem Maße ist der T-Score immer noch die Methode der Wahl, da in den Verschreibungsrichtlinien für Osteoporosetherapeutika ein T-Score von -2,5 vorgeschrieben ist. Wir wissen aber auch, dass etwa das Alter der Patienten ein eigenständiger Risikofaktor ist, und die meisten Frakturen in einem Stadium der Osteopenie passieren. Das bedeutet, dass neben dem T-Score auch alle anderen Risikofaktoren einbezogen und insbesondere in der Sekundärprävention die Grunderkrankungen behandelt werden müssen. Der T-Score, gemessen mittels DXA, ist zwar immer noch der Goldstandard, wir wissen jedoch, dass die Knochendichte alleine viel zu wenig ist, um das individuelle Frakturrisiko abzuschätzen.

Zur Behandlung der Osteoporose steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt die Wahl für eine Therapie?

Preisinger: Natürlich müssen wir uns aufgrund ökonomischer Überlegungen in erster Linie an die Verordnungsrichtlinien halten. Wir haben für die Wirksamkeit der einzelnen Medikamente unterschiedliche Evidenz. Therapie der ersten Wahl sind nach wie vor die Bisphosphonate. In den meisten Fällen ist jedoch die parenterale Applikation wirksamer. Dies ist wahrscheinlich auf die höhere Bioverfügbarkeit, aber auch auf die bessere Compliance zurückzuführen. Bei der Verschreibung müssen aber auch patientenbezogene Faktoren wie Alter, Multimorbidität, Polypharmazie berücksichtigt werden.

Ein Vortrag im Rahmen des Osteoporosetages ist dem Thema Kalzium und Vitamin D gewidmet. Welche Rolle spielen diese?

Preisinger: Gesetzt den Fall, jemand verträgt Milchprodukte, so ist die Aufnahme ausreichender Mengen an Kalzium gewöhnlich kein Problem. Schwieriger ist es mit dem Vitamin D. Sehr viele Menschen in unseren Breiten haben einen Vitamin D-Mangel, insbesondere in den sonnenarmen Monaten von Oktober bis März. Ich halte es daher für sinnvoll, die Vitamin D-Spiegel zu kontrollieren und gegebenenfalls zu supplementieren.

Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf die Osteoporose an ihre Kollegen?

Preisinger: Als erstes wünsche ich mir, dass bei bestimmten Erkrankungen frühzeitig an ein mögliches Osteoporoserisiko gedacht wird, um Frakturen bereits im Vorfeld zu verhindern. Als zweites sollte bei Frakturpatienten die Osteoporose als mögliche Ursache verstärkt mitgedacht werden und drittens ist auch bei Rückenschmerzen, vor allem älterer Patienten, an eine mögliche Osteoporose mit Wirbelkörpereinbrüchen zu denken.

Beim akuten Schmerz müssen wir dabei alle schmerzlindernden Maßnahmen setzen, während wir beim chronischen Schmerz nach Möglichkeit Medikamente reduzieren sollten und versuchen sollten durch andere Maßnahmen wie Übungsprogramme in Kombination mit beispielsweise Wärmeanwendungen, Elektrotherapie, Gehhilfen und Orthesenversorgung die Patienten wieder auf die Beine zu bringen und damit den Circulus vitiosus von Schmerz und Immobilität zu unterbinden.

Das Gespräch führte Mag. Harald Leitner.

Mag. Harald Leiter, Ärzte Woche 44/2012

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