zur Navigation zum Inhalt
Foto: Archiv
Dr. Wolfgang Zillig Arzt für Allgemeinmedizin und Präsident der Oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (OBGAM)
 
Allgemeinmedizin 3. Juni 2009

Bei Morbus Bechterew so früh als möglich handeln

Strukturelle Probleme behindern eine fachgerechte Therapie.

Ein neuer Praxisleitfaden, den die Oberösterreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (OBGAM) ausgearbeitet hat, soll zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Spondylarthritiden beitragen.

 

„Problematisch ist, dass Patienten mit Morbus Bechterew wegen des schleichenden Beginns der Erkrankung Symptome wie Rückenschmerzen als ‚unvermeidbar‘ hinnehmen und oft erst spät zum Arzt gehen. Manche kommen bereits mit Versteifungen in die Praxis“, sagt Dr. Wolfgang Zillig, Präsident der OBGAM. Die Krankheit trifft am häufigsten zwischen dem 16. und dem 45. Lebensjahr auf – und gerade jüngere Patienten ignorieren die Schmerzen oft jahrelang. Auch für den Arzt ist die Krankheit schwer zu diagnostizieren. Der „OBGAM-Praxisleitfaden Morbus Bechterew“, an dem auch Zillig mitwirkte, soll zur Optimierung der Versorgung der Betroffenen beitragen. In Österreich sind etwa 40.000 Menschen von Morbus Bechterew betroffen.

„Ein wichtiger Punkt ist, dass Therapieversuche auch dann sinnvoll sind, wenn noch keine endgültige Diagnose feststeht“, betont Zillig. Denn obwohl der Zeitdruck, um geeignete medikamentöse und therapeutische Maßnahmen zu ergreifen, im Vergleich zu anderen rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatischen Arthritis geringer ist – ein Handeln ist schon sehr früh möglich. In dem Leitfaden werden auch wesentliche Erkennungsmerkmale des Morbus Bechterew beschrieben, dass etwa Schmerzen vor allem in der Nacht auftreten, oft in das Gesäß ausstrahlen und sich durch Aufstehen bessern sowie sehr gut und schnell auf antirheumatische Medikamente ansprechen.

„Der Praxisleitfaden soll ein Beitrag zur Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit von Allgemeinmedizinern und Rheumatologen im niedergelassenen Bereich sein“, so Zillig. Außerdem ginge es um gute Zusammenarbeit mit spezialisierten Zentren. Hingewiesen wird etwa auf die Wichtigkeit eines guten Terminmanagements, „gerade bei akuten Fällen mit Organbeteiligung ist es nach Meinung der Rheumatologen sinnvoll, wenn ein Termin beim Facharzt oder im Spital von der Ordination aus vereinbart wird, um Diagnose und folgende Behandlungsschritte zu beschleunigen“, erklärt Zillig.

Zu wenige Rheumatologen

Ein Problem bei der Versorgung dieser Krankheit ist für Zillig die geringe Zahl niedergelassener Rheumatologen. „Es geht um eine kontinuierliche Betreuung durch Hausarzt und Rheumatologen, ihre leichte regionale Erreichbarkeit ist sehr wichtig.“ Beide ärztlichen Gruppen beklagen, dass nicht nur für Morbus Bechterew, sondern auch für viele andere rheumatischen Erkrankungen spezifische Abrechnungsposten bei der Sozialversicherung fehlen.

Im Praxisleitfaden der OBGAM wird zudem auf die Bedeutung einer möglichst raschen Rehabilitation hingewiesen. „Auch hier gilt: Es muss sich nicht immer um die schwerste Form handeln. Maßnahmen sind schon bei begründetem Verdacht sinnvoll“, sagt Zillig. Eine große Bedeutung spielen für Zillig neben der Rehabilitation die kontinuierliche Betreuung und die Physiotherapie: Er bedauert, dass es für Menschen mit dieser oder ähnlichen chronischen Erkrankungen weiterhin Limitierungsbestimmungen bei der Verschreibung von Physiotherapie und Heilgymnastik gibt. „Leider gibt es zudem viel zu wenige Physiotherapeuten mit einem Kassenvertrag, was für viele Patienten ein Problem in Bezug auf die leichte Zugänglichkeit darstellt“, kritisiert Zillig.

Sicher sinnvoll und wichtig ist aus seiner Sicht, dass Allgemeinmediziner, Rheumatologen und Physiotherapeuten bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen intensiver als bisher kooperieren. „Vorstellbar sind auch Gruppenpraxen, wo diese Berufsgruppen zusammenarbeiten“, hier nimmt Zillig die aktuellen Rahmenbedingungen als wenig förderlich wahr.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 23 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben