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Gesunde Schwangerschaft und Geburt ohne Komplikationen, das ist auch für Frauen mit Takayasu-Arteriitis möglich – gute Planung vorausgesetzt.
 
Rheumatologie 26. Mai 2009

Unter erhöhtem Druck: Schwangerschaft bei Takayasu-Arteriitis

Die rheumatische Erkrankung bringt mehr Gefahr für die Mutter als für das Kind.

Die Chancen, schwanger zu werden, stehen auch für Frauen mit der seltenen Krankheit Takayasu-Arteriitis gut. Sie sollten eine Schwangerschaft aber gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt gut planen. Denn vor allem im dritten Trimenon und bei der Geburt selbst könnte der bei dieser Erkrankung typischerweise auftretende stark erhöhte Blutdruck zu Komplikationen führen.

Takayasu-Arteriitis ist eine Erkrankung, die zu 80 bis 90 Prozent Frauen betrifft und vor dem 40. Lebensjahr auftritt. In Europa und den USA ist sie mit einer Inzidenz von 2,3 pro eine Million Einwohner eine sehr seltene Erkrankung, in Asien und insbesondere Japan jedoch weitaus häufiger (1 pro 3.000). Auch die Manifestationsformen sind unterschiedlich. In Indien, China und Thailand sind häufig isolierte Befallsmuster in der abdominellen Aorta vorhanden, in Europa und den USA sind vermehrt der Aortenbogen und die descendierende Aorta betroffen. Dr. Frauke Förger, Oberärztin an der Abteilung für Schwangerschaftsrheumatologie/-Immunologie am Klinikum München rechts der Isar der Technischen Universität München, gab in ihrem Vortrag im Rahmen des 36. DGRh-Kongresses im Herbst vergangenen Jahres in Berlin eine Übersicht über den aktuellen Kenntnisstand.

Risiken für Mutter und Kind

Die Fertilität bleibt laut Untersuchungen in Indien, Japan und China (insgesamt 52 Patientinnen) durch die Krankheit unbeeinträchtigt, demgegenüber zeigten in einer italienischen Studie (Vanolin M et al., Arthritis Rheum 2005) mit 104 erkrankten Frauen diese unter der Erkrankung eine geringere Fertilität als zuvor (2,8 Prozent versus 8,2 Prozent). Anovulatorische Zyklen spielten dabei jedoch eine Rolle.

Man geht davon aus, dass sich eine Takayasu-Arteriitis durch antiinflammatorische Zytokine unter der Schwangerschaft eher bessert als verschlechtert (siehe Tabelle). Im Regelfall bleibt sie zumindest gleich. Probleme entstehen vor allem im dritten Trimester und unter der Geburt. Bei gesunden Frauen steigt der Blutdruck in der Austreibungsphase der Wehen um ca. 30 mmHg an, bei Frauen mit Takayasu-Arteriitis jedoch um bis zu 60 mmHg, sodass ein Blutdruck von bis zu 200 mmHg erreicht wird. Das kann beispielsweise eine Hirnblutung auslösen.

In der Literatur sind 139 Schwangerschaften bei 99 Patientinnen dokumentiert. Überwiegend verlaufen die Schwangerschaften für das Kind gut (siehe Tabelle unten). Intrauteriner Fruchttod tritt meist nicht auf, nur in einer indischen Kohorte ist dies bei 20 Prozent der Fälle beobachtet worden (Sherma BK, Int J Cardiol 2000; 75 (suppl. 1) 159-62). In der indischen Kohorte handelte es sich um 24 Schwangerschaften von zwölf Patientinnen. Unter 17 Lebendgeburten gab es zwölf normale Kinder, fünf mit Wachstumsverzögerungen und vier Frühgeburten. Intrauteriner Fruchttod trat in fünf Fällen ein, zwei Schwangerschaften endeten durch Abort. Diese Patientinnen wiesen eine ausgeprägte Entgleisung der arteriellen Hypertonie auf. Sie waren insgesamt krank, auffällig war bei fast allen eine Beteiligung der abdominellen Aorta. Aufgrund dieser Studie geht man für Indien von einer anderen Manifestationsform der Takayasu-Arteriitis aus.

Faktoren für erhöhtes Risiko

Risiken, die generell zu einem intrauterinen Fruchttod beitragen, sind kongenitale Anomalien und Wachstumsverzögerungen auf Seiten des Fötus, Abruption oder Pathologien von Seiten der Plazenta sowie weitere Risiken von Seiten der Mutter (Hypertonie, Diabetes, Schilddrüsen- oder Nierenerkrankungen, Infektionen). Insgesamt lassen sich der Literatur mehrere Risikofaktoren für einen schlechten Schwangerschaftsverlauf bei Takayasu-Arteriitis entnehmen:

  • Floride Krankheitsaktivität
  • Unkontrollierte arterielle Hypertonie
  • Ausgedehnte Gefäßbeteiligung
  • Abdominelle Aorta
  • Schwere Aortenklappeninsuffizienz
  • Aortenaneurisma
  • Verzögerte Kontrolluntersuchungen/Behandlung

Liegt eine schwere Aortenklappeninsuffizienz oder ein Aortenaneurisma vor, sollten Ärzte, laut Förger, Patientinnen von einer Schwangerschaft abraten.

Im Rahmen der Entbindung kann der inadäquate Blutdruckanstieg in der Wehenphase Probleme mit sich bringen, insbesondere kardiale Dekompensation und zerebrale Hämorrhagien. Letztere entstehen hauptsächlich bei Patientinnen mit zerebraler Ischämie, die sich anhand einer Retinopathie feststellen lässt.

Literaturstellen mit größeren Fallzahlen berichten überwiegend (70 bis 90 Prozent) von vaginalen Entbindungen, die kritische zweite Wehenphase wird dann möglichst mit Zange oder Vakuumextraktion verkürzt. Eine Epiduralanästhesie unter der Geburt hat sich grundsätzlich als sinnvoll erwiesen. Die Schmerzblockade trägt auch zu einem geringeren Blutdruck bei. Literaturstellen mit kleineren Fallzahlen berichten jedoch häufiger über Sektio (30 bis 80 Prozent).

Fazit

Eine Schwangerschaft sollte bei Patientinnen mit Takayasu-Arteriitis gut geplant werden, inklusive eingehender Beratung. Die Krankheit sollte inaktiv sein, der Blutdruck unbedingt gut kontrolliert. Die möglichen kritischen Manifestationen (Beteiligung der abdominellen Aorta oder Nierenarterien, Aortenaneurisma, schwere Aorteninsuffizienz, Herzinsuffizienz) müssen im Auge behalten werden. Engmaschige interdisziplinäre Kontrollen sind vor diesem Hintergrund wichtig.

 

Quelle: Vortrag „Schwangerschaft bei Takayasu-Arteriitis“ von Dr. Frauke Förger, München, gehalten am 25.09.2008 in Berlin

Kasten:
Therapieoptionen bei TakayasuArteriitis in der Schwangerschaft
Prednisolon • Kurzfristig 1-2 mg/kg/d • Im 1. Trimenon unter 15mg/d (Ziel ist die niedrigste effektive Dosis)
Azathioprin • Max. 2 mg/kg/d
Antihypertensiva Betablocker, Ca-Antagonisten, (a-Methyldopa, Hydralazin)
Tabelle:
Schwangerschaft bei Takayasu-Arteriitis, Komplikationen nach Angaben in der internationalen Literatur
Einfluss der Schwangerschaft auf die KrankheitsaktivitätEinfluss der Krankheitsaktivität auf die Schwangerschaft
72% gleichbleibend
20% verbessert
8% verschlechtert
Komplikationen bei der Mutter
30-44% Hypertonie
12-16% Prä-Eklampsie
6-8% Herzinsuffizienz
8% progrediente Niereninsuffizienz
3% Hirnblutung
Komplikationen beim Kind
70-85% keine
19-30% Wachstumsverzögerung
0-20% intrauteriner Fruchttod
6-23% Frühgeburt
8-16% Spontanabort
Quelle: F. Förger, München

Von Heike Thiesemann-Reith, Ärzte Woche 21 /2009

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