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Kardiologie 29. März 2012

Risikofaktor Entzündung

Rheumatiker-Herzen geraten öfter aus dem Takt.

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben ein deutlich erhöhtes Risiko nicht nur für Herzinfarkte, sondern auch für Vorhofflimmern und Schlaganfall.

 

In den Leitlinien der europäischen Rheumatologen-Gesellschaft EULAR wird bereits empfohlen, Patienten mit rheumatoider Arthritis jedes Jahr auf kardiovaskuläre Risikofaktoren hin zu untersuchen. Der Grund dafür sind Studien, denen zufolge diese Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und kardiovaskulär bedingten Tod haben. Eine bevölkerungsbasierte Studie aus Dänemark legt nun nahe, das jährliche Screening auch auf Vorhofflimmern auszudehnen (Lindhardsen J et al. Risk of atrial fibrillation and stroke in rheumatoid arthritis: Danish nationwide cohort study. BMJ 2012; 344:e1257). In der Studie trat die Herzrhythmusstörung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis nämlich um 40 Prozent häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus war auch das Schlaganfallrisiko erhöht, und zwar um rund 30 Prozent.

In die Registerstudie einbezogen waren alle Einwohner Dänemarks über 15 Jahre, bei denen vor 1997 weder rheumatoide Arthritis noch Vorhofflimmern oder Schlaganfall bekannt waren. Bis zum Jahr 2009 wurde bei 18.247 Personen die Diagnose „rheumatoide Arthritis“ gestellt. Die Patienten, zu 70 Prozent Frauen, waren bei der Diagnosestellung im Mittel 59 Jahre alt und wurden danach knapp fünf Jahre lang weiterbeobachtet.

Zehn Jahre nach der Diagnose hat jeder Zwölfte Vorhofflimmern

In diesem Zeitraum wurde bei 156.484 Menschen ein Vorhofflimmern neu erkannt, darunter waren 774 Patienten mit rheumatoider Arthritis. Das entsprach einer Erkrankungsrate von 8,2 pro 1.000 Personenjahre bei den Rheumatikern – im Vergleich zu einer Quote von 6 pro 1.000 Personenjahre in der Allgemeinbevölkerung. Anders ausgedrückt: Wenn man zwölf Patienten nach einer Diagnose rheumatoide Arthritis zehn Jahre lang verfolgt, entwickelt einer von ihnen Vorhofflimmern – bevölkerungsweit erkrankt nur eine von 16 Personen. Einen Schlaganfall erlitten während des Follow-up 165.343 Menschen, unter ihnen 718 Rheumapatienten. Bei ihnen wurden damit pro 1.000 Personenjahre 7,6 Schlaganfälle registriert, in der Allgemeinbevölkerung waren es nur 5,7.

Besonders ausgeprägt war der Risikoanstieg bei den unter 50-Jährigen: Mit einer rheumatoiden Arthritis hatten sie dreimal so häufig ein Vorhofflimmern oder einen Schlaganfall wie ohne. Wenn man die absoluten Ereignisraten betrachtet, fanden sich die größten Unterschiede jedoch bei älteren Menschen mit oder ohne rheumatoider Arthritis.

Den Studienautoren zufolge muss die beobachtete Assoziation zwischen rheumatoider Arthritis und Vorhofflimmern noch in anderen Kohorten überprüft werden. Es gibt aber zahlreiche Befunde, die das Ergebnis stützen. So haben Patienten mit rheumatoider Arthritis ein erhöhtes Herzinsuffizienzrisiko und eine höhere Arteriensteifigkeit, beides etablierte Risikofaktoren für ein Vorhofflimmern. Auch der Gebrauch von Glukokortikoiden und NSAR kann die Arrhythmie begünstigen. Nicht zuletzt wird der chronischen Entzündung selbst eine Rolle in der Pathogenese zugeschrieben. Zum Schlaganfallrisiko von Patienten mit rheumatoider Arthritis haben vorausgegangene Studien widersprüchliche Resultate geliefert. Möglicherweise dauert es, so die Spekulation der dänischen Autoren, bis sich der Risikoanstieg bemerkbar macht. Ihrer Studie zufolge lässt sich der Zusammenhang zwischen rheumatoider Arthritis und Insult nicht (allein) mit der erhöhten Vorhofflimmernrate erklären.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 13 /2012

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