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Innere Medizin 26. Mai 2010

„Wie steht‘s mit dem Befinden?“

Erster Österreichischer Patientenbericht Osteoporose zeigt hohe Defizite bei der Versorgung auf.

In Österreich leiden etwa 740.000 Menschen an Osteoporose. Laut den Ergebnissen der aktuell am 19. Mai präsentierten Umfrage zum Ersten Österreichischen Patientenbericht geht es knapp einem Viertel der Patienten schlecht bis sehr schlecht mit ihrer Erkrankung. Mehr als jeder zweite 50-Jährige hat bereits einmal einen Knochenbruch erlitten. Betroffene sind in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit stark eingeschränkt, was zu einer drastischen Minderung der Lebensqualität führt.

Weil das Pensionsantrittsalter steigen wird, wird auch der Knochenschwund zunehmend zum Problem der arbeitenden Bevölkerung werden, erwartet Prof. Dr. Rudolf Müller, Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt: „Aufgrund der demographischen Entwicklung werden in Zukunft immer mehr Menschen von den Folgen der Osteoporose betroffen sein.“ Darüber hinaus verursachen eine zu geringe Compliance sowie fehlende Präventionsmaßnahmen erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft.

Häufig wird die Erkrankung erst nach einem Knochenbruch diagnostiziert. Immobilität und Pflegebedürftigkeit können dann die Folge sein. „Von der Diagnose bis zum Beginn der Behandlung vergehen durchschnittlich zehn Monate, ein Zeitraum, der verkürzt werden muss“, betont Prof. Dr. Harald Dobnig, Präsident der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochen- und Mineralstoffwechsels.

Kostenintensive Krankheit

Lange Zeit wurde der Erkrankung ein zu geringer gesundheitsökonomischer Stellenwert eingeräumt. „Zu den Behandlungs- und Pflegekosten sowie Arbeitsunfähigkeitszeiten kommen noch die intangiblen Kosten durch einen Verlust an Lebensqualität, bleibende Funktionseinschränkungen und Abhängigkeit von Fremdhilfe dazu“, weiß Dr. Maria Parzer vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Daher sollte versucht werden, die Compliance zu erhöhen und das Frakturrisiko mit Präventionsmaßnahmen zu senken.

Die richtige Therapie

Für den Therapieerfolg ist die Wahl der Behandlung entscheidend. Jeder Patient reagiert individuell auf Behandlungsschemata. Oft erzielt die gewählte therapeutische Maßnahme jedoch nicht die erwünschte Wirkung. Bei 46 Prozent der 513 Befragten ist die Therapie bereits einmal wegen Medikamentenunverträglichkeit oder mangelnder Wirkung geändert worden. Folglich ist für 49 Prozent der Patienten die Verträglichkeit der verschriebenen Osteoporosemedikamente von zentraler Bedeutung. Dobnig erklärt zudem, dass laut Umfrage 45 Prozent der Patienten einer Behandlung mit erst seit kurzem verfügbaren Medikamenten zustimmen würden, um so ihren Gesundheitszustand zu verbessern und ihre Lebensqualität erhöhen zu können. 45 Prozent wollen außerdem über mögliche Therapien sowie deren Wirksamkeit und Risiken in Kenntnis gesetzt werden. Um der Krankheit effektiv entgegenzuwirken, bedarf es einer adäquaten Aufklärung über Krankheitsverlauf und Behandlungsoptionen. Der Allgemeinmediziner ist in diesem Fall für viele Patienten die wichtigste Ansprechperson. „Der Hausarzt ist neben Osteoporoseambulanz und Gynäkologem bei einem Drittel der Befragten vor allem für die Weiterverordnung der Osteoporosetherapie verantwortlich und gilt bei 44 Prozent der Erkrankten als erste Anlaufstelle, die Informationen zur Erkrankung und deren Auswirkungen auf den Alltag vermittelt“, hält Dobnig fest. Ein ebenso hoher Prozentsatz der Betroffenen fordert gut informierte Fachärzte, die ihr Wissen über die Krankheit und ihre Folgen an die Patienten weitergeben.

welldone/IS, Ärzte Woche 21 /2010

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