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Innere Medizin 21. April 2010

Sport statt Schonen – auch bei Rheuma

Neue Trainingsmethoden für Rheumatiker: Deutsche Rehabilitationsmediziner verordneten ihren Patienten ein anspruchsvolles Sportprogramm. Die Ergebnisse könnten einen Paradigmenwechsel in der Bewegungstherapie für Rheumakranke einleiten.

Durch Konditionstraining können Rheuma-Patienten ihre Leistungsfähigkeit stärker verbessern als bei einer Standardrehabilitation. Das zeigen erste Ergebnisse einer kontrollierten Studie mit 402 Patienten. In dem Projekt arbeitet das Institut für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit zwei deutschen Rehabilitationskliniken zusammen. Das Team entwickelte ein Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining („KAKo“), kombiniert mit einem Motivationstraining.

Die konventionelle Empfehlung bei Rheuma sind schonende Gymnastik und physikalische Anwendungen. Eine Arbeitsgruppe um Institutsleiter Prof. Dr. Wilfried Mau aus Halle verordnete den Rehabilitanden dagegen ein anspruchsvolles Sportprogramm: Dreimal wöchentlich traten sie zuerst für 30 Minuten auf dem Ergometer in die Pedale. Danach durchliefen sie zusammen ein halbstündiges Zirkeltraining mit Kraft- und Koordinationsübungen. Zum Abschluss folgten Spiele wie Federball oder Softball. Fragen der Versorgung chronisch Kranker, wie die Weiterentwicklung der Rehabilitation bei entzündlich-rheumatischen Leiden, gehören zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät.

Spaß am Training

Das Sportprogramm kam bei den zumeist an chronischer Polyarthritis sowie an Spondyloarthritis leidenden Patienten erstaunlich gut an. Sie hatten auch Spaß am Training in den festen Gruppen. „Etwa 80 Prozent der Teilnehmer fanden die Behandlung ‚gerade richtig‘ und etliche sogar ‚noch zu wenig‘“, berichtete das Projektteam. „Ich habe gar nicht gewusst, was ich doch noch alles kann“, zitierte Mau eine typische Äußerung von Patienten, zu zwei Dritteln Frauen. Die Altersspanne reichte von 18 bis 60, das Durchschnittsalter lag bei 48 Jahren.

Gesteigerte Leistungsfähigkeit

Die Ergebnisse am Ende des stationären Aufenthalts, dem zweiten von fünf Messzeitpunkten, belegten, dass die „KAKo“-Teilnehmer signifikant mehr für ihre körperliche Funktionsfähigkeit und ihr seelisches Wohlbefinden erreichten als die entsprechende Kontrollgruppe. Gemessen wurde dies unter anderem mit dem SF-36 Health Survey, der acht Dimensionen der subjektiven Gesundheit und zwei Summenscores erfasst.

Um die Effekte möglichst nachhaltig zu sichern, erhielten die Teilnehmer außerdem eine handlungsorientierte Motivationsschulung: Dabei planen die Betroffenen konkret, welche Aktivitäten sie wann und wo zu Hause fortführen wollen. Auch werden im Voraus Strategien gegen mögliche Hinderungsgründe entworfen. Diese Methoden haben sich anderweitig bereits bewährt, um die willentliche Verhaltenssteuerung zu stützen und so das typische Handlungsloch, das oft zwischen gutem Vorsatz und Praxis klafft, zu überwinden.

Einführung in die Rehaklinik

Das Projekt läuft noch bis zum Jahresende weiter, um auch die langfristige Wirkung bis ein Jahr nach Klinikaufenthalt auszuwerten. Im beteiligten Rehazentrum der Deutschen Rentenversicherung in Bad Eilsen wurde das „KAKo“-Training schon in die Routine übernommen. Dabei kann man sich auch auf Erkenntnisse niederländischer Forscher stützen: Diese hatten 2003 für eine zweijährige ambulante Trainingszeit festgestellt, dass sich „regelmäßige intensive Bewegungs- und Sportaktivitäten positiv auf die körperliche und psychische Verfassung der Patienten auswirken.“ Es kam dabei auch nicht zu Gelenkschäden oder vermehrten Krankheitsschüben.

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