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Foto: Privat
Dr. Ingrid Pilz
Foto: ÖJRK

Abb.: Die Nachmittage im Feriencamp sind zahlreichen Freizeitaktivitäten gewidmet.

 
Innere Medizin 16. März 2010

30 Jahre „Therapie-Feriencamp“ für rheumakranke Kinder

Ganzheitliches Therapieangebot und erfolgreiches Vorzeigeprojekt

Fälschlicherweise wird Rheuma immer noch als eine Erkrankung des Alters gesehen. Die juvenile idiopatische Arthritis (JIA) kann aber oft schon im zweiten Lebensjahr beginnen, verläuft chronisch über Jahre mit Schmerzen, Gelenksschwellungen und häufig sogar mit Organbeteiligung (z. B. chron. Iridocyclitis).

Acht von 100.000 Kinder (Krankheitsbeginn bis zum 16.Lebensjahr) erkranken jährlich an JIA. Der chronische Verlauf birgt die Gefahr von Gelenksfehlstellungen, Wachstumsstörungen bis hin zu Gelenksdestruktionen. Neben der konsequenten medikamentösen Therapie sind Bewegung ohne Belastung, Physio- und Ergotherapie sowie orthopädische Maßnahmen Voraussetzung für die weitere altersentsprechende Entwicklung der Kinder.

Da es keine „Kinderkuren“ in Österreich gibt und ein „ganzheitliches Betreuung-Setting“ notwendig ist, wurde 1981 das „Rheumacamp“ gegründet. 25 österreichische „Rheuma-Kinder“ zwischen sechs und 16 Jahren verbringen im Sommer vier, seit einigen Jahren drei, Wochen in Warmbad Villach. Die Veranstalter sind das Österreichische Jugendrotkreuz, die Orthopädische Universitätsklinik Wien, die Universitäts-Kinderklinik Wien, das G. v. Preyersche Kinderspital Wien, sowie das Orthopädische AKH Linz.

Das betreuende Team des „Rheumacamps“ besteht aus Kinderrheumatologen, Orthopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Dipl.-Krankenschwestern und pädagogischen Betreuern. Ziel dieser jährlichen Veranstaltung ist es, den rheumatischen Kindern und Jugendlichen tägliche Bewegungstherapie auf der Matte und unter Wasser, Gruppengymnastik, Schlingentherapie, Radfahren, Schwimmen und Ergotherapie anzubieten. Orthopäden und Ergotherapeuten kontrollieren gemeinsam Lagerung und Funktionsschienen. Die Anfertigung von neuen Schienen (in bunten Wunschfarben), Fingergymnastik sowie das Erlernen von Gelenkschutzmaßnahmen für den Alltag ergänzen das Aufgabengebiet der Ergotherapie auf dem Camp. Insgesamt wird versucht die Gelenksbeweglichkeit und Muskelkraft zu verbessern um den Bewegungsablauf zu harmonisieren. Das Freizeitprogramm ist gelenksschonend ausgerichtet.

Von medizinischer Seite wird versucht, durch Patientenschulung das Verständnis für die multidisziplinäre Therapie auch im Alltag zu erlangen. Ein erfahrenes Betreuerteam unterstützt die Kinder im Umgang mit der chronischen Krankheit, psychologisch wird versucht, das Selbstwertgefühl zu verbessern. Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit anhand von Spielen, Fantasiereisen und individueller Betreuung über ihre Krankheit und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu sprechen. In altersentsprechenden Kleingruppen gewinnen sie speziell bei den Freizeitaktivitäten neue Freunde.

Jedes Jahr steht unter einem speziellen, kindergerechten Motto, wie „Weltreise in 21 Tagen, Harry Potter, Hollywood, Geister-Hexen“ etc. Speziell die Nachmittage sind den Ferien und Freizeitaktivitäten gewidmet. Entspannen, Baden, Ausflüge, Film- und Theaterbesuche, Kreativität beim Basteln, Malen und Gestalten, Abenteuer erleben, eine Lagerzeitung gestalten und vieles mehr stehen auf dem Programm.

Als Kinderrheumatologin, die in all den 30 Jahren im interdisziplinären Team des Therapie- und Feriencamps des Österreichischen Jugendrotkreuzes im Warmbad Villach betreuend mit dabei sei durfte, möchte ich all den Teilnehmern (Kindern und Teammitgliedern) sowie dem Veranstalter (ÖJRK), der Familie Lukeschitz und den Sponsoren herzlich danken.

Das „Rheumacamp“ ist ein wissenschaftlich geprüftes, erfolgreiches, ganzheitliches Therapieangebot, ein Vorzeigeprojekt in Europa. Und wir wünschen uns, dass dieses Angebot speziell heuer im 30. Jahr von möglichst vielen Kindern und Jugendlichen angenommen wird.

Weitere Informationen: www.jugendrotkreuz.at/sommercamps

Weiteres Angebot
Ein weiteres, ähnliches Angebot, das sich an jüngere Kinder mit Eltern und Geschwistern richtet, wird von der Selbsthilfegruppe „Rheumalis“ veranstaltet: Die so genannte „Intensivtherapiewoche“ findet
im Juli in Bad Kleinkirchheim statt.

Nähere Informationen:
Karin Formanek
E-Mail:
;
Internet:
www.rheumalis.org

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