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Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Huemer

Charakteristika der periodischen Fiebersyndrome
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Innere Medizin 16. März 2010

Periodische Fiebersyndrome

Verschiedene Erkrankungsbilder im Überblick

Das Spektrum der periodischen Fiebersyndrome (PFS) umfasst eine Reihe von systemischen Autoimmunerkrankungen mit episodisch auftretendem oder kontinuierlichem Fieber. Zumindest sechs Erkrankungsbilder (fünf davon werden an dieser Stelle beschrieben) zählen zu den PFS und lassen sich aufgrund spezifischer klinischer Präsentation und unterschiedlichem Vererbungsmodus umschreiben (Tab.). Diese Erkrankungsbilder manifestieren sich mit einer Vielfalt von Symptomen und es besteht eine große Variabilität für die Erkrankungsintensität. Die Abklärung eines Verdachtes auf ein periodisches Fiebersyndrom zählt heute zum Alltag der pädiatrischen Rheumatologie und der Rheumatologie – diese Übersicht soll vor allem für die zuweisenden Kollegen eine Orientierung bieten. Die Expertise der in Österreich zur Verfügung stehenden Rheumaambulanzen für Kinder- und Jugendliche kann in der weiterführenden Betreuung wertvolle Unterstützung sein, diese oft langen Patientenkarrieren der Betroffenen einer Diagnose zuzuführen (siehe Abb.).

1. Familiäres Mittelmeerfieber

Familiäres Mittelmeerfieber (FMF) ist das häufigste periodische Fiebersyndrom (PFS) und wird durch autosomal rezessive Mutationen am MEFV-Gen (mediterranean fever) bestimmt. Das Erkrankungsbild kommt am häufigsten bei sephardischen Juden, der arabischen, armenischen und türkischen Bevölkerung vor, dies mit einer in populationsspezifischen Studien nachgewiesenen Carrier-Frequenz von 1:3 bis 1:5. Mehr als 50 Mutationen konnten bislang am MEFV-Genlocus beschrieben werden, welche die Produktion eines immunmodulatorischen Proteins, des Pyrin (oder Marenostrin), kodieren.

Klinik

Die ersten klinischen Symptome von FMF entwickeln sich meist während der Kindheit und Adoleszenz , sodass bei 90 Prozent der FMF-Patienten die Erkrankung bis zum 20. Lebensjahr manifest wird. FMF kommt häufiger beim männlichen Geschlecht vor, manifestiert sich meist durch Krankheitsattacken mit einer Dauer von zwölf bis 72 Stunden und führt zu entzündlichen Veränderungen an Peritoneum, Pleura, Gelenken oder der Haut.

Zwischen den Schüben der Erkrankung befinden sich die Patienten regelmäßig in sehr gutem Allgemeinzustand – diese Intervalle können wenige Tage bis sogar Monate andauern. Vor allem im Kindesalter kann das Fieber einziges Symptom von FMF sein, meist kommt es im weiteren Verlauf zu weiteren Symptomen.

Abdominelle Beschwerden sind meist als Begleitsymptomatik zum Fieber zu finden, die Intensität dieser Beschwerden kann stark variieren- von mildem Unwohlsein bis zu heftigen Bauchschmerzen mit Abwehrspannung. Verstopfungssymptome sind häufiger als Diarrhoe, in Einzelfällen kann ein paralytischer Ileus manifest werden. Die Bauchschmerzen können diffus oder auf einen Quadranten lokalisiert sein, in Einzelfällen kann das Symptomenbild einer akuten Appendizitis bestehen.

Im Bereich der Atemwege kann es bei FMF zu meist unilateral auftretenden Pleuraschmerzen, geringen Pleuraergüssen oder Atelektasen kommen. Muskuloskeletale Symptome treten häufiger im Sinne von Arthralgien und bei Kindern oftmals als erstes Symptom von FMF auf. Bei erwachsenen FMF-Patienten entwickelt sich häufig eine Monarthritis, bei Kindern können symmetrische und nicht-symmetrische oligoartikuläre Verlaufsformen mit ausgeprägten Gelenksschwellungen auftreten. Die häufigste kutane Symptomatik besteht im Sinne eines erysipel-ähnlichen Erythems an Fußrücken, im Bereich der Sprunggelenke und unteren Extremitäten.

Dieses schmerzhafte Erythem besteht meist für wenige Tage und kann in Einzelfällen gemeinsam mit einer Arthritis des angrenzenden Gelenkes auftreten. An weiteren seltenen Symptomen bei FMF können eine unilaterale, skrotale Entzündung bei präpubertären Jungen, eine febrile Myalgie und Purpura Schönlein-Henoch auftreten. Als seltene kardiale Symptomatik kann eine Perikarditis auftreten. An neurologischen Symptomen können Kopfschmerzen und auch Fieberkrämpfe gehäuft vorkommen, eine ZNS-Beteiligung im Rahmen einer FMF ist allerdings sehr selten. Selten können Zeichen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung bestehen.

Labordiagnostik

Während einer Schubes von FMF sind die Akut-Phase-Proteine (C-reaktives Protein, Serum Amyloid und Komplement) erhöht, es kommt zur Leukozytose und einer Erhöhung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG). Eine kontinuierliche Erhöhung dieser Entzündungsparameter – auch zwischen den Krankheitsschüben – ist eng mit der Entstehung einer systemischen Amyloidose assoziiert, der schwerwiegensten Komplikation von FMF.

Bei Amyloidose kommt es zur Ablagerung von Serum-Amyloid (SAA) in verschiedenen Organen, vor allem in der Niere. Ein terminales Nierenversagen durch Amyloidose trat vor Einführung einer effizienten medikamentösen Therapie bei vielen FMF-Patienten bis zum 40. Lebensjahr auf. Ein früher Hinweis für beeinträchtigte Nierenfunktion ist eine Mikroalbuminurie, sodass regelmäßige Urinuntersuchungen zu den wesentlichen Verlaufsparamtern in der Langzeitbetreuung von FMF zählen. Bei neu auftretender Proteinurie kann der Verdacht auf Amyloidose durch eine Nierenbiopsie oder Biopsie der Rektumschleimhaut bestätigt werden. Die Nierenbiopsie stellt dabei die sensitivere Nachweismethode dar; in der Routine hat sich allerdings die Rektumbiopsie bewährt, da sie sicherer, weniger invasiv und bei einer Sensitivität von etwa 75 Prozent durchaus valide ist.

Diagnose

Die Diagnose des familiären Mittelmeerfiebers gründet sich auf die Präsenz kurzer (zwölf bis 72 Stunden dauernder), rekurrierender Fieberepisoden verbunden mit einer spezifischen abdominellen, thorakalen, Gelenks- oder Hautsymptomatik und dem Ausschluss einer infektiösen Ätiologie. Ansprechen auf eine Colchizintherapie, typische ethnische Herkunft, eine positive Familienanamnese sowie ein Beginn der Symptomatik vor dem 20. Lebensjahr unterstützen die Diagnose eines FMF.

Die Durchführung einer Mutationsanalyse zur Sicherung der Diagnose FMF ist sicherlich eine ganz wesentliche Ergänzung zur klinischen Diagnostik. Die Suche nach bekannten Mutationen im MEFV-Gen stellt heute eine wichtige differentialdiagnostische Hilfe in der Abklärung von FMF und anderen rekurrierenden Fiebersyndromen dar und kann vor allem bei ungewöhnlichen Krankheitsverläufen die Einleitung einer Kolchizin-Therapie beschleunigen.

Therapie

Die Colchizintherapie stellt für die überwiegende Zahl der FMF-Patienten eine äußerst effektive medikamentöse Therapiemöglichkeit dar, vor allem zur Vorbeugung erneuter Fieberschübe und einer Amyloidose. Etwa 95 Prozent der FMF-Patienten zeigen eine deutliche Symptombesserung und 75 Prozent eine annähernd vollständige Remission der Erkrankung durch Colchizintherapie.

Die kontinuierliche Verabreichung von Colchizin zeigt im Vergleich zu intermittierenden Gaben eindeutig höhere Effektivität die Krankheitsschübe zu verhindern. Die Unterdrückung der Entzündung auch zu Zeiten des subklinischen Intervalles zwischen den Krankheitsschüben trägt wesentlich zur Prävention einer Amyloidose bei. Colchizin ist im Kindesalter sicher anzuwenden, obwohl die Pharmakokinetik bei jungen Kindern unterschiedlich zu sein scheint. Die Dosisempfehlung für Erwachsene von 1,2-1,8 mg / Tag dient dabei als wichtige Orientierung: Die initiale Tagesdosis sollte möglichst niedrig gehalten werden (0,3 mg pro Tag) und langsam bis zu einer Maximaldosis von 1,8 mg / Tag titriert werden. Eine bereits manifeste FMF-Attacke kann nicht durch Colchizin, meist aber durch die Verabreichung eines nichtsteroidalen Antiphlogistikums gemildert werden.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Patienten wird ganz entscheidend von dem Auftreten einer Amyloidose beeinflusst, zu der es bei langjährigem, unbehandeltem Verlauf kommt. Die systemische Amyloidose kann zu einer irreversiblen Nierenschädigung führen und ist die Haupttodesursache der FMF-Patienten, die ansonsten eine normale Lebenserwartung haben.

2. Cryopyrin-assoziierte periodische Fiebersyndrome

Die Gruppe der Cryopyrinopathien (familiäres kälteassoziiertes Syndrom, Muckle-Wells Syndrom und CINCA-Syndrom) lassen sich durch eine gemeinsame autosomal dominante Mutation am CIAS-1-Gen determinieren. An diesem Genlocus findet die Enkodierung eines Proteins mit N-terminaler PYRIN-Domäne statt, welches bei diesen genetischen Fiebersyndromen identifiziert werden kann. Obwohl diese drei Entitäten als verschiedene Krankeitsbilder indentifizierbar sind, bestehen doch weitgehende phänotypische Überlappungen. Als gemeinsame wichtige Symptome sind urtikarielle Exantheme und der intermittierende episodische Charakter von Fieberschüben verschiedener Ausprägung beschrieben.

2.1. Familiäres kälteassoziiertes Syndrom (FCAS)

Dieses autosomal-dominant vererbte Syndrom wurde erstmals 1940 beschrieben und ist charakterisiert durch wiederkehrende, kurze und selbstlimitierende Episoden von Fieber, Hautsymptomen, Arthralgien und Konjunktivitis welche durch vorangehende Kälteexposition ausgelöst werden. Auch Muskelschmerzen, Schwitzen, Benommenheit, Kopfschmerzen, extremes Durstgefühl und Übelkeit wurden beschrieben. Dieses Syndrom entwickelt sich meist im frühen Säuglingsalter (Geburt bis sechstes Lebensmonat).

Die Krankheitsschübe dauern meist bis zu 24 Stunden, der Schweregrad der Symptome scheint dabei stark mit dem Ausmaß der Kälteexposition zu korrellieren. Es bestehen eine Leukozytose und erhöhte Akut-Phase-Proteine.

2.2. Muckle-Wells Syndrom (MWS)

Charakteristisch für dieses seltene Syndrom sind Fieberschübe assoziiert mit Hautsymptomen, Gelenksbeteiligung, audiologischen und ophthalmologischen Symptomen und häufig eine Amyloidose. Das Fieber während der Attacken ist eher milde. Die inflammatorischen Episoden manifestieren sich meist in der Kindheit und dauern 24–48 Stunden.

Die Gelenkssymptome können als milde kurze Arthralgien oder auch als Arthritis großer Gelenke imponieren. Es besteht eine Konjunktivitis, in einzelnen Fällen eine Episkleritis oder Iridozyklitis. Zielführend für die Diagnose kann die häufig als zusätzliches Symptom auftretende, progressive sensoneurale Taubheit sein. Als Komplikation kann es zu einer Amyloidose kommen.

2.3. CINCA-Syndrom

Das „chronic infantile neurological cutaneous and articular“ (CINCA)-Syndrom wird auch als „neonatal onset multisystem inflammatory disease“ (NOMID) bezeichnet und ist durch einen postnatalen Beginn charakterisiert. Betroffene Kinder sind in 50 Prozent der Fälle zu klein für ihr Alter („small for gestational age“) und haben eine charakteristische Sattelnase und eine prominente Stirn. Gewöhnlich besteht von Geburt an ein urtikarielles Exanthem, welches nicht juckend ist und sehr stark seine Intensität ändern kann. Das Fieber ist meist intermittierend und variiert ebenfalls sehr stark bei den betroffenen Individuen.

Die artikulären Symptome umfassen leichte Arthralgien bis hin zu einer destruktiven Arthropathie de großen Gelenke. Eine sensorische Taubheit und ein Papillenödem mit konsekutiver Blindheit können sich in späterem Lebensalter manifestieren.

Therapie der Cryopyrinopathien

Es bestehen noch keine eindeutigen Therapieempfehlungen, aber seit wenigen Jahren sind für diese Erkrankungen sehr vielversprechende Erfahrungen durch den Einsatz der Biologicals (Anakinra, Canakinumab) zu verzeichnen. Der IL-1-Antagonist Canakinumab ist in Österreich für oben genannte Fiebersyndrome zugelassen.

3. TNF-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS)

Genetik und Pathogenese

TRAPS ist ein autosomal dominant vererbtes Krankheitsbild, dessen Vererbungsmodus allerdings aufgrund verschiedener Penetranz der beschriebenen Mutation und der Entstehung von de-novo-Mutationen inhomogen ist.

Klinik

Die Symptomatik von TRAPS ist dem FMF ähnlicher als den Cryopyrinopathien. Patienten mit TRAPS präsentieren sich mit episodischem Fieber und Serositiden, Synovitiden und einer kutanen Symptomatik. Typischerweise sind die Schübe bei TRAPS länger (ein bis vier Wochen und darüber) und zeichnen sich vor allem auch durch eine zusätzliche okuläre sowie kutane Symptomatik aus. Die Schübe von TRAPS können infolge von Minimaltraumen, einer Infektion, Stress oder körperlicher Aktivität auftreten.

Während der Attacken zeigen die Patienten eine deutliche Erhöhung der Akutphase-Proteine. Die kutanen Symptome bei TRAPS bestehen aus einem migratorischen, makulären Erythem, welches rumpfbetont oder an den Extremitäten auftritt. Diese Läsionen sind erwärmt und schmerzhaft und zeichnen sich durch oberflächliche und tiefe perivaskuläre Infiltration mit mononukleären Zellen aus.

Bei Lokalisation an den Extremitäten kann es durch eine entzündliche Mitbeteiligung der Faszien zu ausgeprägten Myalgien kommen. Während der Schübe von TRAPS kann es zur Symptomatik einer Peritonitis oder auch Pleuritis kommen. Die spezifische okuläre Symptomatik zeichnet sich durch ein periorbitales Ödem oder Konjunktivitis aus. Im Bereich der Gelenke bestehen oftmals Arthralgien und – weniger häufig – Arthritiden einzelner Gelenke wie Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Die entzündliche Beteiligung des Skrotums ist auch bei TRAPS beschrieben. Eine Amyloidose tritt bei TRAPS deutlich weniger gehäuft auf als bei unbehandeltem FMF: Etwa zehn Prozent der Patienten zeigen Zeichen der Amyloidose im Sinne eines Nieren- oder Leberversagens.

Labordiagnostik

Die Laborbefunde bei TRAPS zeigen eine Erhöhung von SAA, C-reaktivem Protein und Komplement, sowie Leukozytose und Thrombozytose verbunden mit einer deutlichen Erhöhung der BSG. Die Diagnose TRAPS kann durch eine Mutationsanalyse gesichert werden.

Therapie

Symptomatische Therapie der Wahl ist die Gabe von Steroiden. Die orale Administration von Prednison (Beginn mit 1mg / kg /Tag als Einzeldosis) zu Beginn einer Attacke führt zu einer deutlichen Milderung der Symptome. Nach Aufklärung der zugrunde liegenden molekularen Defekte stellt die Anwendung eines TNF-Inhibitors eine neue Therapieoption dar.

Die Gabe von Etanercept , einem auf dem TNFRSF1B / Typ 2-TNF-Rezeptor basierenden, rekombinanten löslichen TNF-Rezeptor, führt bei einzelnen Patienten zu einer Reduktion der Attacken und einer positiven Beeinflussung der Nierenamyloidose.

4. Hyper-IgD-Syndrom

Das Hyper-IgD-Syndrom ist eine autosomal-rezessiv vererbte Multisystemerkrankung, die erstmals 1984 bei sechs niederländischen Patienten mit rezidivierenden Fieberschüben beschrieben wurde, wobei alle Patienten erhöhte IgD-Spiegel im Serum aufwiesen. Verursacht wird Hyper-IgD-Syndrom (HIDS) durch Mutationen im MVK-Gen, welches für die Enkodierung des Enzymes Mevalonatkinase verantwortlich ist – einem Schlüsselenzym im Cholesterolmetabolismus.

Dies führt während der Attacken zu einer leicht erhöhten Ausscheidung von Mevalonsäure im Urin. Mutationen die mit HIDS assoziiert sind, führen zu einer signifikanten Verminderung der Enzymaktivität der Mevalonatkinase, während die Mutationen im klinisch noch ausgeprägter imponierenden Krankheitsbild der Mevalonazidurie ein völliges Fehlen der Enzymaktivität verursachen. Der Zusammenhang des Defektes in der Cholesterolsynthese und die damit verbundene Aktivierung des Zytokinnetzwerkes ist bislang noch unklar.

Klinik

HIDS manifestiert sich meist im frühen Kindesalter ab dem sechsten Lebensmonat. Die Krankheitsschübe treten im Intervall von etwa ein bis zwei Monaten auf und dauern etwa drei bis sieben Tage. Zwischen den Schüben besteht fast vollständige Beschwerdefreiheit. In der Anamnese finden sich vor erneuten Krankeitsschüben mögliche Triggerfaktoren wie eine stattgehabte Impfung, operative Eingriffe, Traumata oder milde Infekte. Meist gehen den spezifischen Symptomen ausgeprägte Kopfschmerzen und Schüttelfrost voran, mit dem ersten Fieberschub kommt es zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Einzelne Patienten entwickeln eine nichtdestruierende transiente Arthritis großer Gelenke, diese ist meist von polyartikulärem Gelenksbefallmuster. Während der Attacken entwickelt sich ein makulopapulöses Exanthem, welches vereinzelt auch mit schmerzhaften Läsionen verbunden sein kann.

Labordiagnostik

Bei HIDS-Patienten finden sich eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins, Leukozytose, und BSG-Erhöhung. Die Erhöhung von IgD im Serum findet sich bei den meisten HIDS-Patienten, allerdings scheint dieser Parameter nicht generell mit dem Schweregrad der Erkrankung oder der Häufigkeit der Fieberschübe zu korrelieren. Im Urin der HIDS ist während einer Krankheitsattacke eine erhöhte Mevalonsäure zu finden. Die Diagnose HIDS kann neben der Beurteilung des klinischen Bildes durch zusätzliche Untersuchungen definiert werden: Serum IgD- Bestimmung, Mutationsanalyse, und die Bestimmung der Mevalonsäure im Urin können wesentlich zur Diagnostik beitragen. Diagnostisch wegweisend ist neben dem klinischen Bild eine persistierende Erhöhung des Serumimmunglobulin D (> 100 IU/ml, 141 mg/l) bei einer zweimaligen Messung im Abstand von mindestens einem Monat.

Therapie

Grundsätzlich wird eine symptomatische Therapie angestrebt, der therapeutische Einsatz von Glukokortikoiden, Immunglobulinen und Cyclosporin führte bislang allerdings zu keinen konklusiven Ergebnissen. Auch das Ansprechen auf Colchizin in Einzelfällen und – in zwei rezenten Studien – der erfolgreiche Einsatz von Etanercept und Simvastatin sind noch nicht ausreichend, um für HIDS klare Therapieempfehlungen zu formulieren.

5. Periodisches Fieber mit aphthöser Stomatitis, Pharyngitis und Lymphadenitis (PFAPA)

Das Erkrankungsbild periodischen Fiebers assoziiert mit aphthöser Stomatitis, Pharyngitis und Lymphadenitis wurde erstmals 1987 beschrieben. Es handelt sich um eine relativ milde und häufige Erkrankung, die weltweit vorkommt. Die Ursache für PFAPA bleibt unklar, Infektionen konnten als Ursache bislang ausgeschlossen werden. PFAPA entwickelt sich meist vor dem fünften Lebensjahr: Meist kommt es zu periodischen Fieberepisoden (> 39°C), die drei bis fünf Tage andauern und alle 28 Tage wiederkehren. Eine französische Untersuchung beschrieb deutlich längere Intervalle bis zu acht Wochen. Zwischen den Episoden ist der Allgemeinzustand des Kindes vollständig normalisiert.

Eine Episode von PFAPA ist meist assoziiert mit deutlicher Müdigkeit und oralen Läsionen: 70 Prozent der Patienten weisen eine aphthöse Stomatitis auf – ulceröse Läsionen meist im Bereich der Wangenschleimhäute, 72 Prozent der Patienten zeigen eine hochgerötete Rachenschleimhaut ohne Exsudat im Sinne einer Pharyngitis. Zehn bis 15 Prozent der Patienten klagen über Gelenksschmerzen. Die maximale Körpertemperatur von 40–41°C wird üblicherweise am ersten Erkrankungstag berichtet und kann sehr abrupt innerhalb von ein bis zwei Tagen vollständig normalisiert sein.

Labordiagnostik

Während der Krankheitsepisoden kommt es zu Leukozytose, Erhöhung von IgG, IgM und IgA und deutlich erhöhten Akut-Phase Proteinen. In einzelnen Fällen wurde ein erhöhtes IgD beschrieben. Für die Diagnose PFAPA wurden Diagnosekriterien eingeführt – rekurrierendes Fieber mit Beginn vor dem fünften Lebensjahr und mindestens eines der folgenden Kriterien: aphthöse Stomatitis, cervikale Lymphadenopathie oder Pharyngitis. Zwischen den Krankheitsschüben müssen für die Diagnose PFAPA die Patienten eine annähernde Symptomfreiheit bieten, sowie normales Wachstum und Entwicklung zeigen.

Therapie

Mehrere Therapieansätze wurden bereits diskutiert: nicht-steroidal antiphlogistische Therapie, Colchizin, Glukokortikoide und Cimetidin. Bei vielen Patienten scheint ein bereits früh während eines Schubes verabreichtes systemisches Glukokortikoid eine deutlich krankheitsverkürzende Wirkung zu zeigen. Eine langfristige Besserung kann nach bisheriger Datenlage in 30 Prozent der Fälle mit Cimetidin (20 mg / kg / Tag in zwei bis drei Einzeldosen über sechs bis zwölf Monate) erreicht werden, wobei die Besserung langsam eintritt und der Wirkmechanismus unklar ist. Bei therapierefraktärem Verlauf ist eine Tonsillektomie mit Adenotomie eine Behandlungsoption und zeigt in Studien mit sehr kleinen Fallzahlen bei 72 Prozent einen kurativen Effekt.

Prognose

Die Prognose von PFAPA ist ausgezeichnet, da nach einer mittleren Krankheitsdauer von 4,5 Jahren nach Krankheitsbeginn die Krankheitsschübe bei etwa 30 Prozent der Patienten vollständig sistieren, bei weiteren Patienten kommt es zu einer deutlichen Verminderung der Intensität der Krankheitsschübe.

 

Korrespondenz Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Huemer Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Landeskrankenhaus Bregenz Carl Pedenz Str. 2 6900 Bregenz Tel./Fax: 0043-5574-401-1500 / -401-8945 E-Mail:

1 Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde LKH Bregenz und Ostschweizer Kinderspital St.Gallen

1 Brydges S, Athreya B, Kastner DL (2005) Periodic fever syndromes in children In: Cassidy JT, Petty RE, Laxer RM, Lindsley CB (Hrsg) Textbook of Pediatric Rheumatology. Elsevier, Philadelphia, 657-675

2 Dode C, Andre M, Bienvenu T (2002) The enlarging clinical, genetic, and population spectrum of tumor necrosis factor receptor-associated periodic syndrome. Arthritis Rheum 46:2181

3 Drenth JP, Haagsma CJ, van der Meer JW (1994) Hyperimmunglobulinemia D and periodic fever syndrome. The clinical spectrum in a series of 50 patients. International Hyper-IgD Study Group. Medicine 73:133

4 Drenth JP, van der Meer JW (2001) Hereditary periodic fever. N Engl J Med 345:1748

5 Grose C, Schnetzer JR, Ferrante A (1996) Children with hyperimmunoglobulinemia D and periodic fever syndrome. Pediatr Infect Dis J 15:72

6 Hawkins PN, Lachmann HJ, Aganna E, McDermott MF (2004) Spectrum of clinical features in Muckle-Wells syndrome and response to Anakinra. Arthritis Rheum 50: 607

Tabelle Charakteristika der periodischen Fiebersyndrome
 FMFHIDSTRAPSPFAPAMWSFCASCINCA
Symptome Fieber
Bauchschmerz
Thoraxschmerz
Arthritis
Fieber
Bauchschmerz
Lymphadenopathie (LA)
Hepatosplenomegalie
Fieber
Bauchschmerz
Myalgien
Arthralgien
Perorbitalödeme
Konjunktivitis
Fieber
Pharyngitis
aphthöse Sto- matitis
zervikale LA
Fieber
Arthralgien
Konjunktivitis
Hörverlust
Fieber
Arthralgien
Konjunktivitis
Fieber
asept. Meningitis
LA
Arthropathie
Augenläsionen
Hörverlust
Arthritistyp akut
Monoarthritis
große Gelenke
akut
oligoartikulär
symmetrisch
große Gelenke
selten keine oligoartikulär
oder mono-a.
große Gelenke
symmetrisch
selten Arthralgien
oder
Arthropathien
Haut erysipelähnliche
Erytheme
Purpura der UE
erythematöse
Makulae an
Extremitäten
generalisiertes
migratorisches
Erythem
selten erythematöse
Makulae
Urtikaria
erythematöse
Plaques an
Extremitäten
Urtikaria
nicht-juckendes
Erythem
Länge derKrankheitsschübe (Tage) 1 bis 3 3 bis 7 7 bis 21 4 bis 5 1 bis 3 < 1 variabel
Intervall Wochen bis
Monate
4 bis 8 Wochen Wochen bis
Monate
2 bis 8
Wochen
1 bis mehrere
Wochen
Expositions
abhängig
Fieber episodisch
oder chronisch
Alter bei Erkrankungsbeginn ca. 5 Jahre (50 %) < 1 Jahr meistens < 10 Jahre ≤ 5 Jahre Säugling
bis Schulkind
< 0.5 Jahre Geburt bis Ende
1.Lebensjahr
Familienanamnese + + + + + beides
Genetik AR
MEFV-Gen
AR
MVK
AD
TNFRSF1A
unbekannt AD
CIAS 1
AD
CIAS 1
AD
CIAS 1
Therapie Colchizin NSAID
Steroide
Steroide
anti-TNF-Th.
Cimetidin
Steroide
anti-IL 1 ?
(Anakinra)
anti-IL 1 ?
Steroide
anti-IL 1 ?
Steroide
Komplikation Amyloidose keine Amyloidose 25  % keine
(Steroid-NW)
Amyloidose
Taubheit
selten
Amyloidose
Amyloidose
Wachstums-
probleme
Gelenksdef.
mentale Retard.
Erblindung
Taubheit

C. Huemer1, rheuma plus 1/2010

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