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Hämatologie 1. November 2009

Die Rationale für Knochenmarkuntersuchungen bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

FRAGESTELLUNG UND ZIEL: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen und deren immunsuppressive Therapie können zu hämatologischen Erkrankungen führen. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Indikationen von Knochenmarkpunktion und Knochenmarkbefunde bei einer großen Patientengruppe zu analysieren. MATERIAL UND METHODEN: Zwischen 1990 and 2004 wurden bei 146 von 3638 Patienten mit entzündlichrheumatischen Systemerkrankungen wegen Laborveränderungen Knochenmarkpunktionen durchgeführt. Die Auswertung der Zytomorphologie, Histologie, Zytogenetik, und der Vorgeschichte inklusive Labor erfolgte retrospektiv. ERGEBNISSE: Das mittlere Alter der Pat. (67,8% weiblich) bei Knochenmarkpunktion betrug 53,5 ± 15,5 Jahre, die mediane Krankheitsdauer 2,9 Jahre. 81,7% der Patienten zeigten Blutbildveränderungen. 52 Pat. (35,6%) hatten klinisch relevante, teils neoplastische Knochenmarkveränderungen (5 Non-Hodgkin-Lymphome, 9 myelodysplastische Syndrome (MDS)/eine akute myeloische Leukämie (AML) und 3 myeloproliferative Neoplasien). 13,5% dieser 52 Pat. hatten Hydroxy-/Chloroquin eingenommen, 17,3% Methotrexat, 7,7% Ciclosporin A, 7,7% Sulfasalazin, je 1,9% Mycophenolatmofetil, Gold und Leflunomid, 25% Azathioprin und 7,7% Cyclophosphamid. 7 von 9 Patienten, die ein MDS/AML entwickelten, waren nur mit Azathioprin oder zusätzlich mit Cyclophosphamid (n = 3) therapiert. ZUSAMMENFASSUNG: Ein Drittel der punktierten Patienten zeigte relevante Knochenmarkveränderungen, die möglicherweise therapieassoziiert sind. Insbesondere scheint bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die Azathioprin mit oder ohne Cyclophosphamid erhalten haben, das Risiko für therapieassoziierte Knochenmarkerkrankungen erhöht zu sein. Die an der Behandlung Beteiligten sollten deshalb stets das Risiko neoplastischer hämatologischer Erkrankungen bedenken und die Patienten engmaschig hinsichtlich ihres Auftretens kontrollieren. Knochenmarkpunktionen sind insbesondere bei Blutbildveränderungen indiziert, wenn eine klinisch relevante Anämie, Leukozyten < 2.500/µl, Thrombozyten < 100.000/µl und vor allem Veränderungen der Parameter im Verlauf zu beobachten sind.

Jutta G. Richter, Pascal Goßen, Ulrich Germing, Sabine Blum, Barbara Hildebrandt, Stefan Braunstein, Dörte Huscher, Matthias Schneider, Wiener klinische Wochenschrift 21/22/2009

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