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Innere Medizin 1. Dezember 2009

Fehlende Spezialisten

Der erste Österreichische Patientenbericht "Rheumatoide Arthritis 2009" bringt unerfreuliche Ergebnisse ans Tageslicht. Etwa, dass Rheumapatienten im Schnitt bis zu 22 Monate auf eine adäquate Therapie warten.

Von den ersten Symptomen bis zur Behandlung der Krankheit rheumatoide Arthritis vergehen im Schnitt zwei Jahre. Angesichts eines nur dreimonatigen „Window of Opportunity“, in dem die Therapie beginnen sollte, ist diese Zeitspanne wohl zu lange. Anlässlich der Präsentation des ersten Österreichischen Patientenberichts rheumatoide Arthritis 2009 bei einer Pressekonferenz wies die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) Versorgungslücken der Rheumapatienten hin. Denn rund einem Viertel der Befragten geht es mit ihrer Krankheit „eher schlecht“.

 

Erstmals wurde in einer Studie die Lebensqualität von österreichischen Rheumapatienten untersucht. Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 wurden 685 Patienten zu ihrem subjektiven Befinden befragt, und zwar entsprechend der größeren Häufigkeit von RA bei Frauen, belief sich der Anteil der Befragten Männer auf lediglich 18 Prozent. Das subjektive Befinden wurde schließlich einer standardisierten Bewertung der Krankheitsaktivität nach RADAI 5 gegenübergestellt, um auch Aussagen über die Wirksamkeit der Behandlungen treffen zu können.

44 Prozent der Befragten erreichen das Therapieziel Remission bzw. niedrige Krankheitsaktivität. „Das ist nicht schlecht, aber verbesserungwürdig“, so ÖGR-Präsident Prim. Dr. Burkhard Leeb, Vorstand der 1. und 2. medizinsichen Abteilung des Landesklinikums Weinviertel, Stockerau.

Schlechte Behandlung ist teuer

Eine ungenügende Versorgung von Rheumapatienten schlägt sich unmittelbar auf die krankheitsbedingten Kosten nieder. Denn häufig mündet die Autoimmunerkrankung in Gelenkzerstörung und funktioneller Behinderung. Die Folgen sind eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und damit auch eine Einschränkung der Erwerbstätigkeit, weil die Krankheit meist schon zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr eintritt. Arbeitslosigkeit oder Frühpension, soziale Isolation, Pflegebedürftigkeit sind, so Dr. Walter Pöltner, Sektionschef im Sozialministerium nicht nur für Betroffene „ein persönliches Drama, sondern verursacht auch der Gesellschaft hohe Kosten“. Unzureichende ärztliche Betreuung bedeutet für die Erkrankten, dass sie in Richtung Invalidität steuern.

Wo sind die Spezialisten?

Mit ein Grund für die lange Zeitspanne bis zur Behandlung und für die mangelnde Behandlungsqualität ist die Unterversorgung mit Rheuma-Ärzten, vor allem im Westen des Landes. Im niedergelassenen Bereich sind 77 Internisten mit rheumatologischer Expertise ausgewiesen, wovon nur zwölf einen Kassenvertrag haben. In der Steiermark, in Tirol und in Vorarlberg gibt es gar keinen Kassen-Facharzt. Gesundheitsconsulter Mag. Dr. Johannes Hohenauer bringt die mangelnde Attraktivität des Fachs auf den Punkt: „Ganz einfach, weil‘s nicht gezahlt wird.“ Die Bezahlung für die Apparatemedizin wäre leichter verhandelbar, als ausführliche Gespräche mit Rheumapatienten, für die Arzt und Patient bis zu einer guten medikamentösen Einstellung viel Zeit investieren muss. Dr. Günther Wawrowsky, Ärztekammer, betont: „Wir müssen uns zum Ziel setzen, die Diagnosefindung deutlich zu beschleunigen, die Ärzte im niedergelassenen Bereich intensiver auszubilden und den Zugang zum Rheumatologen niederschwelliger zu gestalten.“ Der Patientenbericht zeigt: Allein die Wartzeit für einen Termin in den Spitalsambulanzen beträgt sechs Monate. Leeb ist der Mienung, dass 60 Prozent der Patienten in Remission oder zumindest zu niedriger Krankheitsaktivität gebracht werden könnten. Und will deshalb als Präsident der ÖRG vermehrt standespolitisch tätig werden.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 49 /2009

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