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Innere Medizin 24. November 2009

Knochenbruch-Krankheit

Bei der Osteoporose sind Änderungen der Lebensgewohnheiten und das Erkennen von Risikofaktoren vorrangig.

Das fatale Ereignis ist die Fraktur bei inadäquatem Trauma. Patienten mit Osteoporose sind häufig betroffen, deswegen sollte man die Erkrankung besser als „Knochenbruch-Krankheit“ bezeichnen. Ursache der Frakturen ist meist das zufällige Zusammentreffen multipler genetischer, hormoneller und ernährungsbedingter Faktoren, die allein oder gemeinsam die mechanische Integrität des Skeletts schwächen.

Knochenbrüche und deren Häufigkeit nehmen dramatisch zu – Mobilität, Lebensqualität und Mortalität werden dadurch negativ beeinflusst.Nach wie vor wird „Knochengesundheit“ im Sinn von Prävention ver-nachlässigt, werden vor allem ältere und sozial benachteiligte Menschen nicht ausreichend mit Kalzium und Vitamin D versorgt und frakturgefährdete Patienten nur teilweise mit osteoprotektiven Therapien behandelt.

Knochendichte interpretieren

Das Ergebnis der Knochendichtemessung dient gemeinsam mit anderen Risikofaktoren der Abschätzung des Frakturrisikos, ist aber keine Diagnose. Sie sollte immer in Abhängigkeit vom individuellen Lebensalter interpretiert werden. Eine medikamentöse Behandlung bei einem T-Score von –2,5 ohne vorherige individuelle Risikoerfassung sollte jedenfalls der Vergangenheit angehören.

Die Risikoerfassung umfasst die genaue Anamnese und die klinische Untersuchung. Falls dabei Hinweise auf das Vorliegen einer Knochenbruch-Krankheit (vorausgegangene Frakturen, Größenabnahme über vier Zentimeter, Schmerzen) oder Erkrankungen mit hohem Risiko erhoben werden, können Röntgenaufnahmen der Brust- und Lendenwirbelsäule, Knochendichtemessung mittels DXA-Methode sowie eine Laboruntersuchung indiziert sein.

Kein Screening unter 65 Jahren

Keinesfalls sind Screening-Untersuchungen im Alter unter 65 bei Frauen und unter 70 Jahren bei Männern begründet.

Vor einer Therapie-Entscheidung sind zu berücksichtigen:

  • Alter,
  • BMI,
  • vorangegangene Frakturen,
  • Familienanamnese,
  • Rauchverhalten,
  • Medikamente, die zu Osteoporose führen können,
  • multiple Stürze,
  • Immobilität,
  • andere chronische Erkrankungen.

 

Für alle Menschen, besonders aber für Patienten mit Knochenbruch-Krankheit, ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D wichtig. Knochenspezifische Medikamente, wie Bisphosphonate, Raloxifen, Strontiumranelat oder Parathormon ohne ausreichende Versorgung mit Kalzium- und Vitamin D können wirkungslos oder sogar gefährlich sein und das Frakturrisiko erhöhen. In großen Studien – und durch mehr als zehnjährige Anwendung weltweit geprüft – stellt die antiresorptive Behandlung mit oralen Bisphosphonaten eine wirksame und sichere Therapieform dar. Falls eine Behandlung mit intravenösen Bisphosphonaten erforderlich ist, ist wegen des besseren Wirkungsnachweises und auch aus ökonomischen Gründen der einmal jährlichen antiresorptiven Behandlung der Vorzug zu geben. Falls unter Bisphosphonatbehandlung weitere Frakturen auftreten, kann eine knochenaufbauende Therapie mit Parathormon (tägliche subkutane Injektion) eingeleitet werden. Die Zulassung neuer antiresorptiver Therapien, die noch in der klinischen Forschung sind, ist in nächster Zeit zu erwarten und wird das therapeutische Spektrum für die Behandlung der Knochenbruch-Krankheit erweitern. Ziel jeder Osteoporose-Therapie muss das Verhindern von Frakturen sein.

medevent/IS, Ärzte Woche 48 /2009

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