zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 22. November 2007

Der Fußboden: Oft getretenes Designobjekt (Folge 9)

„Besser als die Decke zu weißen, wäre es, eine Strohmatte auf den Boden zu legen.“ Mit diesem arabischen Sprichwort soll ausgedrückt werden, dass man sich zunächst auf das Wesentliche konzentrieren und einen Schritt nach dem anderen setzen soll. Doch diesen Spruch kann man getrost wörtlich nehmen – der Fußbodengestaltung kommt in der Regel nicht jene Bedeutung zu, die sie verdient. Und so wird sie nicht nur in tatsächlichem, sondern auch in bildlichem Sinne geradezu mit Füßen getreten. In dieser Ausgabe des Raumdoktors soll Ihnen der Boden zu Füßen (und ans Herz) gelegt werden.

 Abb. 1
Abb. 1: Rundum laufende Strukturen können eine skulpturale Wirkung erzielen.

 Abb. 2
Abb. 2.: Die Mischung verschiedener Holzarten und der partielle Einsatz von Stein lockern Bodenflächen auf.

Illustrationen: DI Niel Mazhar

Die Fülle an Sprichwörtern und Zitaten, die sich mit dem Fuß und seinem bodenverbundenen Lebensraum befassen, ist enorm. Häufig sind sie freilich mit Ängsten verknüpft. So scherten sich die Gallier kaum um den Boden, hatten jedoch bemerkenswerte Furcht, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könne. Andere Völker verlieren sprichwörtlich den Boden unter den Füßen, und nicht selten zeigt man Demut, indem man „zu Fuße kriecht“ oder – noch schlimmer – den Boden unter den Füßen seines Vorgesetzten küssen muss. Freilich sorgt auch jegliche Form von „Bodensatz“ im sprichwörtlichen Gebrauch selten für Beifall.
Unsere Füße sind empfindsame Organe, die mehr verdienen als leicht zu reinigende, weiße Fliesen. Damit man – statt kalter Füße – auf großem Fuße leben kann, sollte der Bodengestaltung viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Gestaltung der Böden kann getrost als Basis jeder Raumgestaltung gesehen werden und kann die spannende Wirkung eines Raumes verstärken oder, im Gegenteil, ein spektakuläres Raum­szenario beruhigen und erden.

Keine Angst vor Experimenten

Nicht nur naturverbundene Menschen wissen die behagliche Raumatmosphäre zu schätzen, die etwa ein dunkler Holzboden zu schaffen vermag. Stein- und Betonböden wiederum können die Wirkung eines modern und minimalis­tisch gestalteten Raumes hervorheben. Kunststoffböden wie Laminat als Untergrund liefern, bedruckt oder in Farbe getaucht, reizvolle Raumentwürfe. Und keine Angst vor Experimenten! Gerade in der Kombination von klassischer Wand- und moderner Bodengestaltung, oder auch umgekehrt, können spannende Lösungen liegen.
Entscheidend für die Wahl des richtigen Bodenbelages ist die Frage, welche Raumstimmung aktiviert werden soll. Soll der Raum ursprünglich und „mit den Füßen am Boden geblieben“ wirken, eignen sich vor allem Holzbeläge. Für eine Arztpraxis, die größeren Beanspruchungen ausgesetzt ist, sollten robuste und harte Holzarten wie Eiche oder Buche verwendet werden, da die kaum zu Verformungen neigen. Um das Holz vor Wasser- oder Fettflecken zu schützen, müssen ­diese Böden mit Naturharzen, -ölen oder Lacken versiegelt werden. Natürliche Versiegelungen lassen das Holz atmen, was sich natürlich positiv auf die Raumatmosphäre auswirkt. Künstliche Lacke versiegeln dafür das Holz dauerhafter, sie empfehlen sich aber weniger für neue Holzböden, da das Holz noch schrumpft. Je nach Versiegelung können manche Böden mit der Zeit nachdunkeln – nicht unbedingt ein Nachteil, denn manche Hölzer entfalten erst dadurch eine ansprechende Farbwirkung.

Maserung herausstreichen

Zur Oberflächengestaltung stehen viele Varianten zur Auswahl. Wird eine Holzstruktur mit Edelstahlbürsten behandelt, kann sich eine ursprünglich gemaserte Wirkung entfalten. Zudem können deckende Lacke (etwa Weiß) einem Raum eine mediterrane Stimmung verleihen.
Da Holz ein Geräuscherzeuger und -verstärker ist, empfiehlt es sich, einen Holzboden gut schallzudämmen. Dank moderner Methoden der Schalldämmung, etwa ein auf Zement oder Gips vollflächig verklebtes Parkett, sind Trittschall-verstärkende und knarrende Parkettböden passé. Wer also auch abseits von Halloween auf eine gruselige Geräuschkulisse verzichten möchte, sollte dies unbedingt berücksichtigen.
In Kombination mit dezent gehaltenem Mobiliar und strahlend weißen Wänden kann sich die Wirkung eines Holzbodens besonders gut entfalten. Einerseits wird der Raum dadurch nicht zu drückend dunkel, erhält farblich satte Höhepunkte und kräftige optische Akzente. Dabei muss sich das Holz nicht einmal nur auf den Boden beschränken. Partiell rundum laufend an Wand und Decke kann ein Teilbereich des Raumes dadurch eine skulpturale Wirkung haben, die zugleich behaglich und interessant wirkt (siehe Abb. 1).

Am Boden Grenzen ziehen

Ebenso wenig muss ein Boden vollflächig mit demselben Material versehen werden. Die Zonierung eines großen, loftartigen Raumes, in dem etwa der Eingangs- und Empfangsbereich einer Arztpraxis räumlich nicht vom Wartezimmer getrennt ist, kann über den Bodenbelag erfolgen. Durch eine entsprechende Formulierung des Fußbodens können Bereiche so optisch abgegrenzt und definiert werden. Die Wirkung einer schweren Bodenfläche kann durch die Verwendung verschiedenfarbiger Holzarten und den partiellen Einsatz von Stein aufgelockert werden. Die Bodenbeläge können auch ineinander fließen, was spannende Flächenwirkungen, Muster und interessante farbliche Effekte erzeugt (siehe Abb. 2).
Besonders beliebte heimische Hölzer sind Ahorn (blasse und feine Struktur), Buche (gelblichrot- bis rötlichbraun), Esche (perlmuttfarben, gute mechanische Eigenschaften) und Eiche (grobe, rustikale Struktur, goldgelb bis braun).
Wer lieber zu exotischen Tropenhölzern greift, sollte beachten, dass diese aus (geprüften) ökologisch bewirtschafteten Produktionen kommen, die nicht auf Kahlschlag setzen. Hier werden etwa Jatoba (extrem hart, mittelbraun) oder Teakholz (rot- bis tiefbraun) angeboten. Auch der Einsatz von Bambusparkett (botanisch gesehen, ist es eigentlich ein Gras) erfreut sich steigender Beliebtheit, da dieses Material besonders starker Beanspruchung standhält, eine lebhafte, helle Struktur aufweist und vor allem in ökologischer Hinsicht mehr als interessant ist.
In der nächsten Folge des Raumdoktors lesen Sie über weitere Möglichkeiten der Fußbodengestaltung.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 47/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben