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Praxis 4. Oktober 2007

Es werde Licht

Neulich, an einem regnerischen Frühherbsttag, begegnete mir meine gute Bekannte Caro auf einer Einkaufsstraße. Von Natur aus ein fröhliches Kind des Sommers und bunter, greller Farben, sah sie diesmal recht bekümmert drein in ihrem nassen, rosa Trenchcoat. Statt nach pinken Bikinis und Sommerkleidern, hielt sie diesmal nach neuen Tee- und Lebkuchensorten Ausschau. Sie erzählte, wie sehr sie das Sonnenlicht jetzt schon vermisse und dass Johanniskrauttee und Weihnachtsbäckereien nur ein schwacher Ersatz für Sommercocktails und Schanigarten seien.

 Pinklight
Selbst Leuchtstoffröhren können im richtigen Kontext elegant wirken.

Foto: Nuin/pixelio.de - Pinklight

Wenn man nach einem heißen Sommer wieder von wilden Schülerhorden vom Gehsteig verdrängt wird und auf der Straße auf feuchtem Laub und Kastanien auszurutschen droht, ist das ein Indiz, dass der Herbst begonnen hat. Dies wiederum heißt, dass man mehr Zeit in dunklen, überheizten Innenräumen verbringen muss. Um der drohenden Endzeitstimmung zu entfliehen, sollte man die schier endlosen Möglichkeiten moderner Lichtinstallationen nutzen. Denn: Gutes Licht schafft Lebensqualität!
In der letzten Folge wurde darauf hingewiesen, dass mindestens drei, im Idealfall bis zu fünf Lichtquellen unterschiedlicher Intensität im Raum verteilt werden sollten, um eine gute Sehleistung zu ermöglichen.
Extreme Helligkeitsunterschiede lassen das Auge rasch ermüden, daher ist eine richtig akzentuierte Beleuchtung, mit der bestimmte Raumbereiche besonders betont werden können, eine visuelle Wohltat. Zu grelle oder zu monoton gleichförmige Lichtszenarien, ähnlich einem bis in den letzten Winkel ausgeleuchteten Aquarium, sollten vermieden werden. Im Gegensatz zu Fischen hat die Natur den Menschen zwar mit Lidern ausgestattet, doch wäre es zu schade, wenn wir mit verschlossenen Augen durch die Räumlichkeiten wandern müssten, nur weil diese den Charme eines voll ausgeleuchteten Supermarktes ver­sprühen.

Montage: Weder Hammer noch Sichel

Unterschieden werden Leuchten nach dem Ort, wo sie montiert werden. Von abgehängten Pendelleuchten in der Raummitte bis hin zu Strahlern an Stangen- und Seilsystemen – die Produktpalette ist vielfältig. Strahlleuchten an Stromschienen haben den Vorteil, dass sie immer wieder verstell- und adap­tierbar sind. Neue Designs, kleiner werdende Lampen bei gleicher Effizienz und in der Lichtlenkung optimierte Leuchten erlauben immer spektakulärere Szenarien. Ein wichtiges Auswahlkriterium sind neben der Energieeffizienz und der Lichtqualität auch eine einfache Montage und vor allem eine einfache Pflege. Gute Leuchten sollten werkzeuglos zu warten sein, damit der Austausch der Glühbirne nicht zur halsbrecherischen Herausforderung für den Technikfreak wird.
Egal ob es sich um hartes, direktes Licht handelt, das ein besonders ausdrucksstarkes Mobiliar in Szene setzt und die Konturen betont, oder um indirektes, weiches, von einem Lampenschirm gebändigtes Licht – die Beleuchtung muss richtig verteilt und dosiert werden. Die Installationen müssen besonders auf die farblichen und architektonischen Details des Raumes abgestimmt werden. Hellere Wandpartien reflektieren und können blenden und irritieren, während Holz, farbfreudige Wände und Decken das Licht schlucken und daher besonders beleuchtet werden sollten, um zur Geltung zu kommen.
Zunächst muss geklärt werden, ob ein Raum als einfacher Aufenthaltsraum oder als Arbeits- und Behandlungsraum genutzt werden soll. Da etwa in einem Warteraum das Lesen genauso ermöglicht werden soll wie das Nichtstun, die Entspannung, ist es sinnvoll, verschieden ausgeleuchtete Bereiche anzubieten.

Die direkte und die indirekte Kombination

Zusätzlich zu einer unaufdringlichen Allgemeinbeleuchtung, etwa in Form von an der Wand angebrachten, indirekt leuchtenden Seilstrahlern oder verstellbaren Anbauleuchten, welche die Orientierung im Raum erleichtern, sollten zusätzlich zwei bis drei im Raum verteilte, schwenk- und dimmbare Stehleuchten aufgestellt werden. Diese zonieren an den Sitzmöglichkeiten den Raum und erleichtern somit das Lesen. Dabei ist auf die Einhaltung eines Mindestabstandes zur beleuchteten Oberfläche zu achten. Zusätzlich kann eine wohldosierte Akzentbeleuchtung, hinter Regalen, in Vitrinen oder an Skulpturen und Bildern angebracht, die Örtlichkeit weiter beleben. Auch durch Down- oder Uplights bestrahlte möbelfreie Wand- und Deckenpartien lassen sich so effektvoll in Szene setzen. Zur weiteren Adaption der Leuchten stehen eine Reihe verschiedenster Linsen, Farb- und Schutzfilter zur Verfügung. Dadurch können Ausstrahlungswinkel einer Leuchte verändert, als auch ungewöhnliche Lichtkolorierungen hergestellt werden.

Die richtige Beleuchtung fördert konzentriertes Arbeiten

Ähnliches gilt für Arbeitsräume, die Schreibtischleuchte darf nicht die einzige Lichtinsel bleiben. Energiesparende Allgemeinbeleuchtung sollte das Zurechtfinden im Raum erleichtern und konzen­triertes Arbeiten fördern. Bei einer einzelnen, am Schreibtisch angebrachten Leuchte ermüdet das Auge bald, und es entstehen unangenehme Reflexionen auf der Arbeitsoberfläche oder am Bildschirm. Selbst die ungeliebten Leuchtstoffröhren können in Behandlungsräumen zur allgemeinen Beleuchtung dienen. Sie sind nicht nur wirtschaftlich, es gibt sie auch in wesentlich wärmeren Lichtqualitäten, als wir aus dem Supermarkt gewohnt sind. Sie zeichnen sich durch eine hohe Lichtausbeute und ein langes Leben aus.
Auf das Licht in Eingangsbereichen und Fluren darf nicht vergessen werden. Eine funktionale Beleuchtung integriert Durchgangsräume in das Gesamtkonzept und begrüßt den Besucher eleganter als ein „Willkommen“ am Fußab­streifer.
Caro, die ja dem Pink verfallen ist, hat sich am eingangs erwähnten Herbsttag nur eine Großpackung rosa Teelichter besorgt. Farben sind ja bekanntlich Geschmackssache, und über die lässt sich streiten. Die Hauptsache: Licht in jeglicher Form macht einfach glücklich!

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 40/2007

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