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Foto: wikipedia
Die Klivie, deren ursprüngliche Heimat in Südafrika liegt, eignet sich ganz besonders als Büro- oder Zimmerpflanze.
 
Praxis 28. April 2009

Noch nicht grün hinter den Ohren?

Bringen Sie Ihren Räumen ein Blumenopfer dar!

Ostern ist vorüber, der Frühling mit viel Sonne eingekehrt und die Palmkätzchen sind mittlerweile am Verdorren. Aber war es das schon mit dem Grüntanteil in Ihrer Praxis? Der Winter mag fürs Erste zwar überstanden sein, aber da gibt es ja noch eine schlechte Nachricht: Er kommt wieder. Statt zwischen Winterdepression und Frühjahrseuphorie zu schwanken, sollten Sie das satte Grün ganzjährig in Ihre vier Wände holen. Denn Grün macht glücklich!

 

Ein Drittel des Tages verbringen wir in der Arbeit, zumeist in geschlossenen Räumen. Und den Rest, unsere Freizeit, nicht unbedingt im Grünen. Es sei denn, Sie schlafen in einer Hängematte unter Bäumen und verbringen Ihre Mußestunden mit Bergtouren und Waldspaziergängen. Man kann also davon ausgehen, dass der Durchschnittsbürger 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen verbringt.

Krankmachende Räume

Haben Sie schon einmal von SBS gehört? Dahinter verbirgt sich eine recht junge Zivilisationskrankheit: das Sick-Building-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine gebäudebezogene Erkrankung, die vermehrt bei Menschen auftritt, die sich lange Zeit in krankmachenden Gebäuden aufhalten. Die Symptome reichen von Atemwegserkrankungen bis hin zu Depressionen und sind auf schlechte Raumluft und gesundheitsschädliche Baumaterialien zurückzuführen. Es handelt sich bei diesem Syndrom um eine Krankheit, gegen die schon längst ein Kraut gewachsen ist – im wahrsten Sinne des Wortes!

Pflanzen, in allen Formen und Couleurs, machen unsere Räume gesünder und attraktiver. Und sollte nicht gerade eine Arztpraxis alles andere als ein krankmachender Raum sein? Die positiven Auswirkungen der grünen Erdbewohner lassen sich schnell zusammenfassen: Sie erfrischen uns, dämpfen den Schall, produzieren Sauerstoff und reinigen die Luft. Tatsächlich lässt sich in vielen Fällen eine Klimaanlage durch den Einsatz von Pflanzen sogar ersetzen. Pflanzen geben über 90 Prozent des Gießwassers wieder an ihre Umgebung ab und sorgen so für eine angenehme Luftfeuchtigkeit. Dies geschieht durch Wasserdampf und nicht durch Verteilung feiner Wassertröpfchen, wie bei einer Klimaanlage. Derart wird die Raumluft auf gesunde Weise verbessert. Schlecht gewartete Klimaanlagen führen nicht selten zu Infektionskrankheiten, Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten. Hinzu kommt, dass die störenden Geräusche der Ventilation wegfallen.

Natürliche Antidepressiva

Doch Pflanzen bieten nicht nur Vorteile in physiologischer Hinsicht, auch die psychologischen Aspekte sind vielfältig, denn sie wirken wie natürliche Antidepressiva. Zahlreiche Untersuchungen haben bewiesen, dass Pflanzen in Büroräumen den Stress vermindern, Geborgenheit vermitteln, die Leistungsfähigkeit steigern und für visuelle Abwechslung sorgen.

Studien in Krankenhäusern zeigten sogar, dass Patienten, die eine grüne Vegetation im Blickfeld hatten, schneller genesen als Patienten, denen dieses fehlte. Sie nahmen weniger Schmerzmittel zu sich und litten geringer an postoperativen Ängsten.

Das Bedürfnis nach „Grün“ soll in unseren Genen verankert sein. Wie sonst sollte es möglich sein, dass der Mensch viele hundert Grüntöne, aber nur wenige Rottöne voneinander unterscheiden kann? Schon in den ersten Höhlenwohnungen fand man neben Malereien von Jagdtieren auch viele Pflanzenmotive. Viel mehr hat es damals auf der Welt ja auch noch nicht gegeben, werden Sie jetzt vielleicht denken. Aber auch in den großen Hochkulturen findet man aufwendige Pflanzenornamentik in Stein gemeißelt. Von der ägyptischen Papyrussäule über die korinthische Säule Griechenlands bis zur Zierkunst des Jugendstils, all dies zeugt von der Phytophilie des Menschen, seiner Liebe zu Pflanzen.

Pflanzen können Abwechslung in Ihre Arztpraxis bringen und der Patient in ihrem Wartezimmer wird das Ihnen danken, wenn es mal länger dauert. Denn Menschen in begrünten Zimmern fühlen sich ausgeglichener, motivierter und geborgener.

Die Zunge der Schwiegermutter

Leider haben es unsere grünen Freunde besonders in medizinischen Einrichtungen und Büroräumen nicht leicht. Oft leiden sie an fehlender Pflege und Lichtmangel. Doch es gibt einige hartnäckige Pflanzen, die auch lebensfeindlicher Atmosphäre wie etwa dunklen Räumen gewachsen sind: Dazu gehören etwa die Schuster- und die Zwergpalme, diverse Farne oder die Grünlilie. Von Letzterer weiß ich aus eigener Erfahrung, dass diese nicht nur genügsam ist, sondern auch dann gedeiht, wenn Sie, so wie ich, über einen „schwarzen“ Daumen verfügen. Auch bunte Blütenpracht ist in Arztpraxen möglich. Hier eignet sich der Christusdorn, mit seinen kleinen rosaroten Blüten, die Klivie oder das Fleißige Lieschen.

In den Niederlanden hatte man sogar die Idee, die „Büropflanze des Jahres“ zu küren. 2008 wurde der Sanseverie, oder „Schwiegermutterzunge“, diese Ehre zuteil. Wie auch immer die Pflanze zu ihrem undankbaren Namen gekommen sein mag, dieses pflegeleichte und elegante Gewächs mit seinen schlanken Blättern besitzt besonders gute Eigenschaften zur Verbesserung der Raumluft.

Aber Pflanzen stimmen nicht nur positiv und werten Ihr Raumklima auf, sie sind auch in dekorativer Hinsicht ein Muss. Betrachten sie Pflanzen und Gefäße als ein Mobiliar, das Ihren Raum aufwertet, ihm den letzten Schliff verleiht und eine lebendige Seele einhaucht. Viele Züchtungen in unterschiedlichsten Formen und Farben helfen, mannigfaltige Akzente zu setzen.

Durch besonders dekorative Pflanzentöpfe können zudem wirkungsvolle Highlights gesetzt werden. Oft schon habe ich Blumen gesehen, die wie Kunstobjekte durch besonders auffällige Töpfe in Szene gesetzt wurden. Pflanzen, die scheinbar aus geöffneten Schubladen wachsen oder eine alte Tischlampe, deren nach oben gedrehter Lampenschirm einem Gewächs als Übertopf diente. Blumentöpfe in unterschiedlichsten Materialien und Farben, ob aus rauem Ton oder in einer knalligen Farbe, eckig, rund, hoch oder in einer eleganten breiten Schale – der Blumenstaat ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Der Schatten der Rose

Dabei sollten die Gefäße auf die Wuchsform der Pflanze abgestimmt sein. Schlanke, langblättrige Pflanzen wie die Sanseverie kommen in hohen zylindrischen Töpfen besonders gut zur Geltung. Auch „grüne Teppiche“ und ganze Minilandschaften lassen sich realisieren. Reihen Sie einfach eine Vielzahl kleiner Töpfe mit buschigen Gräsern aneinander, die Zusammenstellung wirkt wie ein flauschiger Teppich, der die Konturen des Raumes aufweicht. Effektvoll beleuchtet kommt das Grün besonders gut zur Geltung, wenn dabei ein interessantes Schattenspiel der Blattkonturen erzeugt wird.

Ob abgehängt von der Decke, wie ein im Raum schwebender, grüner Vorhang, oder in einem alten Aquarium angelegte Minigärten, lassen Sie der Phytophilie freien Lauf! Sollte es dennoch nicht möglich sein, Pflanzen in Ihren Räumlichkeiten einzusetzen, können Sie sich mit etwas grüner Farbe an Wänden, Möbeln oder Textilien trösten. Das mag zwar Ihr Raumklima nicht revolutionieren, aber es tut auf jeden Fall Ihrer Seele gut, denn allein die Anwendung dieser Farbe entspannt und beruhigt.

Grün beeinflusst unser Temperatur- und Zeitempfinden. Die Zeit scheint schneller zu vergehen und hohe Temperaturen werden als weniger drückend empfunden. Sollten wir dieses Jahr dank Klimawandel also wieder einen Rekordsommer erwarten, nehmen Sie einfach das Grün in Ihren Räumen ins Visier. Dann kühlen Sie vielleicht ein wenig ab. Vergessen Sie dabei nicht, entspannt zu lächeln!

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche

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