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Foto: pixelio.de / Jens Goetzke
 
Praxis 5. Februar 2009

Wo selbst der Kaiser allein hingehen muss

Die Bad- und WC-Gestaltung wird leider oft stiefmütterlich behandelt. Die Orte der Regeneration verdienen, dass wichtige Planungskriterien berücksichtigt werden.

Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie sich auf einem WC befanden und dieses im entscheidenden Moment, beim Herunterlassen, einfach nicht mehr korrekt funktionierte? Geschieht das Malheur auf einer öffentlichen Toilette, kann man sich noch peinlich berührt davonstehlen, geschieht es auf der eigenen, macht das die Angelegenheit schon ein wenig unangenehmer. Stellen Sie sich nun aber vor, diese Szene würde sich in der Schwerelosigkeit einer Raumstation, mehrere tausend Meter über der nächsten Toilette abspielen – „unangenehm“ wäre in diesem Zusammenhang ein unzureichender Ausdruck. Diese Fortsetzung aus dem Kosmos der Nassräume soll zeigen, wie wichtig die richtige und sichere Organisation sanitärer Anlagen ist, ob zuhause, in der Arztpraxis oder den endlosen Weiten des Weltraums.

 

Vor wenigen Monaten geschah auf der Toilette der Raumstation ISS ein folgenschwerer Zwischenfall. Ein Motor der Absaugevorrichtung, der die Inhalte der WC-Anlage davor bewahren sollte, durch den Raum zu schweben, fiel unerwartet aus. Bis zur Ankunft neuer Ersatzteile musste die Mannschaft der ISS ein Behelfssystem benutzen, das laut NASA „erhebliche manuelle Interventionen“ erfordern würde. Wie diese auszusehen hätten, ließ die US-Weltraumbehörde dabei unerwähnt.

Kreativität ist auch in den Nassräumen gefragt

Das „stille Örtchen“ und sanitäre Einrichtungen im Allgemeinen sind tatsächlich eine der letzten Bastio-nen der Ruhe. Ein Raum, in dem man im Normalfall vor fremden Blicken geschützt ist. Einer der wenigen wahren Rückzugsorte, die man noch mit gutem Gewissen verschließen kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, man täte etwas Verbotenes oder Unerlaubtes. Kurz und gut – ein Ort, an dem Bequemlichkeit und Entspannung groß geschrieben sein sollten.

Doch handelt es sich bei der Bad- und WC-Gestaltung scheinbar immer noch um ein Thema, das nur allzu oft stiefmütterlich behandelt wird. Als Ort der Regeneration muss ein Bad wichtige Kriterien erfüllen. Bäder und Toilettenanlagen lassen in Folge von fixen Installationsanschlüssen und der meist geringen Grundfläche, die zur Verfügung steht, kaum flexible Veränderbarkeit zu. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass in der Gestaltung der Nassräume keine Kreativität gefragt ist.

Gerade aus oben erwähnten Gründen muss auf die funktionelle Planung der Nasszellen von Anfang an großes Augenmerk gerichtet werden. Veränderungen sind im Nachhinein nur auf kostspieligem Wege möglich. Bei der Gestaltung der Nassräume muss vor allem darauf geachtet werden, dass Sauberkeit auf einfache Weise hergestellt werden kann. Hilfreich sind dabei etwa von der Wand abgehängte Toilettenschüsseln und Bidets, da diese die Pflege und Reinigung des Fußbo-dens erleichtern und so keine versteckten Schmutzzonen entstehen können. Gerade in stark frequentierten Toiletten im medizinischen Bereich sollte auch die Wahl der Materialien höchsten Ansprüchen genügen. Sie sollten selbstverständlich hoch wasserfest, chemikalienbeständig, widerstandsfähig und für die Haut angenehm sein. Hilfreich sind außerdem spezielle antibakterielle Glasuren, die das Wachstum von Krankheitserregern verhindern.

Auch der psychische Faktor darf dabei nicht vernachlässigt werden. Helle, in Weiß oder zarten Farbtö- nen gehaltene Waschräume vermitteln uns das Gefühl von einwandfreier Hygiene und Sauberkeit. Mit dunklen, kräftigen Farben ausgestattete Bäder können zwar als extravagant, aber auch als unangenehm empfunden werden – und so manch eine/r würde am liebsten noch einmal „d’rüberwischen“, bevor etwas berührt wird. Farbakzente lassen sich dennoch durch verschiedenste Extras wie Handtücher, Bodenmatten oder Vorhänge und Pflanzen einbringen. Diese beleben die Nasszelle und verwandeln sie in einen angenehmen Aufenthaltsraum.

Sicherheit, ein wichtiger Faktor

Gerade in Heimen und medizinischen Einrichtungen ist das The-ma „Sicherheit in Sanitärräumen“ für ältere oder körperlich behinderte Menschen belangvoll. Schon mit einfachsten Mitteln kann so mancher Gefahrenquelle entgegengewirkt werden. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die Einplanung einer zentralen, unverstellten Bewegungsfläche, die Vermeidung von Schwellen und der Einbau rutschsicherer Bodenbeläge, etwa kleiner Bodenfliesen, die besseren Halt geben. Des Weiteren sollte man nicht auf ausreichend Beinfreiraum und Haltegriffe an Toilette und Waschbecken vergessen. Für das WC selbst werden spezielle Produkte entwickelt, mit denen Standardanlagen einfach aufzurüsten sind. So gibt es WC-Sitze, die mit einfachen Spezialnoppen das seitliche Verrutschen des Sitzes und damit die Sturzgefahr verhindern sollen.

Spiegel sollten ausreichend groß und beweglich angebracht werden, damit man auch im Sitzen den vollen Blick in den Spiegel erhält. Waschtische sollten aus dem gleichen Grund unterfahrbar sein, damit sie auch im Rollstuhl oder auf einem Sessel ohne unnötige Verrenkungen genutzt werden können. Auf die Standfestigkeit des gesamten Mobiliars sollte genauso geachtet werden wie auf das Vorhandensein ausreichender Abstellflächen und hilfreicher Accessoires wie einem Gehilfenhalter.

Auch harmloseren „Gefahren“ wie der Geruchsbelästigung am WC kann mit ausgefeilten Mitteln entgegengewirkt werden. Ein System zur Geruchsabsaugung kann etwa direkt aus der Schüssel Düfte absaugen, die dem nächsten Besucher der Toilette so keine Bauchschmerzen mehr verursachen können. Durch die automatische Absaugung wird außerdem auch Energie gespart, da das Lüften per Fenster im Winter nicht mehr notwendig wird.

Umweltschonende Lösungen

Geachtet werden sollte in Zeiten von Klimawandel und Umweltverschmutzung auch auf wasserschonende Lösungen im sanitären Bereich. Statt einer Wasserspülung mit bis zu neun Litern pro Betätigung werden heutzutage WC-Spülkästen mit einem Wasserverbrauch von nur fünf bis drei Litern angeboten. Solch einfache Lösungen vermögen aus Bad und WC wieder (energiesparende) kleine Oasen der Entspannung und Ruhe zu machen.

Foto: pixelio.de / Jens Goetzke

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche

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