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Foto: ©iStockphoto.com/boriail
Schnäppchenjagd beim Antiquariat-Händler zahlt sich aus, denn alte Möbel können in moderner Umgebung eine ganz spezielle Atmosphäre zaubern.
 
Praxis 26. Mai 2010

Diogenes am Sofa

Möbelkauf Teil 3: Auf neuem Interieur lassen sich elementare Fragen leichter erörtern.

Den Möbelkauf assoziiert man hierzulande mit Möbelriesen aus Schweden oder Konzernen, die mit dem Beinamen „XXL“ suggerieren, es würde eben doch auf die Größe ankommen. Doch es muss nicht immer Mobiliar von der Stange sein. Welche reizvollen Alternativen es gibt, um sich vom „Möbeldurchschnitt“ abzugrenzen, verrät Ihnen der Raumdoktor anhand einer erlesenen Auswahl.

 

Seit Anbeginn der Menschheit quälen sich schlaue Köpfe mit vielen Fragen. „Wer sind wir?“ und „Woher kommen wir?“ sind zwei der populärsten philosophischen Fragestellungen. Vor allem aber „Wohin gehen wir?“ beschäftigt zuweilen auch den sorgenvollen Möbelkäufer, der dieses Problem zu „Wohin gehen wir Möbel einkaufen?“ umformuliert. Denn so manche komplexe philosophische Frage lässt sich wesentlich leichter auf einem neuen behaglichen Stuhl oder Sofa lösen als in der ungemütlichen Tonne, so sehr diese schon berühmte Philosophen inspirieren konnte.

Ohne Sie gleich zu Beginn verwirren zu wollen, es gilt: Nicht alles, was man neu erwirbt, muss auch wirklich neu sein! Wiederholt habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, „altem“ Mobiliar einen Platz in Ihren Wohn- und Arbeitsräumlichkeiten zu gewähren. Ein ausschließlich modern und topmodisch eingerichteter Raum mag so perfekt aussehen wie im Katalog, wird jedoch immer auch ein wenig leblos sein. Das ein oder andere Stück aus zweiter Hand wird eine solche Szenerie jedoch lebendiger und ausdrucksvoller erscheinen lassen und Ihren Sinn für Geschmack und Kreativität zum Ausdruck bringen. Es kommt auf die Kombination und den gefühlvollen Einsatz an – solche Möbel wollen in Szene gesetzt werden. Und haben sich das auch wirklich verdient! Dabei muss „das Alte“ auch nicht immer ein ganzes Möbelstück sein. Manchmal reicht bereits ein kleines Detail.

Implantate am Möbel

Mobiliar und passende Accessoires kann man bei gutem Verhandlungsgeschick auf einem der zahlreichen Flohmärkte erwerben. Vom schönen Sessel bis zum goldenen Rahmen, der sich mit einem Spiegel oder einem modernen Gemälde veredeln lässt und so alte Ensembles gut ergänzt. Aber nicht nur Interieur und Zubehör, Tüftler können dort auch Einzelteile alter Möbel finden, etwa alte Messingbeschläge, kunstvolle Haken für Garderoben oder auch Tür- und Knopfgriffe für Kommoden, Kästen und Schubladen, die sich wie Implantate an modernem Mobiliar anbringen lassen. Besonders originell wirkt etwa eine moderne, neutrale Kommode in schlichter Farbe, deren Schubladen mit alten verzierten Knopfgriffen versehen werden. Ein Besuch auf einem Flohmarkt lädt auf jeden Fall zum Stöbern ein und regt zu Eigenkreationen an.

Wer mit seiner Einrichtung zeigen will, dass er altes Interieur zu schätzen weiß und dennoch nicht in der Vergangenheit lebt, der ist auch mit dem Caritas Lager, liebevoll Carla genannt, gut bedient. Der Möbelkauf dient dort auch noch einem guten Zweck! Das Inventar stammt aus Möbelspenden, die zu vernünftigen Preisen weiterverkauft werden. Nicht selten landen dort auch wertvolle und einzigartige Möbelstücke mit traditionsreichen Namen. Gut erhaltenes Interieur mit nostalgischem Flair landet so nicht auf dem Sperrmüll, wird wieder in den Warenkreislauf eingebracht und kann auf einem Streifzug durch das Lager von Ihnen entdeckt werden. Das schont nicht nur die Ressourcen – mit den Erlösen des Verkaufs werden zudem Hilfsprojekte finanziert.

Möbel sind auch Erinnerungen

Ausgefallenes exotisches Interieur und Accessoires findet man zudem bei Suppan & Suppan gleich ums Eck des Caritas Lagers am Mittersteig in Wien-Margareten. Wer stets noch wochenlang vom letzten Urlaub in Indien, Marokko, Thailand oder China träumt, ist gut damit beraten, ein wenig von diesem Flair in den eigenen vier Wänden einzusetzen. Ob Regale aus reich verzierten Hölzern oder schimmernde Leuchten aus Marokko, die modern-arabische Akzente setzen – holen Sie sich mit exotischen Möbelideen ein wenig Urlaub in den Alltag. Wenn Sie Ihre Räume mit Stücken aufwerten, die mit positiven Erinnerungen verbunden sind, ist das meist ein Garant dafür, dass Sie sich darin wohlfühlen werden.

Ebenfalls in Wien-Margareten findet man das Traditionsunternehmen Grünbeck, das modernes Design gehobener Preisklasse anbietet. Ich selbst kann an diesem Einrichtungshaus kaum vorbeigehen, ohne mir die Nase am Schaufenster platt zu drücken. Selbst wenn der Laden geschlossen ist, kann man sich am Eingang Kataloge mit den neuen Kollektionen besorgen, um sich dann durch erlesene Möbelwelten mit klingenden Namen zu blättern. Wer es sich leisten kann und Wert auf anspruchsvolles Design legt, ist in diesem Familienbetrieb mit hauseigener Tischlerei gut bedient.

Kreative „Möbelphilosophie“

Modernes und extravagantes Design mit einer Prise Humor von Nils Holger Moormann findet man bei Cubatur³ in der Amerlingstraße in Wien-Neubau. Von elegantem Stuhldesign bis hin zum „bookinist“, einem mobilen Lesesessel mit integrierter Bücheraufbewahrung, kann man dort entdecken, wie deutsche Designer zeitgemäße Wohnphilosophie interpretieren.

Manchmal reicht es übrigens auch, Ihre alten Möbel etwas aufzumöbeln. Am einfachsten lässt man das im Laden machen, dessen Name Programm ist. aufgemoebelt nennt sich die Shopidee, wo in die Jahre gekommene Möbel ein Lifting verpasst bekommen. Wenn das lieb gewonnene Erbstück nicht mehr ins Gesamtbild passt und die Trennung schwer fällt, kann man sich dort beraten lassen, wie das Stück vor dem Vergessen am Dachboden gerettet werden kann. Ein Ohrensessel mit neuem Überzug, ein Tisch mit Effektlack und Schablonenmuster oder eine Kommode mit eingearbeitetem Blumentopf-Einsatz – mit viel Kreativität und Geschick erwachen dort alte Stücke zu neuem Leben.

Eine Antwort auf die Fragestellung „Wohin gehen wir?“ sind uns Philosophen immer noch schuldig. Die Frage „Wohin gehen unsere Möbel?“ kann dagegen leichter beantwortet werden – sie können bleiben. Sie müssen, wie auch unsere Räume, nur immer wieder neu erfunden werden.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 21 /2010

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