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Praxis 19. Mai 2010

Auf zu neuen Möbeln!

Wie man auf der Odyssee durch den Einrichtungshandel ans Ziel kommt.

Damit Sie und Ihre Bedürfnisse im Irrgarten der Möbelhäuser nicht verloren gehen, sollten vorab Angebote studiert und bereits vor dem Betreten eines Möbelhauses alle Bedürfnisse abgeklärt werden. Auch die ersten Schritte im Laden sollten mit Bedacht gesetzt werden. Wohin man diese lenkt und worauf zu achten ist, damit Sie das Labyrinth des Einrichtungshandels mit geeignetem Interieur wieder verlassen, ohne kurzlebigen Verlockungen zu verfallen, verrät Ihnen der Raumdoktor.

 

In der letzten Ausgabe habe ich Sie davor gewarnt, mit allzu großem Heißhunger auf neues Mobiliar die Einrichtungsgeschäfte zu stürmen, und darauf hingewiesen, dass der Möbelkauf bereits zuhause mit eingehender Recherche beginnt. Das heißt aber nicht, dass Sie es sich allzu leicht machen und die Auswahl von dort aus im Internet treffen sollten.

Tatsächlich bieten viele Konzerne bereits die Möglichkeit an, per Mausklick und virtuellem Einkaufswagen die Wahl zu treffen. Vor allem Material, Farbe und Oberflächen lassen sich über den Bildschirm oder Katalog aber nur schlecht beurteilen. Nachdem Sie sich darüber im Klaren sind, welche Läden das bieten, wonach Sie suchen, sollten Sie sich mit vollem Körpereinsatz auf das Möbel stürzen. Berühren, fühlen, sitzen, liegen sie darauf. Beschnuppern Sie das Interieur – im wahrsten Sinne, denn der Geruchssinn spielt bei der Möbelauswahl durchaus eine Rolle. Bei Einrichtungsgegenständen aus Holz sollten Sie die Oberflächen kontrollieren und auf Fehler prüfen. Bei Kästen und Kommoden sollten Sie darauf achten, ob sich Türen und Schubladen gut öffnen und ebenso sanft und reibungslos schließen lassen, Sofas und Stühle sollten Probe gesessen werden.

Schnäppchenkauf

Die einzige Ausnahme, in der sich ein Online-Kauf lohnen kann, ist eines der zahlreichen Internetauktionshäuser. Vom klassischen Thonet-Stuhl bis zum Designersofa findet man dort zu günstigen Preisen reizvolle Originale und wertvolle Antiquitäten. Oft können dort auch größere Stückzahlen von Tischen und Sesseln zu einem günstigen Preis ersteigert werden, etwa wenn ein altes Kaffeehaus seine Pforten schließt und das Interieur dort zum Verkauf angeboten wird. Das kann interessant sein, wenn man etwa ein Wartezimmer einzurichten hat. Dann sind einmalige Schnäppchen möglich, bei denen es sich bezahlt machen kann, das Risiko eines „Blindkaufes“ einzugehen.

Unnötige Wege vermeiden

Dennoch können Homepage und Kataloge der Möbelkonzerne ersten Aufschluss darüber geben, bei welchem Anbieter sich ein Besuch überhaupt lohnt. Dadurch spart man Zeit und vermeidet unnötige Wege. Vor allem lassen sich online oft genau Möbelmaße und Verpackungsgrößen herauslesen, auch diese Art der Vorinformationen erleichtert Ihnen die Vorauswahl der in Frage kommenden Stücke.

Wenn Sie dann ein klassisches Möbelhaus mit bis ins Detail arrangierten Wohnszenarien besuchen, achten Sie auch darauf, womit das Möbel Ihrer Wahl in den Schauräumen kombiniert wird. Sie sollten ein solches Ensemble im Verkaufsraum nicht unbedingt exakt nachkaufen oder kopieren – das Resultat wäre zwar stimmig, aber auch fade und platt, vor allem aber weniger befriedigend als eine Möbellandschaft, die Sie nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Dennoch sollten Sie sich davon inspirieren lassen. Studieren Sie, welche Formen, Farben und Materialien zu Ihrem Wunschmöbel kombiniert, wie Accessoires, Bilder und Textilien dazu arrangiert und die Möbel zueinander platziert werden können. Vielleicht finden Sie in einem anderen Laden ein Exemplar, das diesem gleicht, vielleicht aus demselben Material oder auch in einer anderen Farbe.

Doch lassen Sie sich von der Ware im Verkaufsraum nicht blind betören! Was im Schauraum gut aussieht, kann für Ihr Zuhause oder Ihre Praxis schlicht und einfach zu groß, zu bunt, oder zu schlicht sein. Verkaufsräume befinden sich meist in großen Hallen mit hohen Decken, machen Sie sich also immer die Proportionen Ihrer eigenen vier Wände bewusst und halten Sie ein Maßband bereit.

Dabei haben sollten Sie auch Farbproben, etwa von Wänden der auszustattenden Räume, von bereits bestehenden Möbeln und Textilien. Besitzen Sie etwa ein Polster in Ihren Lieblingsfarbe, an dem Sie sich farblich orientieren wollen, nehmen Sie ihn ruhig mit ins Möbelhaus. Farbvergleiche erleichtern die Orientierung, genauso sollten Sie im Handel Materialmuster zum Mitnehmen verlangen, um diese dann mit bereits vorhandener Einrichtung zuhause vergleichen zu können.

Geduld zahlt sich aus

Haben Sie es beim Möbelkauf besonders eilig, sollten Sie bedenken, dass vor allem größere Möbelstücke oft nicht gelagert sind und bestellt werden müssen. Wenn Sie keine allzu langen Lieferzeiten in Kauf nehmen wollen, lohnt es sich, nach dem Ausstellungsstück zu fragen. Oft können diese zu einem stark reduzierten Preis erworben werden, obwohl kaum Mängel daran zu erkennen sind. Prinzipiell gilt, dass bei etablierten Möbelhäusern mit großem Warenangebot mit kürzeren Wartezeiten zu rechnen ist als bei kleineren Läden mit spezieller Designerware.

Echte Originale ohne lange Lieferzeiten werden beispielsweise in den Schauräumen von „lichterloh“ in Wien präsentiert. Dort ist etwa der berühmte Roland-Rainer-Sessel, in dem man einstmals in der Wiener Stadthalle Platz nehmen konnte, zu finden. Echte Originale sind freilich rar, doch wer höhere Kosten nicht scheut, sollte auch einen Besuch beim Deutsch-Schweizer Unternehmen Vitra wagen, das alte Klassiker immer wieder neu nachproduziert. Dazu gehören Möbelentwürfe von Designern mit klingenden Namen wie Verner Panton, Ray und Charles Eames oder auch Philippe Starck. Diese Stücke können extravagant, manchmal auch auffallend prunklos sein, sind in jedem Fall aber hochwertig produzierte Möbel für wahre Liebhaber und Sammler. Weitere Tipps zur Suche nach dem perfekten Möbel lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Raumdoktors.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 20 /2010

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