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Foto: wikipedia
Holz ist ein Baustoff, wie aus dem Schlaraffenland.
 
Praxis 14. Jänner 2010

Mehr Brett vorm Kopf!

Wer mit Holz einrichtet, kann mit gutem Gewissen Stil beweisen.

Holz ist vielseitig. Aus diesem Material werden Möbel gefertigt und ganze Häuser gebaut. Es wird zu Musikinstrumenten genauso verarbeitet wie zu Holzfässern für die Reifung des Weines und gibt in seiner ursprünglichen Form als Baum vielen Lebewesen ein Zuhause. Fast jede kulturelle Errungenschaft unserer Zivilisation ist in irgendeiner Weise mit dem Rohstoff Holz verbunden. Wer auf dem Holzweg wandelt, kommt daher besonders geradlinig und aufrichtig ans Ziel.

 

Die meisten Menschen machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Baustoff Holz bereits im frühesten Kindesalter – in Form von Holzklötzen. Holz ist nicht nur ein gesunder Rohstoff, der nachwächst, sondern steht dem Menschen näher als andere Materialien wie Metalle, Kunststoff oder Beton. Es ist ein unverfälschtes Naturprodukt, das wir einfacher begreifen können als industriell gefertigte Stoffe. Deswegen fällt es uns leicht, eine persönliche Bindung zu ihm herzustellen. Im Laufe der Zeit scheinen viele Menschen diese jedoch zu vergessen. Wer sich modern geben will, setzt dann auf Stahl und Glas. Auch diese Baustoffe haben ohne Frage ästhetische als auch praktische Vorzüge. Doch kaum ein Material hat eine so lange Liste positiver Eigenschaften aufzuweisen wie das gute alte Holz.

Holz ist im Gegensatz zu industriell gefertigten Baustoffen kein Industrieprodukt vom Fließband, das sich immer gleicht. Doch genau in dieser Individualität und Ausdruckskraft liegt seine Stärke. Ein Werkstoff wie aus dem Schlaraffenland, das nicht nur vor der Haustür auf Bäumen wächst, sondern der Baum selbst ist. Er muss nicht aufwendig produziert und nur auf meist einfache Weise verarbeitet werden.

Ein weiterer Vorteil ist seine Langlebigkeit. Das sieht man an alten Bauernhäusern, deren Fassaden auch nach vielen Jahrzehnten noch einen einzigartigen Charme versprühen. Der Trend geht sogar dahin, alte Fassadenbretter als Möbel oder Fußböden für den Innenbereich zu recyceln. Allerdings sollten diese wiederverwerteten Hölzer dann nicht chemisch behandelt worden sein – was oft auch gar nicht nötig war. Mobiliar und Interieurs aus nicht chemisch behandelten gebrauchten Hölzern können daher bedenkenlos in einer Arztpraxis eingesetzt werden.

Einzelstücke mit der Patina wettergegerbten Holzes sollten dann für sich selbst sprechen können, etwas abgesetzt von anderem Mobiliar. Alte Holzmöbel wirken gut neben neutralen, etwa weiß lackierten Interieurs. Durch den Kontrast können sie ganz für sich alleine wirken. Das stiehlt dem guten alten Einzelstück nicht die Show und lässt den Raum weder altmodisch noch verstaubt aussehen.

Gerade medizinische Einrichtungen wirken oft ein wenig ungemütlich und kühl. Ausdrucksvolle Hölzer verleihen solchen Räumen wieder Substanz und Tiefe. Dominieren in einem Raum glatt glänzende Oberflächen wie Stein, helle Fliesen oder Metall, kann man daher mit dem ein oder anderen liebevoll ausgewählten Holzmobiliar ein einladendes Flair schaffen. Umgekehrt kann ein zu überladen mit Holz ausgestatteter Raum auch erdrückend wirken. Wände sollten dann bestmöglich mit einfacher Textur hell gestrichen werden, auch ein heller Steinboden als Gegenpol kann eingesetzt werden.

Dennoch lässt sich vor allem dunkles Holzmobiliar gut mit satten und kräftigen Farben kombinieren, sie verleihen der Holzoberfläche noch mehr Substanz, die Farbflächen selbst scheinen noch stärker zu leuchten. Aber auch hier sollte man nicht übertreiben, damit der Raum nicht zu schwer wirkt. Die Farbe kann über Textilien, eingefärbte Lederbezüge und Accessoires oder eine farbig gestrichene Wandpartie in den Raum eingebracht werden.

Nicht nur Boden oder Möbel

Helles Holz kann wiederum gut mit sanften, nicht zu grellen Farben kombiniert werden. Bei zu satten Farben können sie ihre Wirkung verlieren. Helles Holz kommt daher vor hellen Hintergründen besonders gut zur Geltung und verleiht einem sonst neutralen Raum eine zarte, natürliche Note. Es muss auch nicht immer der Boden oder das Mobiliar sein, das aus Holz ist, helle Maserungen machen sich auch an der Wand gut. Um Ausgewogenheit herzustellen, kann auch hier der Boden passend dazu aus hellem Stein oder Fliesen gefertigt sein. Dadurch werden ausgewählte Partien hervorgehoben, etwa die Wand hinter dem Empfang oder auch eine Seite des Warteraumes, vor dem ein modisches Sofa aufgestellt ist. Wenn die Holzpaneele vertikal angeordnet werden, streckt das zudem noch den Raum und lässt ihn höher erscheinen.

Kombiniert man verschiedene Holzarten an Mobiliar, Boden oder Wand, sollte man allzu ähnliche Hölzer nicht in direkter Nachbarschaft arrangieren, in diesem Fall empfiehlt es sich, mit größeren Hell-Dunkel-Kontrasten zu arbeiten, damit sich die unterschiedlichen Oberflächenstrukturen voneinander abheben können.

Übrigens können Sie Holzmobiliar, das Sie irgendwann doch nicht mehr wollen, ohne Gewissensbisse bei einem Lagerfeuer verheizen. Denn auch als Energieträger ist Holz aus nachhaltiger Wirtschaft ein äußerst wertvoller Rohstoff, der die Umwelt nicht belastet. Bei der Verbrennung gelangt nur so viel Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre, wie der Baum beim Wachsen gebunden hat. Wenn man dafür sorgt, dass unsere Wälder stetig nachwachsen, ist das dann nicht einmal eine (Umwelt-)Sünde wert. Besser wäre es aber, Sie entscheiden sich gleich für das richtige Holzmobiliar. Wie wäre es mit einem Schaukelstuhl für den Kamin?

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 2 /2010

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