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Foto: pixelio.de/RainerSturm / Ärzte-Woche-Montage
 
Praxis 7. Jänner 2010

Ihre Schokoladenseite

Die Ordination von ihrer schönsten Seite zeigen – mit ausgesuchtem Material.

Die Auswahl der Materialien und Oberflächen in der Innenraumgestaltung sagt viel über die Nutzung der Räumlichkeiten aus. Sie suggeriert, was von einem Ort zu erwarten ist, wie man sich dort verhalten und fühlen soll. Manche Werkstoffe ermutigen dazu, sie zu berühren, weil sie eine behagliche Wirkung erzeugen – andere können sogar einschüchternd wirken. Lesen Sie in dieser Ausgabe des Raumdoktors eine Einführung in die Macht des Materials.

 

Das Material ist Materie gewordene Empfindung. Verschiedenste Werkstoffe wecken unterschiedlichste Assoziationen – diese können sich positiv als auch negativ auf die Stimmung auswirken. Ein dominanter Werkstoff allein lässt einen Raum monoton erscheinen, ein Mix zu vieler unterschiedlicher Oberflächen und Baustoffe kann ihn hingegen überladen. Auf die richtige Mischung und Kombination (zusammen)passender Materialien bezüglich harmonischer Stimmung und Nutzung eines Raumes kommt es an.

Ein Beispiel: Wären Sie Besitzer eines Fachgeschäftes für Schokoladewaren, würden Sie für die Ausstattung womöglich zu dunklen und ausdrucksstark gemaserten Hölzern greifen. Dazu passend eine magisch wirkende Signalfarbe, die sich in Textilien und Accessoires wiederholt. Dies könnte ein geheimnisvoll schimmerndes Blaugrün sein, das eine luxuriöse Note verleiht und die Waren in sinnlichem Ambiente präsentiert. Vielleicht auch ein sanftes Grün, das die Erinnerung an Pistazien weckt, oder aber ein dunkles Rot, das eine Amarenakirsche gedanklich auf der Zunge zergehen lässt. Vielleicht würden Sie auch eine modernere Variante mit modischem Interieur aus weißem Kunststoff bevorzugen, das verspielt mit pastellfarbenen Akzenten an den Wänden einen Raum gewordenen Zuckerguss versinnbildlicht. Durch den Geruch, die Optik und die haptische Wirkung der Oberflächen werden mit geeigneten Werkstoffen verschiedenste Gedanken und Erinnerungen aktiviert, passend zu Ort und Nutzung. Je nachdem, ob dadurch ein zuckersüßes Thema wie Schokolade oder eine medizinische Dienstleistung vertreten werden soll.

Eine Arztpraxis dem Thema entsprechend zu gestalten, ohne in monotone Sterilität in der Ausstattung zu verfallen, mag auf den ersten Blick bedeutend schwieriger sein. Doch auch hier gibt es Methoden, über Material und Oberfläche Stimmungen und Informationen zu transportieren.

Eine Arztpraxis sollte Eleganz, Wissen und technisches Geschick ausdrücken, ohne dabei unterkühlt und unnahbar zu wirken. Soll eine eher heimelige Atmosphäre suggeriert werden, die behaglich und dennoch modern wirkt, kann man auf helle Holzarten oder neutrale Holzwerkstoffen in zeitgemäßer Form setzen. Mit geschwungenen und fließenden Linien oder neutral klarem Zuschnitt. Des Weiteren muss eine medizinische Einrichtung Hygiene und Sauberkeit vermitteln. Materialien, die dies besonders gut ausdrücken, sind Stein, Fliesen, Metalle, Glas oder auch Kunststoffe.

Doch aufgepasst: Nicht alle Werkstoffe sind für alle Einsatzgebiete und Räume geeignet. Natürlich mag ein empfindlicher Holzboden nicht in einem Bereich empfehlenswert sein, in dem besonders hoher Personenverkehr stattfindet; einfach zu reinigende Oberflächen wie Stein und Fliesen an Böden und Wänden mögen dann empfehlenswerter sein, ebenso wie bioaktive Metallmöbel, die nahezu keimfreie Oberflächen ermöglichen.

Gemütlichkeit und Herzlichkeit

Doch damit der Raum nicht zu hart und kalt wirkt, muss auf den Einsatz wärmerer, scheinbar „gegensätzlicher“ Werkstoffe nicht verzichtet werden. In Details können Sie einen Ort deutlich aufwerten und die kühle Wirkung gekonnt abschwächen. Dafür reicht manchmal schon ein flauschiger Teppich in einer freundlichen Farbe oder ein gemütlicher Holzsessel im Wartezimmer.

Es kommt auf den richtigen und gefühlvollen Mix von Oberflächen und Material an. Zu eintönige Gestaltung lässt einen Raum wenig abwechslungsreich erscheinen. Dennoch sollte man sich für ein Hauptthema und ein paar ausgesuchte Nebenthemen entscheiden, die sich wie ein roter Faden durch den Raum ziehen. Dies kann dann in sprichwörtlichem Sinne tatsächlich eine Signalfarbe sein, die sich in Details wiederholt, wie auch ein auffälliges Material oder eine Struktur. Vor allem aber: setzen Sie Kontraste! Dies kann durch die Kombination von Alt und Neu, hell und dunkel, farbig und monochrom, weich und hart, modern und zeitlos usw. geschehen.

Auf den ersten Blick scheint es, als wären Stil und Material eine untrennbare Einheit. Eine klassisch bürgerliche Einrichtung hat aus dunklem Holz zu sein, typisches Büromobiliar kommt meist in schwarzem Leder und Metallgestell daher. Doch gerade die Kombination von scheinbar gegensätzlichen Ansätzen in Material und Stil kann das Raumambiente beleben.

Altes und Neues

So kann etwa aus alten, recycelten Backsteinziegeln ein Podest für eine moderne loungeartige Sitzlandschaft aufgebaut werden, moderne Trennwände aus durchsichtigen Kunststoffpaneelen können mit klassisch französischen Ornamenten blickdicht bedruckt und Steinböden nach einem klassischen Parkettmuster verlegt werden. Die Mischung aus scheinbar gegensätzlichen Materialien und Stilen zahlt sich aus!

Eine Praxis für Radiologie sollte andere Inhalte und Erwartungen suggerieren als die Praxis eines Psychiaters oder eines Arztes bzw. Ärztin für Kinderheilkunde. Je nachdem, welchem Materialthema Sie dann folgen und was Sie mit Ihrer Raumgestaltung ausdrücken wollen: entdecken Sie die Zuckerseite Ihrer Praxis!

 

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Raumdoktors mehr Details zum Umgang mit Material und Oberfläche.

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 1 /2010

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