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Praxis 9. Dezember 2009

Hereinspaziert, hereinspaziert!

Wie man gutem Geschmack Tür und Tor öffnet.

Der erste Eindruck zählt, das muss dann wohl besonders für Eingangstüren gelten. Der Eingang zu Räumlichkeiten ist das erste Indiz dafür, was uns im Inneren erwartet. Damit die Kreativität nicht vor geschlossenen Türen stehen bleibt und der erste Eindruck an der Pforte zur Liebe wird, lohnt es sich, in Ein- und Zugänge zu investieren.

 

Als ich als Kind das erste Mal das Märchen von Ali Baba und den vierzig Räubern vorgelesen bekam, wunderte ich mich in erster Linie über den Zauberspruch, mit dem Zutritt zur Schatzkammer der Räuber gewährt wurde. „Sesam, öffne dich“ hieß es da. Was aber Geheimtüren mit Sesam am Hut haben, darüber lässt sich der Erzähler nicht aus. Bis heute habe ich keine befriedigende Erklärung dafür gefunden, obwohl ich inzwischen längst vergessen habe, worum es in dem Märchen überhaupt geht.

Kein Märchen und durchaus nachvollziehbar ist jedoch, dass Türen – innen oder außen – als Visitenkarte der Räumlichkeiten zu betrachten sind, die man dahinter findet. Ob der Besucher dann vor einer einladend gestalteten Tür steht oder vor einer dunklen Pforte mit Türspion, hinter der sich sonst nur finstere Gangsteraugen vermuten lassen, ist nicht unwesentlich.

Besonders viel Licht an finstere Orte bringen voll- oder teilweise verglaste Türen. Je nach Nutzung der zu erschließenden Zimmer können diese transparent oder durchscheinend und blickdicht ausgeführt sein. Auch nachträglich lassen sich noch blickdichte oder farbige Folien anbringen, die dadurch eine offene oder geschlossene Raumgestaltung ermöglichen. Ein großer Vorteil verglaster Türen ist, dass sie selbst fensterlosen Fluren Licht spenden, was dem dunkelsten Gang zu Leichtigkeit verhilft.

Spezielle Türmodelle aus Glas können sogar individuellen Gestaltungswünschen angepasst werden. Auch hier kommen Folien zum Einsatz, die jedoch nicht nur außen aufgeklebt, sondern zwischen zwei Glasplatten eingebrannt werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Von Beschriftungen, Logos bis hin zu Fotografie und Grafik ist alles möglich und passend zu den Räumlichkeiten frei wählbar.

Möchte man lieber mit kraftvollen Strukturen in der Oberflächengestaltung arbeiten, empfiehlt sich der Einsatz von Holztüren. Exotische Hölzer sind aufgrund ihrer lebendigen Maserung und warmen Tönung besonders beliebt, sollten jedoch nicht aus Regenwäldern stammen, wenn Ihre Räumlichkeiten sich nicht mit einer Teilschuld am Klimawandel beladen wollen. Auch Metalltüren sind vorteilhaft, wenn man auf modernes Design setzen möchte. Edelstahltüren sind einfach zu reinigen, widerstandsfähig gegen Verschleiß und eignen sich daher besonders für Räumlichkeiten mit hohem Publikumsverkehr.

Besonders elegant kommen Türen zur Geltung, wenn diese raumhoch eingebaut werden. In diesem Fall kann das Türblatt selbst über die ganze Höhe laufen, oder man betont die Vertikale der Tür, indem unterhalb der Decke zusätzlich ein Oberlicht eingebaut wird, wodurch zusätzliches Licht in lichtarme Räume einfließen kann.

Soll die Öffnung als Designelement in den Vordergrund rücken, besteht die Möglichkeit, Tür und Rahmen etwas von der Wand nach vorne in den Raum vorspringen zu lassen. Dies kann durch eine Verstärkung und Verbreiterung des Rahmens geschehen, wodurch der Zugang zum plastischen Portal wird und durch die Unterbrechung der Wandflucht stärker wahrgenommen wird. Der Zugang könnte in einer Signalfarbe lackiert und zusätzlich mit Lichtquellen am Rahmen versehen werden, die den Raum indirekt beleuchten und sanfte Lichtakzente setzen. Im Sinne einer Wegeleitung in größeren Räumlichkeiten können so auch wichtige Haupteingänge von Nebenräumlichkeiten abgegrenzt und hervorgehoben werden, das erleichtert die Orientierung im Türendschungel.

Sesam, öffne dich!

Wer sich die Hände beim Türöffnen nicht schmutzig machen möchte, kann dies automatisch besorgen. Vor allem in medizinischen Einrichtungen ist der Griff zur Türklinke aufgrund der Infektionsgefahr zu vermeiden. Berührungsloses Öffnen erfolgt in den meisten Fällen per Ellenbogentechnik, doch es geht auch eleganter: Bekannt sind automatische Öffner mit Bewegungssensoren oberhalb des Türrahmens – die durch ständiges Öffnen und Schließen allerdings Geduld einmahnen. Als Alternative gibt es Türantriebe, die per Wandsensor gesteuert werden. Die Hand einige Zentimeter an diesem Sensor vorbeigeführt, und die Tür öffnet sich – hier passiert die Aktivierung des Öffners ganz bewusst und die Hände bleiben sauber.

Türen sollen Räume aber nicht nur voneinander abgrenzen, sondern sie dienen auch dem Schallschutz, vor allem in medizinischen Räumlichkeiten, da kranke Menschen besonders ruhebedürftig sind. Damit der Schall nicht über Umwege in andere Räume gelangt, sollten Lärmschutztüren besonders dicht schließen können und das Türblatt sollte speziell gedämmt sein. Auch beim Abschluss zum Boden hin kann eine spezielle Dichtung angebracht werden, die sich beim Schließen der Tür automatisch nach unten absenkt und schalldicht abschließt. Zusätzlich wird dadurch der Luftzug unter der Tür verhindert.

Ob Sie hinter solchen Portalen ihre Goldschätze aus Tausendundeiner Nacht oder einfach die Ruhe Ihrer Patienten bewahren wollen, liegt dann bei Ihnen. Klar ist, dass mit ein wenig Kreativität der schlechte Geschmack endgültig vor die Tür gesetzt wird!

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 50 /2009

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