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Foto: wikipedia / Markus Leupold-Löwenthal
Fenster sind ein zentrales Element eines Raumes.
 
Praxis 1. Dezember 2009

Das Fenster zum Hof

Fenster zum Hinsehen und nicht nur einfachen Hindurchschauen.

Während große Architekten und Theoretiker der Moderne noch die völlige Auflösung der Wand forderten und die Auffassung vertraten, „wenn du genug Glaswände hast, wirst du frei sein“, so sind die ersten Bewohner solcher Glashäuser schnell dahintergekommen, dass frei einsehbare Fassaden nicht nur frei machen, sondern auch die Privatsphäre einschränken. Der Raumdoktor gibt einen kleinen Überblick darüber, wie man Fenster wieder weniger einsehbar – und dennoch attraktiv gestalten kann.

 

Bezieht man neue Räumlichkeiten, hat man auf viele gestalterische Aspekte im Innenraum großen Einfluss – wohingegen ein Austausch der Fenster selten in Erwägung gezogen werden kann. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Gebäudeöffnungen den individuellen Wünschen gemäß zu adaptieren. Wenn die Augen das Fenster zur Seele sind, dann sind die Fenster des Hauses wohl das Portal zum Wesen der Räumlichkeiten – und sollten dementsprechend sensibel gestaltet werden.

Die wohl einfachste und beliebteste Variante, proportional missglückte Fenster zu verschönern, sind Vorhänge und ähnliche Formen des Sichtschutzes, wie Jalousie und Rollo. Mit der entsprechenden Bekleidung lässt sich so mancher architektonischer Schönheitsfehler korrigieren, damit das Fenster wieder zum Blickfang wird. Umgekehrt jedoch gilt: Verstecken Sie schöne Fenster nicht! Sind die „Augen des Hauses“ ein architektonisches Highlight, gilt an der Gardinenstange: weniger ist mehr!

Vorhänge dienen vielen Funktionen. Während dank gut isolierter Fenster ihre Bedeutung für die Isolierung schlecht gedämmter Fenster abnimmt, übernehmen sie auch weiterhin die Aufgabe des Schallschutzes sowie der Regulierung des Lichtes und den Schutz der Privatheit. Daher sollten sie flexibel und funktional gestaltet werden und dem Fensterproblem angepasst werden.

In sehr schlichten Räumlichkeiten kann die Fensterbekleidung für ein verspieltes Ambiente sorgen. Wählt man ein Muster für den Vorhangstoff, so sollte sich Farbe oder Muster an anderen Interieurs wiederholen, etwa an Kissen oder Sofa. Finden sich an den Wänden des Raumes bereits ausreichend Muster, etwa in Form einer Tapete, sollte man beim Dekor am Fenster eher sparen. Wichtig ist die Herstellung eines Gleichgewichtes im Gesamtkonzept. Besteht das Interieur vorwiegend aus harten und charakteristischen Oberflächen wie Holz, können weiche und sanfte Vorhänge einen Ausgleich schaffen. Wenn kühle Materialien wie Stein und weißer Verputz dominieren, kann man mit Jalousien aus Holz die fehlende warme Note einbringen.

Wer seine Vorhänge lieber kunstvoll drapieren möchte, ohne dabei allzu verstaubt zu wirken, kann auf Ideen innovativer Designer zurückgreifen. So hat der Designer Florian Kräutli Vorhänge entworfen, in denen kleine Magneten eingearbeitet sind. Dadurch können diese beliebig und immer wieder neu drapiert werden, womit der Vorhang zur kunstvollen Skulptur wird.

Der erste Blick entscheidet

Nachdem kleinere Betriebe des Einzelhandels vom Aussterben bedroht sind, tauchen immer öfter leerstehende Schaufensterlokale im Stadtbild auf. Dort siedeln sich vermehrt Büros und Dienstleister wie auch Arztpraxen an, die von der guten Lage der Geschäftslokale profitieren wollen. Die großen Schaufenster dieser Räumlichkeiten haben damit allerdings die Funktion der Warenpräsentation verloren. Architektonisch betrachtet bieten diese Lokale viele interessante Möglichkeiten, gleichzeitig aber stellen sie die neuen Nutzer vor große Probleme.

Privatsphäre achten

Durch die gelungene Gestaltung eines ehemaligen Schaufensters kann eine Institution Aufmerksamkeit auf sich ziehen, denn der erste Eindruck zählt. Gleichzeitig gilt es den verstärkten Lichteinfall zu regulieren und den wartenden Patienten im Inneren eine Privatsphäre zu ermöglichen. Für breite Fensterflächen bietet sich vor allem der Einsatz von Spezialfolien an.

Sicherheitsfolien halten gebrochenes Glas auch nach einem Steinwurf noch zusammen, während Lichtschutzfolien die UV-Strahlung im Inneren vermindern und so ein Ausbleichen des Interieurs in der Nähe des Fensters verhindern. Sonnen und Sichtschutzfolien reduzieren nicht nur die Wärmeeinwirkung, sondern können auch mit dekorativen Elementen oder dem Logo der Arztpraxis versehen werden und machen großformatige Vorhänge überflüssig.

Im Inneren wiederum lässt sich durch den Einbau einer Wartebank, die scheinbar nahtlos in die Fensterbank des Schaufensters übergeht, die Wirkung des Schaufensters betonen. Mit einer Begrünung aus hohen Gräsern in Blumenkästen im Inneren können weitere hübsche Akzente gesetzt werden und sie verbessert als natürliche Variante des Sicht- und Sonnenschutzes ganz nebenbei auch noch das Raumklima.

Der Einsatz von Farbe am Fenster kann ebenfalls für gestalterische Höhepunkte sorgen. Alte Holzfenster können selbst farbig gestrichen werden, bei modernen Modellen ist das nicht ohne weiteres möglich. Hier kann man in der Fensterlaibung oder mit einem schmalen Rahmen rund um das Fenster für Farbenspiele sorgen, die bei natürlichem Licht besonders satt zur Geltung kommen. Umgekehrt kann man in farbig gestrichenen Räumen durch einen breiten weißen Rahmen am Fenster für eine optische Vergrößerung desselben sorgen.

Mit einfachen Mitteln können Sie so die Wirkung der Gebäudeöffnungen hervorstreichen, damit Ihr „Fenster zum Hof“ nicht zum raumgestalterischen Pendant eines Hitchcock- Thrillers gerät.

 

 Weiterführende Links:

http://www.kraeutli.com

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 49 /2009

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