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Illustration: DI Niel Mazhar
Grundriss und Ansicht einer mit einfachen Mitteln geschaffenen gemütlichen Küchenzone.
 
Praxis 29. Oktober 2009

Bloß kein Einheitsbrei

Wie Sie das Raumgefühl in der Kombüse zum Kochen bringen.

Küchen vereinen eine Nutzung, Kochgerät und hygienische Anforderungen mit Gemütlichkeit und Geborgenheit, zumindest im Idealfall einer Wohnküche. Doch auch wenn wenig Raum zur Verfügung steht, kann die Kochnische zu einem geselligen Treffpunkt werden, egal ob zuhause, oder in der Teeküche der Arztpraxis.

 

Dieses Jahr ging ich ein besonders delikates Projekt an: die Küche. Die davor in dunklem Blau gehaltenen Küchenmöbel sollten einen neuen Anstrich bekommen. Wenn der Alltag immer hektischer wird, sehnt man sich zumindest in den eigenen vier Wänden nach Einfachheit. Daher fiel die Wahl der neuen Farbe auf ein schlichtes Weiß. Kurz nachdem die Farbe getrocknet und der Schöpfergeist von den Dämpfen nicht mehr benebelt war, erkannte ich die Schwächen meiner neuen Küchengestaltung und erinnerte mich, warum ich einst die Küchenmöbel blau gestrichen hatte.

Als die Wiener Architekturlegende Margarete Schütte-Lihotzky mit der „Frankfurter Küche“ die Wohnungen der Zwischenkriegszeit revolutionierte und die Urmutter aller Einbauküchen schuf, wählte sie einen blau-grünen Anstrich für die Holzverkleidung. Wissenschaftler der Universität Frankfurt sollen damals entdeckt haben, dass Fliegen und Mücken diesen Farbton meiden. An diese Episode der Architekturgeschichte erinnerte ich mich, als die ersten Hausfliegen auf der Arbeitsplatte zum Paarungstanz ansetzten.

Die moderne Küche von heute verbindet traditionelle und moderne Aspekte, die hygienisch einwandfreie und effiziente Arbeitsabläufe ermöglicht. Küchen finden sich auch in Betrieben und Büros, wo sie die einfache Essens- und Getränkezubereitung ermöglichen und gleichzeitig als Pausen- und Aufenthaltsraum dienen. „Heim und Herd“ ist nicht umsonst ein Ausdruck für Geborgenheit und Gemütlichkeit. Eine geräumige Wohnküche ist – ebenso wie die kleine Teeküche in einer Arztpraxis – der ideale Ort für eine kleine Verschnaufpause und sollte dementsprechend auch angelegt sein.

Doch gerade in einer Arztpraxis findet sich selten genug Platz für eine geräumige Küche. Dies ist auch nicht zwingend notwendig. Je nach Anforderung und Platzangebot sollte das Augenmerk daher stärker auf die Speisenzubereitung oder die Nutzung als Ruhezone gelegt werden.

Ist die kleine Teeküche in erster Linie als Ruhezone gedacht, reicht dafür einfachstes Küchengerät: die Spüle, eventuell ein Mikrowellenherd, der Geschirrspüler und ausreichend Regale für die Aufbewahrung von Geschirr und kleinen Snacks. Kaum verwendetes großes Gerät raubt nur wertvollen Platz. Stattdessen sollte ein Bereich für eine gemütliche Sitzecke freigehalten werden.

Dabei muss nicht immer gleich auf den Einheitsbrei im Küchenkatalog zurückgegriffen werden, denn gerade Kochnischen können extravagant geplant werden. Sehen Sie das begrenzte Raumangebot als kreative Herausforderung, denken Sie kompakt und flexibel. Statt platzraubender Küchenverbauten könnten es einfache lackierte oder mit Motiven bedruckte Holzplatten an der Wand sein, die die Küchenzone definieren. An Haken und Stangen kann Geschirr und Gerät aufgehängt werden. Statt gewöhnliche Kästen könnten Metallspinde stehen, als spielerischer Umgang mit dem Thema Büroküche (siehe Bild).

Warum nicht eine kleine Teeküche direkt im Warteraum anbieten? Die Zeiten, in denen Küchen im Hinterzimmer versteckt wurden, sind längst vorbei. Den wartenden Patienten gibt dies die Möglichkeit, sich selber einen Tee, Kaffee oder einfach ein Glas Wasser einzuschenken. Das verkürzt die Wartezeit deutlich und ist eine freundliche Geste, die der anspruchsvolle Patient von heute sicher zu schätzen weiß.

Bei der Farbwahl der Küchen sind Ihnen übrigens auch weiterhin nicht die Hände gebunden. Ob sie elegantes Weiß oder ein kräftiges Blau bevorzugen, bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen. Dass Fliegen die Farbe Blau meiden würden, ist übrigens nichts als ein weit verbreitetes Märchen. Im Gegenteil: Fliegen lieben Blau, es ist sogar einer der wenigen Farbtöne, die sie überhaupt wahrnehmen können. Blau-grüne Farbflächen sollen die Insekten früher nur deshalb gemieden haben, weil die damaligen Farbstoffe giftige Substanzen enthielten. Ich habe letzte Woche übrigens noch einmal einzelne Seiten meiner weißen Möbel mit einem hellen Beige überstrichen. Nicht der Fliegen wegen, aber zu viel Einfachheit – ob im Leben oder in der Raumgestaltung – ist doch etwas langweilig.

Von DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 44 /2009

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